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Beständeübersicht

Bestand

21068 Bosworth & Co., Leipzig

Datierung1882 - 1954
Benutzung im Staatsarchiv Leipzig
Umfang (nur lfm)0,50
Zur Geschichte von Bosworth & Co., Musikverlag, Leipzig

Die Firma Bosworth & Co. wurde 1889 in Leipzig (Goldschmidtstraße 10; vormals Königstraße 10) als Musikalienhandlung und Verlag gegründet. Ebenfalls in der Goldschmidtstraße 10 befand sich eine Großhandlung mit Musikalien, die 1923 als Zentrallager mbH gegründet wurde. [01]
Die Idee der Firmengründung geht auf den englischen Musikverleger Thomas Chapell zurück. Sein Interesse war es, die in England und Amerika erfolgreichen Bühnenwerke (Operetten) von Arthur Sullivan deutschlandweit zu vertreiben. So siedelte der damals für den Verlag Chapell in London tätige Prokurist Arthur Edwin Bosworth nach Deutschland über, um die Geschäftsführung für die Firma in Leipzig zu übernehmen. Da der Engländer mit dem deutschen Musikverlagswesen noch nicht vertraut war, trat Carl Kratochwill als dritter Partner in die Geschäftsführung ein.
Thomas Chapell und Carl Kratochwill verließen die Firma nach nur zwei Jahren. Als Arthur Edwin Bosworth 1923 starb, wurden seine Söhne Laurence Owen und Arthur Ferdinand Bosworth, beide Musikverleger, Inhaber der Firmen Bosworth & Co. und Bosworth & Co. Zentrallager mbH.
Bosworth & Co. gelang es in den Jahren nach der Gründung, sich in Leipzig mit festem Verlagsprogramm zu etablieren, so dass einer Expansion des Verlages nichts im Wege stand. 1892 wurde eine Zweigniederlassung in London gegründet. In Folge dessen entstanden zwischen Leipzig und London rege Geschäftsverbindungen. Von Bosworth & Co. London aus kam es zur Knüpfung weiterer Kontakte mit Verlagen und Musikalienhandlungen in Großbritannien und den USA und zur Errichtung einer Zweigniederlassung in New York (USA). Weitere Niederlassungen befanden sich in Berlin, Wien (1902), Brüssel, Zürich (1908) und Köln.
Bosworth & Co. war immer bestrebt, seinen Katalog durch eigene Publikationen zu erweitern, und bemühte sich um den Erwerb von Lizenzen. Um 1900 gelang es der Firma, die bis dahin im Eigenverlag erschienenen Studienwerke für Violine von Otakar Ševcík in den Katalog zu integrieren. Diese Werke gehören auch heute noch zu den wichtigsten Unterrichtswerken für Violine. Bosworth & Co. entschied sich für eine Zusammenarbeit mit Professor Leo Portnoff (Lehrer im Violinspiel in Miami, Florida) zwecks einer Neuverfassung der Schule der Violintechnik von Otakar Ševcík.
Eine weitere Möglichkeit, das Verlagsprogramm zu erweitern, bot sich der Firma Bosworth & Co. durch den Kauf fremder Verlage. 1902 kaufte die Firma den Wiener Verlag Kratochwill und gründete damit eine bedeutende Zweigniederlassung in Wien unter dem Namen "Bosworth & Co. Wien, V. Kratochwill's Nachf.". Mit dem Verlagskauf zog Arthur Edwin Bosworth nach Wien. Wichtige Werke wie Operetten und Wienerlied wurden für das Verlagsrepertoire erworben. Nach dem Kauf des Wiener Verlages Julius Chmél 1905 gelangte die Komposition des Walzers "Gold und Silber" von Franz Lehár in den Verlag. An diesem Werk bestand eine große Nachfrage, auch im Ausland. [02]
1938 wurde Wien als Zweigniederlassung der Firma Bosworth & Co. Leipzig in das Handelsregister eingetragen. 1939 kam es zur Auflösung des Josef Blaha Verlages Wien und zur Übertragung des Vermögens auf Bosworth & Co. Leipzig mit Zweigniederlassung Wien. Die Fa. Josef Blaha hatte engen Kontakt zu bekannten Wienerlied-Komponisten wie Ludwig Gruber, Alexander Hornig, Johann Sioly und Carl Lorens gepflegt. Während des 2. Weltkrieges (1939-1945) standen die Leipziger und die Wiener Firma unter Zwangsverwaltung. Der Rechtsanwalt Dr. Georg Greuner wurde als Verwalter der Firmen eingesetzt. Curt Gräfe erhielt Einzelprokura (1941-1947). Nach dem Krieg fungierte der Buchhalter Ernst Fritz Hartmann als Verwalter.
Am 4. Dezember 1943 erlitt die Firma in Leipzig einen Bombenschaden. Wichtige Geschäftspapiere konnten gerettet werden. Das Drucken und die Produktion von Musikalien waren während des Krieges nur mit Einschränkungen möglich, es konnten kaum Auslieferungen vorgenommen werden. Der Wiederaufbau der Firma Bosworth & Co. Leipzig nach 1945 gestaltete sich schwierig, denn für den Leipziger Betrieb gab es eine Verkaufssperre und Herstellungsverbot. Zwar erhielt die Leipziger Firma die Zulassung für die "OHG Bosworth & Co." als Musikalien-Einzelhandel genehmigt, ihr wurde aber keine Lizenz zum Betrieb eines Musikverlages erteilt.
Daher kam es zu Bestrebungen, den Sitz der Leipziger Firma nach Westdeutschland zu verlegen. Im Dezember 1949 wurde der Sitz nach Köln verlegt; Curt Gräfe übernahm dort die Geschäftsführung. Auf dem Gebiet der Unterhaltungsmusik gelang es dem Kölner Verlagshaus auch aus Osteuropa Subverlagsrechte für den deutschen Markt zu erwerben. Viele dieser Werke wurden sehr populär, wie z. B. das "Warschauer Konzert" von Richard Addinsell, das 1950 offiziell zur Einfuhr genehmigt wurde.
Laut Bestallungsurkunde vom 30. Mai 1952 wurde die Leipziger Firma durch das Ministerium für Wirtschaft und Arbeit – Rechtsabteilung – Verwaltung und Schutz – des ausländischen Eigentum in Treuhänderschaft übernommen.
1992 übernahm die Midland Bank Trust Company (London, England) den Verlag Bosworth & Co. 1996 wurde die Gesellschaft Bosworth & Co. in Leipzig nachträglich zum 31. Dezember 1993 aufgelöst. Die Firma ist erloschen.

Bestandsgeschichte und -bearbeitung

Der Bestand wurde 1958 vom Verwaltungsarchiv des Rates der Stadt Leipzig übernommen und im Februar 1964 in das (damals als Landesarchiv firmierende) Staatsarchiv Leipzig übernommen. Er umfasste 2 laufende Meter ungeordnete Unterlagen, die noch im Jahr 1964 bewertet wurden. Die verbliebenen 0,5 lfm wurden durch Erwin Krug ebenfalls 1964 im Rahmen eines Praktikums in einer Findkartei erfasst. Im Jahr 2011 wurden die Angaben der Findkartei durch Christina Loose, Praktikantin, in die Archivsoftware übertragen und teilweise präzisiert und die vorliegende Findbucheinleitung ergänzt. Die Akte Nr. 7 wurde geteilt und bildet jetzt die Akten Nr. 7 und 29.

Überlieferungsschwerpunkte

Bei dem vorliegenden Bestand handelt es sich um eine heterogene Splitterüberlieferung. Trotzdem dokumentieren die Unterlagen wichtige Tätigkeitsfelder des Verlags, so sind die Geschäftsverbindungen nach London durch Schriftwechsel (Nr. 11) und Lizenzverträge mit der Keith Prowse & Co. Ltd., London belegt (Nr. 12). Die Akte Nr. 11 enthält auch Bilanzen der New Yorker Niederlassung sowie in einer Abschrift von 1935 den Plan einer Verlegung der Niederlassung von 1924. Zu den Vermögensverhältnissen der Niederlassungen im Ausland von 1929-1939 kann Nr. 3 herangezogen werden. Die Zusammenarbeit mit der Firma Bosworth & Co., Köln ist für die Jahre 1950-1952 belegt (Nr. 14).
Schriftwechsel mit Komponisten sind kaum enthalten. Eine Ausnahme bilden die Unterlagen zu Leo Portnoff und seiner Bearbeitung von "Otokar Sevcik's Schule der Violintechnik op. 1 in melodischen Etüdenformen" (Nr. 17 und 18).
Von der Fa. Josef Blaha, Wien sind v. a. Verlagsverträge und –scheine von Komponisten erhalten sowie einzelne Schreiben von Komponisten, u. a. von Julius Fucík und Karl Hanslitschek.
Noch ungeklärt ist der Bezug von Bosworth & Co. zum A. Glas Verlag, Berlin, von dem ebenfalls Verlagsscheine und –verträge enthalten sind (u. a. von Victor Hollaender und Paul Lincke). Nachweisbar ist, dass Bosworth & Co. die Firma Röhr, Berlin, 1934 gekauft hat. Somit liegt die Vermutung nahe, dass der A. Glas Verlag, Berlin auch gekauft worden ist.

Verweise auf korrespondierende Bestände

Auf die Firma Bosworth & Co., Musikverlag, Leipzig beziehen sich auch folgende Akten im Staatsarchiv Leipzig:

20206 Oberfinanzpräsident Leipzig, Nr. 1545 (1941-1944)
20242 Kreis-Industrie- und Handelskammern Nordwestsachsens, Nr. 986 (1952-53)

Christina Loose

August 2011




[01] Die folgende Darstellung basiert auf Informationen zur Verlagsgeschichte auf den Webseiten der heutigen Verlage Bosworth, siehe www.bosworth.at/index.php?id=9 und www.bosworth-print.de/wir-ueber-uns/geschichte/ (letzte Aufrufe: 03.08.2011) sowie den Handelsregisterakten: Sächsisches Staatsarchiv - Staatsarchiv Leipzig (im Folgenden: StA-L), 20124 Amtsgericht Leipzig, HRA 49 bzw. HRA 6737 (Zentrallager).
[02] Siehe hierzu auch die Exportbestellungen von Geschäftspartnern und Kunden 1946-1947, StA-L, 21068 Bosworth & Co., Musikverlag, Leipzig, Nr. 13.
Geschäftsführung.- Finanzen.- Fa. Josef Blaha, Wien.- Verlagsverträge.
Die Firma Bosworth & Co. wurde als Musikverlag und Musikalienhandlung 1889 durch den englischen Prokuristen A. E. Bosworth in Leipzig gegründet. Nach der Jahrhundertwende entstanden Niederlassungen und Filialen in Wien, Zürich, Brüssel und New York. Die Auslieferung des Londoner Verlags gleichen Namens erfolgte auch über Leipzig. 1945 erhielt der Verlag Bosworth & Co. in der Sowjetischen Besatzungszone die Genehmigung zur Weiterführung seiner Tätigkeit. Dieser Verlag wurde "in Verwaltung" geführt, bevor seine Geschäftstätigkeit nach 1954 erlosch.
  • 2011 | Findbuch / Datenbank
  • 2021-12-08 | Diese Ausgabe über AWAX 2.0.1.3
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