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Beständeübersicht

Bestand

21110 VEB F. A. Brockhaus Verlag Leipzig

Datierung1941 - 1993
Benutzung im Staatsarchiv Leipzig
Umfang (nur lfm)54,29
Geschichte des VEB F. A. Brockhaus Verlages Leipzig

Der VEB F. A. Brockhaus Verlag Leipzig entstand aus dem seit 1805 tätigen und 1953 verstaatlichten Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig. Das von Friedrich Arnold Brockhaus gegründete, traditionsreiche Unternehmen war seit 1817/18 in Leipzig ansässig und v. a. mit der Herausgabe von Lexika und Reiseliteratur wirtschaftlich sehr erfolgreich. Die Verlagstätigkeit wurde durch die Zerstörung sämtlicher Verlagsgebäude im Graphischen Viertel beim schweren Bombenangriff auf Leipzig am 3. Dezember 1943 unterbrochen, doch noch während des Krieges in geringem Umfang wieder aufgenommen.
Firmeninhaber Hans Brockhaus siedelte bei Abzug der amerikanischen Truppen 1945 aus Leipzig nach Wiesbaden über und arbeitete dort verlegerisch weiter.[01] Am 1. Juli 1946 schlossen die Firmen in Leipzig und Wiesbaden einen Vertrag, wonach sie gemeinsam die Rechte des Stammhauses ausübten. Kurz zuvor, im April 1946, hatte das Leipziger Stammhaus eine Verlagslizenz (Nr. 47) von der sowjetischen Militäradministration erhalten und bearbeitete in der Folge große Druckaufträge russischsprachiger Literatur. Außerdem erschienen Nachschlagewerke und Reiseliteratur. 1949 entstand auf dem Gelände der zerstörten Brockhaus-Villa in der Salomonstraße ein Bürogebäude, das neuer Verlagssitz wurde und für die Zeit des Bestehens der DDR blieb.[02]
1951 gelangte das Unternehmen wegen angeblicher Kapitalverschiebung in die BRD unter staatliche Treuhänderschaft, am 17. Juni 1952 erfolgte die Enteignung. Im Mai 1953 wurde die Firma F. A. Brockhaus, Leipzig im Handelsregister gelöscht und im darauffolgenden Monat der VEB F. A. Brockhaus Verlag Leipzig in das Handelsregister der volkseigenen Wirtschaft eingetragen.[03] Die alte Firmenbezeichnung übertrug Hans Brockhaus 1953 auf die Wiesbadener Filiale, die zum Stammsitz erklärt wurde.[04] Nachdem in Folge eines Rundschreibens des F. A. Brockhaus Verlages Wiesbaden 1957 an alle Buchhändler rechtliche Konsequenzen wegen unberechtigter Nutzung des Verlagsnamens drohten, übernahm ab 1960 der Verlag Edition Leipzig den Vertrieb der Bücher des Leipziger Brockhaus Verlages in der BRD und im westlichen Ausland.[05] Während des Bestehens der beiden deutschen Staaten kam es zu keiner grundsätzlichen rechtlichen Einigung zwischen den Brockhaus Verlagen in Leipzig und Wiesbaden. Im Zuge der politischen Veränderungen beschlossen der inzwischen mit dem Bibliographischen Institut fusionierte, in Mannheim ansässige Brockhaus Verlag (Verlagsgruppe BIFAB) und der Brockhaus Verlag Leipzig im Februar 1990 zunächst die gegenseitige Anerkennung und Zusammenarbeit.[06] Am 1. Juli 1990 wurde der VEB F. A. Brockhaus Leipzig in eine GmbH umgewandelt, die aber bereits 1991 Konkurs anmelden und ihre Mitarbeiter entlassen musste. Die Reiseliteratur-Sparte wurde separiert und an den Falken-Verlag Erich Sicker verkauft. Dieser schloss 1992 sein Büro in Leipzig. Die BIFAB-Gruppe kaufte die Brockhaus Leipzig GmbH aus Gründen der Rechte- und Namensverwertung von der Treuhand-Anstalt und integrierte sie 1993 in ihr Unternehmen. 2009 wurden alle Rechte der Marke Brockhaus an die Bertelsmann-Tochter Arvato AG verkauft und der bis dahin noch in Leipzig tätige kleine Standort geschlossen.[07]

Verlagsprogramm

Der VEB Brockhaus Verlag Leipzig konzentrierte sich nach der 1948 erfolgten Abgabe der meisten Verlagsrechte für Nachschlagewerke an das Bibliographische Institut, Leipzig, auf die Herausgabe von Bildbänden sowie Reise- und Heimatliteratur. 1963 übernahm der Verlag die Reihen "Unser kleines Wanderheft" und "Städte und Landschaften" vom VEB Bibliographisches Institut und das Verlagsprogramm des Sachsenverlags Dresden.[08] Damit war das Profil des Verlages auf Reise- und Wanderliteratur festgelegt. Das Lektorat Touristikliteratur wurde allerdings mit Jahresbeginn 1977 ausgegliedert und Teil des neugegründeten Tourist Verlags, Berlin.[09]

Bestandsgeschichte und -bearbeitung

Die ersten Übernahmen von Unterlagen aus dem Verwaltungsarchiv des VEB F. A. Brockhaus Verlag Leipzig erfolgten 1988 und 1989. Der umfangreichste Teil des Schriftguts gelangte 1991 durch Notübernahmen vor dem Abriss der alten Betriebsgebäude in das Staatsarchiv Leipzig. Eine Übergabe von Belegexemplaren aus der Verlagstätigkeit des VEB F. A. Brockhaus erfolgte 2008 durch das Unternehmen BIFAB (Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG).[10] Die Erschließung der Unterlagen aus den Übernahmen der 1980er und 90er Jahre wurde 1997/98 durch drei ehemalige Mitarbeiterinnen des Verlagswesens durchgeführt. Eine Überarbeitung der Verzeichnungsangaben unter Beachtung der Erschließungsrichtlinie des Sächsischen Staatsarchivs, die Erschließung der 2008 übernommenen Belegexemplare sowie die Ergänzung der vorliegenden Einleitung erfolgten 2017. Der Bestand umfasst 54,3 lfm Schriftgut aus dem Zeitraum 1941 – 1993.

Überlieferungsschwerpunkte

Den Hauptteil der vorliegenden Überlieferung bilden die Titelakten zu Publikationen. Sie dokumentieren den Ablauf der Entstehung eines Buches von der Einreichung des Manuskripts, über dessen Begutachtung und Bearbeitung in den Lektoraten bis hin zur technischen Umsetzung. Als Ergänzung zu diesen Quellen sind die im Bestand vorliegenden Titelkarteien, Titelblätter und Kostenträger-Sammelkarten zu sehen. Die Titelkarteien fassen die grundlegenden Informationen zu den einzelnen Verlagswerken, z. B. Titel, Autor, Preis, Erscheinungsdatum usw. zusammen. Titelblätter enthalten zusätzlich zu den oben genannten Angaben vor allem Informationen zur technischen Umsetzung eines Buchprojekts, wie z. B. dem Umfang des Werks, dessen Anteil an Fotografien und Zeichnungen, Satzart, Schriftgröße sowie zum Zeitplan für Übergabe und Druck. Kostenträger-Sammelkarten führen neben den bereits erwähnten Basisangaben Informationen über die Ausgaben für die Herstellung und Honorare sowie zur Preisbildung und Auflagenhöhe auf. Der durch diese Unterlagen gewonnene Einblick in die Verlagstätigkeit wird durch die im Bestand überlieferten Belegexemplare aus der Verlagsproduktion abgerundet.
Ebenfalls gut dokumentiert sind die Leitungssitzungen aus dem Zeitraum 1953 - 1990 in einer dreizehn Bände umfassenden Reihe. In größerem Umfang sind Unterlagen aus den Bereichen Planung, Berichtswesen und Finanzen überliefert.

Korrespondierende Bestände

21083 F. A. Brockhaus, Leipzig

Katrin Heil

Oktober 2017


[01] Links, Christoph, Das Schicksal der DDR-Verlage: die Privatisierung und ihre Konsequenzen, Berlin 2009, S. 20.
[02] Knopf, Sabine, Buchstadt Leipzig: der historische Reiseführer, Berlin 2011, S. 32.
[03] Handelsregisterakte F. A. Brockhaus: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig (StA-L), 20320 Amtsgericht Leipzig, Nr. HRA 347, 2 Bde., 1862-1953.
[04] Links, Christoph, Das Schicksal der DDR-Verlage: die Privatisierung und ihre Konsequenzen, Berlin 2009, S. 121.
[05] Ebenda, S. 121.
[06] Ebenda, S. 122.
[07] Kluttig, Thekla, Brockhaus Leipzig – Was bleibt?, in: Sächsisches Archivblatt 2/2009, S. 11f., online: https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/17398 (letzter Aufruf 14.11.2017).
[08] 21110 VEB Brockhaus Verlag Leipzig, Bestandsakte.
[09] Ebenda.
[10] Ebenda.
Gebauer, Gertraude: Verlagsschriftgut im Sächsischen Staatsarchiv Leipzig: Eine Bestandsanalyse. In: Leipziger Jahrbuch zur Buchgeschichte 4(1994) S. 311-320.
Gebauer, Gertraude: Stiefkind Verlagsarchive. In: Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel (Leipzig) Nr. 29, 1980, S. 600.
Gebauer, Gertraude: Verlagsschriftgut im Sächsischen Staatsarchiv Leipzig (Diskussionsbeitrag). In: Archiv-Geschichte-Region. Symposium zum 40jährigen Bestehen des Sächsischen Staatsarchivs Leipzig (1954-1994). Leipzig 1994.
Hülscher, Arthur: Hundertfünfzig Jahre F.A. Brockhaus 1805 - 1955.
Jahresberichte.- Arbeitsanweisungen.- Leitungssitzungen.- Themenpläne.- Zusammenarbeit mit Autoren und Verlagen.- Herstellung.- Messen.- Fotos.- Personal.
Der Verlag F. A. Brockhaus Leipzig erhielt im Dezember 1947 von der SMAD die Lizenz zur Wiederaufnahme der Verlagstätigkeit. 1951 wurde die Firma einem Treuhänder unterstellt. Im März 1953 erfolgte die Eintragung in das Handelsregister der volkseigenen Wirtschaft. Das Verlagsprofil setzte sich aus Bildbänden, Reportagen und Reiseberichten über die DDR und andere Länder zusammen. Ebenso bedeutsam war die enzyklopädische Arbeit des Verlags, speziell auf naturwissenschaftlichem Gebiet. 1963 ging der Touristikzweig des VEB Bibliographisches Institut und des Sachsenverlags Dresden in die Verantwortung des VEB F. A. Brockhaus Verlag Leipzig über. Bis zum Jahr 1977 bestand im VEB F. A. Brockhaus Verlag Leipzig daher auch ein Lektorat Touristikliteratur. Zwischen 1991 und 2009 existierte eine Leipziger Redaktion des Mannheimer Verlagshauses Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus.
  • 2017 | Findbuch / Datenbank
  • 2021-06-09 | Diese Ausgabe über AWAX 2.0.1.1
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