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11.05.2018

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Verlagsvertrag zur »Geschichte der Wissenschaften in Deutschland«, 1862 (SächsStA-L, 22378 Koehler & Amelang, Leipzig, Nr. 127, hier S. 1 und 3)
(© gemeinfrei)

Ein wissenschaftshistorisches Großprojekt nimmt seinen Anfang: Leopold von Ranke unterzeichnet 1862 den Verlagsvertrag zu einer vielbändigen »Geschichte der Wissenschaften in Deutschland«.

Die »Geschichte der Wissenschaften in Deutschland« ist ein 24 Bände umfassendes Werk, das im Auftrag der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in den Jahren 1864 bis 1913 herausgegeben wurde. Die Historische Kommission war 1858 von König Maximilian II. von Bayern gegründet worden und ist auch heute noch eine der größten außeruniversitären historischen Forschungseinrichtungen in Deutschland. Der bayerische König unterstützte auch das Projekt der »Geschichte der Wissenschaften in Deutschland«, angeregt von dem Historiker Leopold von Ranke, dem geistigen Vater und von 1858 bis 1886 Präsidenten der Historischen Kommission.

 

Wie der Vertrag zur Veröffentlichung zeigt, wurden die ersten Bände von der Literarisch-artistischen Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung herausgegeben. Bis 1869 erschienen acht Bände, dann übertrug die Literarisch-artistische Anstalt das Verlagsrecht an den R. Oldenbourg Verlag in München.

 

Der Vertrag zwischen der Historischen Kommission und der Literarisch-artistischen Anstalt mit den Zusatzbestimmungen zum R. Oldenbourg Verlag wurde während der Erschließung von Vertragsunterlagen des Leipziger Verlages Koehler & Amelang zwischen diesen ermittelt. Weshalb sich der Vertrag dort befand, ist bisher nicht bekannt.

 

Der Verlag Koehler & Amelang entstand 1925 durch eine sukzessive Fusion der beiden historischen Buchhandelsfirmen K. F. Koehler aus Leipzig und C. F. Amelang aus Berlin. Mit dem Zusammenschluss erhielt der Verlag seinen Sitz in Leipzig. Noch erhaltenes Archivgut des Verlages wurde im April 2015 als Schenkung der SeemannHenschel GmbH in das Staatsarchiv Leipzig übernommen. Es ergänzt damit die mit über 45 Beständen von Wissenschafts-, Lexikon-, Belletristik-, Musik- und anderen Verlagen in ihrer Vielfalt bundesweit einmalige Verlagsüberlieferung im Staatsarchiv.

 

Der Bestand 22378 Koehler & Amelang, Leipzig umfasst insgesamt 4,24 laufende Meter mit einer Laufzeit von 1862 bis 1999. Schwerpunkte der Überlieferung bilden Vertragsakten und die Korrespondenz des Verlages. Er wurde 2017 erschlossen, in den Verzeichnungsangaben kann seitdem online recherchiert werden.

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