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Beständeübersicht

Bestand

30345 Hauptzollamt Zwickau

Datierung1781 - 1951
Benutzung im Staatsarchiv Chemnitz
Umfang (nur lfm)3,98
1. Geschichte der Steuer- und Zollverwaltung
Mit der Verordnung über die Organisation der Verwaltungsbehörden für indirekte Staatsabgaben vom 10. Dezember 1832 wurde auch im Steuerbereich eine neue Behördenstruktur geschaffen. Für die Verwaltung der indirekten Abgaben richtete man drei Instanzen ein, das Finanzministerium als oberste Verwaltungsbehörde, die Generalzolldirektion als Mittelinstanz sowie die Hauptsteuerämter und Hauptzollämter als untere Steuerbehörde. Letztere wurden ab 1. Juli 1900 einheitlich als Hauptzollämter bezeichnet. Den Hauptzollämtern waren diverse Ämter untergeordnet, z.B. Chausseegeldereinnahmen (bis 1856), (Unter-) Steuerämter, Nebenzollämter (erster und zweiter Klasse), und z.T. eine Schlachtsteuereinnahme. Ab 1910 wurden die nachgeordneten Zoll- und Steuerbehörden auf Zoll- und Nebenzollämter reduziert.
Den Direktivbehörden waren Reichsbevollmächtigte für Zölle und Steuern und für die Erbschaftssteuer beigeordnet, den örtlichen Zoll- und Steuerbehörden Stationskontrolleure. Die Reichsbevollmächtigten und die Stationskontrolleure überwachten die Einhaltung des gesetzlichen Verfahrens bei Erhebung und Verwaltung der Zölle und gemeinschaftlichen Abgaben. Die Reichsaufsicht in Zuwachssteuer-, Erbschaftssteuer-, Wehrbeitrags-, Besitzsteuer- und Kriegssteuerangelegenheiten war den Reichsbevollmächtigten vorbehalten.
Wichtigste Aufgabe dieser Behörden war die Einnahme und Verwaltung der indirekten Abgaben, die seit 1868/1871 weitgehend dem Deutschen Reich zustanden, und die Erhebung von Zöllen an den Landesgrenzen. Für Sachsen verlagerte sich nach Gründung des Deutschen Zollvereins der Schwerpunkt der Zollkontrolle an die Grenzen zu Böhmen sowie auf den grenzüberschreitenden Warenverkehr bei Elbschifffahrt und Eisenbahn. Als indirekte Abgaben kamen um 1900 die Zölle, die Tabaksteuer, die Zigarettensteuer, die Zuckersteuer, die Salzsteuer, die Branntweinsteuer, die Essigverbrauchsabgabe, die Brausteuer, die Schaumweinsteuer, die Leuchtmittelsteuer, die Zündwarensteuer, die Wechselstempelsteuer, die Spielkartenstempelsteuer, die Reichsstempelsteuer und Erbschaftssteuer hinzu. Ausschließlich für die sächsische Steuereinnahme wurden die Schlachtsteuer und die Stempelsteuer erhoben. Nach 1919 wurden diese Behörden in die Reichsfinanzverwaltung eingegliedert


2. Geschichte des Hauptzollamtes Zwickau
Das Hauptsteueramt, ab 1900 Hauptzollamt Zwickau war dem Aufsichts- und Kontrollbereich des Stationskontrolleurs in Chemnitz zugeordnet. Das Hauptzollamt Zwickau nahm ab 1908 zusätzlich die Funktion eines Erbschaftssteueramtes wahr, das 1912 zum Erbschafts- und Zuwachssteueramt erweitert wurde. Mit der Eingliederung in die Reichsfinanzverwaltung wurde die Steuerverwaltung 1919/1920 den Finanzämtern Zwickau-Land und Zwickau-Stadt übertragen. Die Zollkontrolle und -abfertigung verblieb beim Hauptzollamt Zwickau.
Der Zuständigkeitsbereich des Hauptsteueramtes Zwickau verkleinerte sich zwischen 1865 und 1879 durch die Einrichtung des Hauptsteueramtes Glauchau. Nach dessen Auflösung unterstanden die Steuerbehörden wieder dem Hauptsteueramt Zwickau.
Die Leitung oblag einem Oberinspektor bzw. ab 1880 einem Obersteuerinspektor. Unterstützt wurde der Beamte durch einen Hauptamtsrendanten und einen Hauptamtskontrolleur. Außerdem waren mehrere Steuerbeamte angestellt. Mit der Umbenennung der Behörde in Hauptzollamt ging auch die Umbenennung der Dienstposten einher: Die Leitung übernahm ab 1900 ein Oberzollinspektor, dem der Hauptzollamtsrendant, der Hauptzollamtskontrolleur sowie die anderen Steuerbeamten unterstellt waren. Mit der Eingliederung in die Reichsfinanzverwaltung fielen die Funktionen des Hauptzollamtsrendanten und des Hauptzollamtskontrolleurs sowie der Steuerbeamten fort.
Dem Hauptsteueramt Zwickau unterstanden drei (ab 1914 vier, ab 1921 fünf) Steuerämter in Crimmitschau, Glauchau und Meerane. Untersteuerämter waren in Aue, Crimmitschau, Kirchberg, Lichtenstein und Schneeberg eingerichtet. Die Anzahl und die Standorte variierten in den Jahren. Daneben existierten Steuerrezepturen, Chausseegeldereinnahmen und Brückengeldereinnahmen sowie ab 1894 Schlachtsteuereinnahmen in den Schlachthöfen der Städte Glauchau, Meerane und Zwickau. 1894 wurde eine Zollabfertigungsstelle beim Bahnhof Zwickau eingerichtet, die ab 1921 ein eigenständiges Zollamt war. 1921 und 1925 fanden größere Veränderungen in der Behördenstruktur statt. Es wurden neue Zollämter in Auerbach, Lengenfeld, Lößnitz, Reichenbach, Treuen und Zwönitz eingerichtet. Die Steuerrezepturen Hartenstein und Lößnitz wurden zu Nebenzollämtern erhoben.

Dem Hauptsteueramt / Hauptzollamt Zwickau waren folgende Behörden unterstellt[01] :
Steuerämter / Zollämter[02]
Crimmitschau, Glauchau, Meerane, Schneeberg (ab 1921), Werdau (ab 1914), Zollamt am Bahnhof Zwickau (ab 1921)
ab 1925: Aue, Auerbach, Crimmitschau, Glauchau, Hartenstein, Kirchberg, Lengenfeld, Lichtenstein, Lößnitz, Meerane, Reichenbach, Schneeberg, Treuen, Werdau, Zwönitz, Zollamt am Bahnhof Zwickau

Untersteuerämter / Nebenzollämter[03]
Aue (ab 1896), Crimmitschau (bis 1896), Glauchau[04] , Hartenstein[05] , Kirchberg, Lichtenstein, Meerane (1880 – 1895), Schneeberg, Werdau (bis 1914)[06]
ab 1921: Aue, Hartenstein, Kirchberg, Lichtenstein, Lößnitz, Zwönitz

Zollinspektionen[07]
Aue, Zwickau I, Zwickau II, Zwickau III

Steuerrezepturen[08]
Aue, Hartenstein (ab 1884), Lößnitz, Meerane (bis 1866), Silberstraße (bis 1873), Wiesenburg (ab 1874)[09]

Chausseegeldereinnahmen[10]
Altschönfels, Aue, Burkhardtsgrün (bis 1845), Carthause, Dürrenuhlsdorf (nur 1837), Leubnitz (ab 1839), Langenbernsdorf (ab 1841) Lichtenstein[11] , Marienthal, Mosel, Neustädtel (ab 1843), Oberschindmaas (ab 1854), Obertirschheim (bis 1839), Schedewitz, Silberstraße, Waldenburg (bis 1839), Waldsachsen, Zschocken, Zwickau

Schlachtsteuereinnahmen[12]
Glauchau (ab 1898), Meerane, Zwickau

Das Hauptsteueramt / Hauptzollamt Zwickau wurde geleitet von:
Oberinspektor / Obersteuerinspektor[13] / Oberzollinspektor[14]
1837 – 1854: Carl Heinrich Pinther
1857 – 1866: Hermann Otto Raupisch
1867 – 1874: Karl Anton Teichmann
1875 – 1877: Karl Oscar Horn
1878 – 1896: Hermann Richard Oertel
1897 – 1903: Alfred Wilhelm Zenker
1905 – 1906: Otto Paul Meyer
1907 – 1911: F. R. Trautmann
1912 – 1914: K. G. Winter
1921 – 1927: Erhardt

Hauptamtsrendant / Hauptzollamtsrendant[15]
1837 – 1863: Christian August Meyer
1865 – 1867: Karl Friedrich von Abendroth
1870 – 1877: Hermann Ernst Maffalsky
1878: unbesetzt
1880 – 1883: Guido Selmar Wild
1884 – 1889: Franz Moritz Grimm
1890 – 1896: Ernst Ludwig Rümmler
1897 – 1902: Johann Georg Ernst Rolle
1903 – 1914: Emil Georg Kretzschmar

Hauptamtskontrolleur / Hauptzollamtskontrolleur[16]
1837 – 1843: Friedrich Wilhelm Haupt
1845 – 1866: Julius Louis Schmieder
1867 – 1874: Heinrich Gustav Haas
1875 – 1883: Franz Moritz Grimm
1884 – 1889: Ernst Ludwig Rümmler1890 – 1896: Johann Georg Ernst Rolle
1897 – 1902: Emil Georg Kretzschmar
1903 – 1909: Georg Max Hofmann
1910 – 1914: G. W. H. Ehrhardt


3. Bestandsgeschichte
Die Akten mit den lfd. Nummern 1 – 99 wurden in den Jahren 1912, 1916 und 1918 vom Hauptzollamt Zwickau an das Hauptstaatsarchiv Dresden abgegeben. Die Unterlagen waren in maschinenschriftlichen und handschriftlichen Abgabeverzeichnissen erfasst.
Der Bestand wurde 2003 im Rahmen der Beständebereinigung zwischen den sächsischen Staatsarchiven vom Hauptstaatsarchiv Dresden an das Staatsarchiv Chemnitz übergeben. 2006 wurde der Bestand mit Akten aus den Überlieferungen des Kreistag/Kreisrat Glauchau und der Bezirkssteuereinnahme Zwickau ergänzt. Eine Akte wurde im Gegenzug dem Bestand 30342 Hauptzollamt Chemnitz zugeordnet. 2011 übergab das Hauptstaatsarchiv Dresden sechs Personalakten aus der Überlieferung des Hauptzollamtes Zwickau.
2016 wurden die Abgabeverzeichnisse von 1912, 1916 und 1918 retrokonvertiert. Ziel war die Verbesserung der Recherchemöglichkeiten durch die Eingabe in die Erschließungsdatenbank Augias-Archiv. Die Abgabeverzeichnisse beschränkten sich auf die Angaben zu lfd. Nummer, (verkürzten) Aktentitel und Beginn der Laufzeit. Darüber hinaus fand sich auf dem Abgabeverzeichnis von 1916 der handschriftliche Vermerk, dass die Aktentitel zu ungenau seien. Aus diesen Gründen und um das Ziel, die Recherchemöglichkeiten zu verbessern, zu erreichen, wurden anhand der Akten die Aktentitel überprüft und ergänzt, die Laufzeiten festgestellt sowie die Provenienzen und Registratursignaturen (Aktenzeichen) erfasst.
Im Anschluss wurde der Bestand klassifiziert. Dabei wurde die vorhandene Klassifikation des Hauptzollamtes Eibenstock verwendet. Zur Vervollständigung wurde das Findbuch um eine Einleitung ergänzt.


4. Bestandsanalyse
Der Bestand umfasst insgesamt 4,00 lfm Akten, wovon ca. 1,30 lfm nicht erschlossen sind. Es sind auch Akten der Vorgängerbehörden enthalten, so dass die Überlieferung einen Zeitraum von 1781 bis 1951 abdeckt. Insgesamt sind folgende Provenienzen enthalten:
* Accis-Inspektion Zwickau
* Bezirksaccis-Inspektion Zwickau
* Amtshauptmannschaft Zwickau
* Geleits- und Accis-Commissariat des Erzgebirgischen Kreises
* Geleits- und Accis-Commissariat des Vogtländischen Kreises
* Geleits- und Accis-Commissariat Zwickau
* Hauptsteueramt Glauchau
* Hauptsteueramt Zwickau
* Hauptzollamt Dresden-Altstadt
* Hauptzollamt Zwickau
* Obersteuerinspektion Zwickau
* Rentamt bzw. Forstrentamt Schwarzenberg
* Schönburgisches Amt Stein zu Lößnitz

Der Bestand enthält Unterlagen zu Personal- und Haushaltsangelegenheiten, zur Errichtung und Unterhaltung nachgeordneter Dienststellen sowie zur Erhebung von Steuern und Zöllen. Mit zwei Akten ist der Import von Textilmaschinen aus England dokumentiert. Die Auswirkungen der Kartoffelkrankheit auf die Branntweinbrennerei und in der Folge auf die Steuererhebung werden untersucht


5. Literatur
Das indirecte Abgabenwesen im Königreich Sachsen seit der Gründung des Deutschen Zollvereins. Leipzig, 1884.

Übersicht über die Bestände des Sächsischen Landeshauptarchivs und seiner Landesarchive. Leipzig, 1955.

Clausnitzer, M.: Deutsche Zollgeschichte vom Ursprung der Zölle bis zur Gründung der Reichsfinanzverwaltung. Leipzig, 1933.

Fischer, F. C. J.: Geschichte des deutschen Handels : Geschichte der Schifffahrt, Fischerei, Erfindungen, Künste, Gewerbe, Manufakturen, der Landwirtschaft, Polizei, Leibeigenschaft, des Zoll-, Münz- und Bergwesens, der Scheidekünste, des Seerechts und Wechselrechts, der Stadtwirtschaft und des Luxus. Neudruck der Ausgabe von 1791 – 1797, 1969 – 1972.

North, M. (Hrsg.): Von Aktie bis Zoll. Ein historisches Lexikon des Geldes

Ulbricht, G.: Finanzgeschichte Sachsens im Übergang zum konstitutionellen Staat (1763 – 1843). St. Katharinen, 2001 (Studien zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte Bd. 23).

von Nostiz-Drzewiecki, H. C. F.: Das Königreich Sachsen als Zollvereins- und Elbufer-Staat oder Handbuch der ... noch gültigen Staatsverträge, sowie der dahin einschlagenden wichtigen Bestimmungen. Leipzig, 1847



[01] Staatshandbuch für das Königreich Sachsen 1837, 1839, 1841, 1843, 1845, 1847, 1850, 1854, 1858, 1860, 1863, 1865 – 1867, 1870, 1873 – 1878, 1880 – 1903, 1914; Staatshandbuch für den Freistaat Sachsen 1921, 1925, 1927
[02] ab 1910
[03] ab 1910
[04] zwischen 1865 und 1879 beim selbständigen Hauptsteueramt Glauchau; ab 1880 wieder beim Hauptsteueramt Zwickau
[05] zwischen 1884 und 1901 nur Steuerrezeptur
[06] wird zum Zollamt erhoben
[07] ab 1925
[08] ab 1839; Bezeichnung 1857 – 1882: Biersteuerrezeptur; ab 1896 keine Angaben im Staatshandbuch
[09] zwischen 1888 und 1891 durch Schönau ersetzt
[10] Bis 1854 im Staatshandbuch für das Königreich Sachsen eingetragen.
[11] zwei Chausseegeldereinnahmen
[12] Ab 1894
[13] ab 1880
[14] ab 1901
[15] ab 1901
[16] ab 1901
Das indirecte Abgabenwesen im Königreich Sachsen seit der Gründung des Deutschen Zollvereins. Leipzig, 1884.

Übersicht über die Bestände des Sächsischen Landeshauptarchivs und seiner Landesarchive. Leipzig, 1955.

Clausnitzer, M.: Deutsche Zollgeschichte vom Ursprung der Zölle bis zur Gründung der Reichsfinanzverwaltung. Leipzig, 1933.

Fischer, F. C. J.: Geschichte des deutschen Handels : Geschichte der Schifffahrt, Fischerei, Erfindungen, Künste, Gewerbe, Manufakturen, der Landwirtschaft, Polizei, Leibeigenschaft, des Zoll-, Münz- und Bergwesens, der Scheidekünste, des Seerechts und Wechselrechts, der Stadtwirtschaft und des Luxus. Neudruck der Ausgabe von 1791 – 1797, 1969 – 1972.

North, M. (Hrsg.): Von Aktie bis Zoll. Ein historisches Lexikon des Geldes

Ulbricht, G.: Finanzgeschichte Sachsens im Übergang zum konstitutionellen Staat (1763 – 1843). St. Katharinen, 2001 (Studien zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte Bd. 23).

von Nostiz-Drzewiecki, H. C. F.: Das Königreich Sachsen als Zollvereins- und Elbufer-Staat oder Handbuch der ... noch gültigen Staatsverträge, sowie der dahin einschlagenden wichtigen Bestimmungen. Leipzig, 1847.
Chausseeangelegenheiten.- Zollfreie Einfuhr von englischen Maschinen.- Messen.- Personalangelegenheiten.- Salzregie.- Biersteuer.- Branntweinsteuer.- Maße und Gewichte.- Schlachtsteuer.- Zündwarensteuer.
Das Hauptsteueramt, ab 1900 Hauptzollamt Zwickau war dem Aufsichts- und Kontrollbereich des Stationskontrolleurs in Chemnitz zugeordnet. Das Hauptzollamt Zwickau nahm ab 1908 zusätzlich die Funktion eines Erbschaftssteueramtes wahr, das 1912 zum Erbschafts- und Zuwachssteueramt erweitert wurde. Mit der Eingliederung in die Reichsfinanzverwaltung wurde die Steuerverwaltung 1919/1920 den Finanzämtern Zwickau-Land und Zwickau-Stadt übertragen. Die Zollkontrolle und -abfertigung verblieb beim Hauptzollamt Zwickau.
Weitere Angaben siehe Einleitung zur Tektonikgruppe 02.03.05.07.
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