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Archivale im Fokus

01.12.2017

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US-amerikanische Patenturkunde für Gustav Karl Hennig, Mitarbeiter der Leipziger Pianofortefabrik Hupfeld-Gebr. Zimmermann AG, für automatische Geigenbögen der Phonoliszt-Violina, 1915(SächsStA-L, 20903 Leipziger Pianofortefabrik Hupfeld-Gebr. Zimmermann AG, Nr. 15, Bl. 27 - 30)
(©Sächsisches Staatsarchiv)

Auch 125 Jahre nach der Gründung der Ludwig Hupfeld AG, der ehemals größten Fabrik Europas für selbstspielende Klaviere und Orchestrions, beeindruckt deren Phonoliszt-Violina als eine einzigartige Kombination aus selbstspielenden Instrumenten, die vor allem Gaststättenbesucher zu Beginn des 20. Jahrhunderts faszinierte.

Die US-amerikanische Patenturkunde zeugt von der internationalen Ausstrahlung dieses einst bedeutenden Leipziger Unternehmens.

Die Pianofortefabrik Hupfeld-Gebr. Zimmermann AG wurde 1884 von den gelernten Tischlern Richard und Max Zimmermann zunächst als Pianofortefabrik Gebrüder Zimmermann mit Hauptsitz in Mölkau gegründet und bereits 1895 zur Aktiengesellschaft umgewandelt. 1926 erfolgte die Übernahme der Firma Ludwig Hupfeld AG, die 1892, vor nun 125 Jahren, gegründet worden war. Mit dem Zusammenschluss entstand die Firma Leipziger Pianoforte- und Phonolafabrik Hupfeld Gebr. Zimmermann AG mit neuem Hauptsitz in Böhlitz-Ehrenberg. Mit insgesamt sieben Zweigwerken wuchs die Fabrik zum größten Pianoforte-Industrieunternehmen Europas an. Ziel des Unternehmens war die Herstellung und der Verkauf von Flügeln und Pianos. Große Bekanntheit erhielt die Firma mit der Produktion von selbstspielenden Klavierautomaten und Orchestrien wie der Phonoliszt-Violina. Am 2. und 3. Dezember 2017 wird in einem Symposium zur Geschichte der Ludwig-Hupfeld AG in zahlreichen Fachbeiträgen, einem Phonola-Konzert sowie Rundgängen durch das Werksgebäude in Leipzig (Böhlitz-Ehrenberg) an diese bedeutende Firma erinnert.

In der US-amerikanischen Patenturkunde für Gustav Karl Hennig wird dessen Erfindung, der automatische Geigenbogen für die Phonoliszt-Violina, beschrieben. Die Urkunde wurde am 16. März 1915 an den Mitarbeiter der Leipziger Pianofortefabrik Hupfeld-Gebr. Zimmermann AG ausgestellt. Die Phonoliszt-Violina ist eine Kombination aus einem automatischen Klavier und meist drei Geigen, welche sich im oberen Teil des mechanischen Streichinstruments und innerhalb des ringförmigen Geigenbogens befinden. Dieser sogenannte Ringbogen dreht sich um die an einem beweglichen Gestell angebrachten Geigen, die durch die Windzufuhr von einer Notenrolle aus bewegt werden. Der Wind wird durch Leitungen Blasebälgen zugeführt, welche die Geigen in Richtung der Bespannung des Ringbogens bewegen und somit zum Ertönen bringen. Die Tonhöhe wird durch fingerähnliche mechanische Vorrichtungen bestimmt, mit denen die Geigensaiten auf das Griffbrett gedrückt werden.

Das Staatsarchiv Leipzig verwahrt den Bestand 20903 Leipziger Pianofortefabrik Hupfeld-Gebr. Zimmermann AG im Umfang von 11 laufenden Meter Archivgut aus den Jahren 1882 bis 1948. Der Bestand ist auf der Website des Sächsischen Staatsarchivs vollständig recherchierbar.

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