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Beständeübersicht

Bestand

21079 Universalverlag GmbH, Leipzig

Datierung1929 - 1952
Benutzung im Staatsarchiv Leipzig
Umfang (nur lfm)1,43
Vorbemerkung


Das vorliegende Findbuch ist das Ergebnis einer Retrokonversion des bereits zu diesem Be-stand vorhandenen maschinenschriftlichen Findbuches aus dem Jahr 1983. Ziel der Retrokon-version war die Verbesserung der Recherchemöglichkeiten durch die Eingabe in die Erschlie-ßungsdatenbank Augias-Archiv. Dabei wurden die maschinenschriftlich vorliegenden Angaben mit nur wenigen inhaltlichen Veränderungen in die digitale Form überführt. Die im Findbuch von 1983 verwendete Terminologie, welche auch die gesellschaftlichen Verhältnisse zum Zeitpunkt der Bearbeitung widerspiegelt, blieb folglich unberührt. Dies gilt sowohl für die einzelnen Verzeichnungseinheiten als auch für die Findbucheinleitung. Eine – fachlich wünschenswerte – Überarbeitung kann derzeit aus Kapazitätsgründen nicht erfolgen.



Einleitung


Geschichte des Universalverlages


Der Universalverlag Willi Vobach & Co.- Bernhard Meyer - Curt Hamel, Leipzig, wurde im Jahre 1937 gegründet durch Zusammenlegung der Einzelfirmen Willi Vobach & Co., Druckerei und Verlag Bernhard Meyer sowie Druckerei und Verlag Curt Hamel.

Inhaber der Firma war Kurt Herrmann (1888-1959). Er war selbständiger Architekt. Durch seine Heirat mit Erna Meyer trat er zunächst auf Gewinnbeteiligungsbasis in das Verlagsunternehmen Bernhard Meyer ein. Nach Zusammenlegung der genannten Verlage erschlich er sich durch Erbmanipulation die Inhaberschaft des Universalverlages. Kurt Herrmann hatte sehr gute Verbindungen zum faschistischen Machtapparat. Er unterstützte mit hohen materiellen und finanziellen Zuwendungen faschistische Organisationen und ihre Führer, im Gegenzug wurde er beispielsweise 1938 zum Preußischen Staatsrat ernannt. Weiterhin pflegte er enge persönliche Kontakte zu Herrmann Göring.

Das Verlagsprofil wurde durch die Herstellung von Modeheften, Familien- und Versicherungszeitschriften bestimmt. Die monatliche Auflage betrug über 9 Millionen Exemplare, sodass Höchstjahresumsätze von über 52 Millionen Mark erzielt wurden. Im Verlag waren vor Kriegsausbruch ca. 1.300 Personen beschäftigt. Außerdem war dem Unternehmen eine Abonnentenversicherung angegliedert, d. h. die Abonnenten erhielten eine Familienzeitschrift und waren damit gleichzeitig gegen Tod und Unfall versichert.

Mit dem Beginn des II. Weltkrieges nahm auch hier die Auflagenhöhe und der Umfang ab. Ein konzentrierter amerikanischer Luftangriff auf die Leipziger graphische Industrie vom 3. auf den 4. Dezember 1943 führte zu einer nahezu totalen Vernichtung, so wurden die Verlagshäuser und das Druckereigebäude in Leipzig (Dresdner Str., Talstr., Georgiring) sehr stark zerstört. Es war nur möglich, einen Teil der Reproduktionseinrichtungen der graphischen und Tiefdruckabteilung zu erhalten.

Am 18. April 1945 wurde Leipzig von amerikanischen Truppen besetzt. Am 1./2. Juli 1945 besetzte die Rote Armee Leipzig. Der Inhaber Kurt Herrmann hatte sich in der Zwischenzeit nach Liechtenstein abgesetzt und sein Vermögen in die Schweiz gebracht. So übernahm sein Stellvertreter Richard Paatzsch die Leitung des Unternehmens. Inzwischen hatte sich ein Arbeiterausschuss gebildet, der die Geschäftsleitung, die sämtlich aus Mitgliedern der NSDAP bestand, absetzte und eine neue Leitung wählte. Am 6. September 1945 erteilte die sowjetische Militärverwaltung schon die Druckerlaubnis. Zunächst wurden große Aufträge deutscher Schulbücher ausgeführt, später auch Druckaufträge der Sowjetischen Militäradministration (SMA) Sachsen. Am 24. September 1945 nahm Oberst Morosow von der SMAS die Übereignung an die SPD, Bezirksvorstand Leipzig vor. Sie erfolgte, wie Oberst Morosow dem Bezirksvorstand der SPD gegenüber erklärte, "als erster Schritt zur Wiedergutmachung des der SPD von der Hitlerregierung zugefügten Schadens".[01] Der SPD war das Gesamtvermögen, insbesondere das der Leipziger Buchdruckerei AG in Leipzig, Plauen und Gera sowie wertvoller Grundbesitz, während der faschistischen Diktatur entschädigungslos weggenommen worden.

Mit Übergabe des Verlages an die SPD wurde eine neue Leitung eingesetzt. Somit war auch der Boden für weitere Spekulationen des ehemaligen Besitzers Kurt Herrmann entzogen, der versuchte, über Richard Paatzsch noch Einfluss auszuüben. An der Rechtsgültigkeit der Übereignung des Verlages an die SPD traten Zweifel seitens deutscher Behörden, aber auch der SMA auf. Deshalb wurde der Verlag vor dem Volksentscheid auf die Liste der C-Betriebe und damit der beschlagnahmten Betriebe gesetzt. Die SPD nahm nochmals Verbindung zur SMAS auf und bemühte sich um die endgültige Übergabe des Verlages, was schließlich auch gelang. Ab 16. Januar 1946 lautet die neue Firmierung "Universalverlag GmbH, Leipzig". Als Gesellschafter wurden Stanislaw Trabalski (Vorsitzender des Bezirksvorstandes Leipzig der SPD) und Heinrich Fleißner (ehem. Polizeipräsident von Leipzig) eingesetzt. Die rechtliche Betreuung der GmbH übernahm Hans Vierling (ehem. Oberbürgermeister vom Leipzig).[02] Neben dem "Universalverlag GmbH" sind aus den ehemaligen Abteilungen die Leipziger Buchdruckerei GmbH und die Universalschnittmuster GmbH entstanden, die allerdings nur bis 1. Juli 1947 relativ selbständig waren. Zu diesem Zeitpunkt wurde wieder eine Konzentration vorgenommen und alle drei Gesellschaften zum Universalverlag GmbH Leipzig mit Zweigniederlassung in Berlin zusammengefasst.[03]

Am 28. Oktober 1949 gliederte man den Verlag dem Sachsen-Verlag an. Nach Auflösung des Sachsenverlages Ende 1951 trennten sich wiederum die drei Betriebsteile in die Leipziger Volkszeitung und das Druckhaus Einheit, Werk I und II. Gleichzeitig wurde aus dem Sachsenverlag Werk I der Verlag und die Schnittmusterabteilung herausgelöst und dem Verlag für die Frau angegliedert. 1966 entstand aus dem Druckhaus Einheit, Werk I und II, der VEB Interdruck, Werk III.



Bestandsgeschichte und –bearbeitung


Der Bestand wurde durch die Kriegsereignisse mehrfach umgelagert und befand sich zuletzt im Verwaltungsarchiv des VEB Interdruck.[04] Er wurde im Januar 1964 ins Staatsarchiv Leipzig übernommen. Der Umfang betrug ca. 6 lfm. Die Übergabe erfolgte ohne Ablieferungsverzeichnisse.

Registraturhilfsmittel vom Registraturbildner (wie Aktenplan u. a.) waren nicht vorhanden und konnten demzufolge nicht als Grundlage der Erschließung dienen. Die Akteneinheiten wurden nur unvollständig mit Registratursignaturen versehen und trugen in zahlreichem Fällen keine oder aussageschwache Titel. Im Wesentlichen herrschte eine kaufmännische Ablage vor, die chronologische Ordnung ist nicht konsequent angewendet worden. Die Aktenbildung erfolgte vorwiegend nach Betreffen. Verschiedentlich wurden auch Korrespondenzakten gebildet.

Die Überlieferung ist lückenhaft. So wurden vermutlich zahlreiche Dokumente nach 1945 für zentrale Organe entnommen, über deren Verbleib im Einzelnen nichts bekannt ist. An ihre Stelle traten Fotokopien und Abschriften. Das im Bestand enthaltene provenienzfremde Schriftgut (z. B. Musikverlag C. F. Peters) wurde ausgesondert und dem entsprechenden Bestand zugeordnet. Lediglich Doppelstücke und Abschriften, von denen die Originale vorlagen, wurden kassiert.

Der 1964 übernommene Bestand erfuhr 1967 eine erste Bearbeitung durch einen Praktikanten der Fachschule für Archivwesen. In deren Verlauf wurde der Nachlass Dr. Kurt Herrmann gebildet und aus dem Bestand herausgelöst. Zum Nachlass fertigte der genannte Praktikant ein Findbuch als Abschlussarbeit an. Das übrige Schriftgut blieb unbearbeitet.

1982 wurde aus dem genanntem Archivgut der Bestand "Universalverlag GmbH, Leipzig" ge-bildet. Es ist ein zusammengefasster Bestand aus Universalverlag W. Vobach & Co.- B. Meyer - C. Hamel (1945-1946), Universalverlag GmbH (1946 - 1951). Diese Bestandsbezeichnung wurde gewählt, da das mengenmäßig umfangreichste Schriftgut weitgehend die Zeit 1946-1950 umfasst und die Provenienz Universalverlag GmbH, Leipzig besitzt. Alle drei Verzeichnungsmethoden (einfache Verzeichnung, erweiterte Verzeichnung, Gruppenverzeichnung) fanden Anwendung, wobei die einfache Verzeichnung dominierte. Die innere Ordnung des Bestandes trug dem Charakter des Bestandes als zusammengefasster Bestand Rechnung, indem zwei Teilbestände gebildet wurden.



Überlieferungsschwerpunkte


Der Bestand "Universalverlag GmbH, Leipzig" umfasst 120 AE. Die Dokumente belegen hauptsächlich den Zeitraum 1945 – 1952. Im Archivgut des Bestandes, insbesondere im ersten Teilbestand (Universalverlag W. Vobach - B. Meyer - C. Hamel) wird die Arbeitsweise des privaten kapitalistischen Verlages und der Einfluss des ehemaligen Inhabers Kurt Herrmann nur andeutungsweise sichtbar. Die Übergabe des Verlages an die SPD (ab April 1946 SED) und die damit verbundenen Schwierigkeiten sind wesentlich umfangreicher dokumentiert. Einzelheiten werden besonders in der Anleitung durch Parteiorgane deutlich. Die Besonderheit des Bestandes besteht darin, dass in den überlieferten Protokollen der Gesellschaftersitzungen die Politik der rechten Sozialdemokratie, vertreten durch Stanislaw Trabalski und Heinrich Fleißner, gut sichtbar wird. Nach Gründung der SED und in den folgenden Jahren verliert dieser Einfluss an Bedeutung. Mit der Übergabe des Verlages an die SPD änderte sich zum größten Teil das Verlagsprofil. In der Schnittmusterabteilung wurden jedoch nach wie vor Schnitte im Zusammenhang mit der Herausgabe der "allgemeinen Schneiderzeitung" hergestellt. Allerdings erhielt der Verlag auch Schulbuchdruckaufträge oder Aufträge der SMA. Die Erledigung von eigentlichen Parteidruckaufträgen lässt sich wider Erwarten nur vermuten. Eine relativ gute Überlieferung findet man bei den Leitungsdokumenten (beispielsweise bei den Direktions- und Abteilungsleitersitzungen). Hingegen sind die Auseinandersetzungen zwischen dem Universalverlag und den Angehörigen des ehemaligen Verlagsleiters Kurt Herrmann sowie mit westdeutschen Verlagen wegen der Regelung der Verlagsrechte sehr gut dargelegt. Ebenfalls gut überliefert sind die Finanz- und Vermögensangelegenheiten des Universalverlages. Verbindungen zu anderen Verlagen finden nur andeutungsweise im Archivgut ihren Niederschlag.



M. Heilmann

1983



Nachtrag:

Die Akten Nr. 122-130 wurden 2007 vom Hauptstaatsarchiv Dresden an das StA-L abgegeben und 2008 von Marion Bähr verzeichnet. Sie enthalten Unterlagen von Polizei und Staatsanwaltschaft (Abschriften) im Zusammenhang mit einem Strafprozess, der 1951 vor dem Landgericht Dresden gegen leitende Mitarbeiter des Verlages geführt wurde. Weitere Unterlagen zum Sachverhalt sind im Bestand 11380 Landesregierung Sachsen, Ministerium der Justiz und Hauptabteilung Justiz beim Ministerpräsidenten, Nr. 604 im Hauptstaatsarchiv Dresden überliefert.

2012 wurde das 1983 erstellte Findbuch in die archivische Erschließungssoftware übertragen. 2014 wurden einige Unterlagen des Universalverlages, die sich als Fremdprovenienz im Bestand 21100 Interdruck Graphischer Großbetrieb Leipzig befunden hatten, aus diesem herausgelöst und dem Bestand zugeordnet (jetzt Nummern 131-134).

Bei den dem Klassifikationspunkt 2.1.1 Anleitung und Kontrolle durch Parteiorgane zugeordneten Akten handelt es sich um Handakten von Adolph Dallwitz aus seiner Funktion im SED-Kreisvorstand Leipzig.



T. Kluttig

2014


[01] Sächsisches Staatsarchiv – Staatsarchiv Leipzig [im Folgenden: StA-L], 21079 Universalverlag GmbH, Leipzig, Nr. 6.
[02] StA-L, 21079 Universalverlag GmbH, Leipzig, Nr. 58.
[03] StA-L, 21079 Universalverlag GmbH, Leipzig, Nr. 88.
[04] Siehe Findbuch zum Bestand StA-L, 21794 Nachlass Kurt Herrmann.
Gesellschaftersitzungen.- Übergabe des Verlags an die SPD.- Direktionssitzungen.- Personal.- Betriebsabrechnungen.- Bilanzen.- Grundstücksangelegenheiten.- Abonnentenversicherungen.- Produktion.- Betriebsrat.
Der Verlag wurde 1937 in Leipzig durch die Zusammenlegung der Firmen Willy Vobach & Co., der Druckerei und des Verlags Bernhard Meyer sowie der Druckerei und des Verlags Curt Hamel gegründet. Inhaber der Firma war Dr. Kurt Herrmann. Das Verlagsprofil wurde von Modeheften, Familien- und Versicherungszeitschriften bestimmt. 1945/46 erfolgte die Übergabe des Verlags an die SPD, Bezirksvorstand Leipzig. Die neue Firmierung lautete ab Januar 1946 Universalverlag GmbH Leipzig. 1949 wurde der Universalverlag dem Sachsenverlag angegliedert. Später wurden die Betriebsteile getrennt und gehörten dem Verlag für die Frau, dem VEB Interdruck und der Leipziger Volkszeitung (LVZ) an.
  • 2014 | Findbuch / Datenbank
  • 2019-10-04 | Diese Ausgabe über AWAX 2.0.0.9
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