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Beständeübersicht

Bestand

12561 Nachlass Johann, König von Sachsen

Datierung1813 - 1903 und o. D.
Benutzung im Hauptstaatsarchiv Dresden
Umfang (nur lfm)8,50
1. Biografische Angaben
Johann wurde als dritter Sohn von Prinz Maximilian von Sachsen und Prinzessin Karoline von Parma am 12. Dezember 1801 in Dresden geboren. Durch den Tod seines älteren Bruders Clemens im Januar 1822 rückte er auf den zweiten Platz der Thronfolge, hinter seinem ältesten Bruder, dem späteren König Friedrich August II. Wie seine beiden Brüder erhielt Johann eine Erziehung und Ausbildung, die für eine spätere Herrschaft als König befähigen sollten. Im November 1822 heiratete er in Dresden die Prinzessin Amalie Auguste von Bayern, aus welcher Ehe neun Kinder hervorgingen, darunter die späteren Könige Albert und Georg. Von einer ursprünglich vorgesehenen militärischen Laufbahn nahm Johann Abstand und erwarb durch den Eintritt in das Geheime Finanzkollegium und später in den Geheimen Rat umfangreiche Kenntnisse auf dem Gebiet der praktischen Staatsverwaltung. Durch privaten Unterricht bei dem Leipziger Juristen Christoph Karl Stübel entwickelte er außerdem beachtliche juristische Fähigkeiten. Auf wissenschaftlichen Gebiet trat Johann durch seine kommentierte dreibändige Übersetzung von Dantes "Göttlicher Komödie" sowie als langjähriger Vorsitzender des Sächsischen Altertumsvereins hervor. Wichtig war auch seine Tätigkeit als Mitglied der Ersten Kammer des konstitutionellen sächsischen Landtags (ab 1833).
Nach dem Unfalltod seines Bruders Friedrich August II. (am 9. August 1854) bestieg Johann den sächsischen Thron. Als König setzte er die Politik seines Bruders und von dessen Regierung fort, nahm die Regierungsarbeit aber stärker in die Hand und leitete die Sitzungen des Gesamtministeriums persönlich. Bei allen wichtigen Entscheidungen der Zentralbehörden musste seine Zustimmung eingeholt werden. Deutschlandpolitisch setzte er sich für eine Reform des Deutschen Bundes ein, musste aber erleben wie Sachsen 1866 von preußischen Truppen besetzt, dann zusammen mit Österreich militärisch besiegt wurde und schließlich dem Norddeutschen Bund (1867) sowie dem Deutschen Kaiserreich (1871) beitreten musste. Nach immer stärkeren Altersbeschwerden starb Johann am 29. Oktober 1873 in Schloss Pillnitz.

2. Geschichte des Bestands
Nach seiner Thronbesteigung beauftragte Johann den Kammerherrn Friedrich August von Minckwitz mit der Ordnung seines bisherigen Privatarchivs. Minckwitz erhielt zweimal im Jahr größere Mengen an neuen Unterlagen, die zu ordnen und in das Privatarchiv einzugliedern waren, darunter Konzepte von Schreiben des Königs sowie Briefe und Zuschriften der Minister, Hof- und anderen Beamten (12881, Nr. 3132).
Nach Johanns Tod gelangte sein Nachlass in mehreren Abgaben in das Hauptstaatsarchiv (12561, Nr. 372). Erste Unterlagen gab das Ministerium des königlichen Hauses 1875 ab (sie wurden 1882 an das Hausministerium zurückgegeben, 1902 aber erneut an das Hauptstaatsarchiv, diesmal dauernd, abgeliefert). Weitere Abgaben folgten 1889, vor allem aber 1902. Aus diesen Ablieferungen wurde im Hauptstaatsarchiv ein Nachlassbestand Johanns gebildet, der wie andere neuere Fürstennachlässe als Depositum des Herrscherhauses galt und einem sogenannten Hausarchiv zugewiesen werden sollte. Ergänzt wurde er durch einige Ankäufe und Schenkungen.
Eine erste Bestandsbearbeitung erfolgte 1889 durch Paul Hassel, eine weitere - nach den Übernahmen von 1902 - nahm 1905 Hans Beschorner vor. Bei der Erschließung wurden auch jene Nachlassteile mit verzeichnet, die sich damals im sogenannten Privatarchiv der Wettiner befanden und später verloren gegangen sind. Bei der Einrichtung des "Hausarchivs" im neuen Archivgebäude wurden 1920 die in den beiden Registranden von 1889 und 1905 verzeichneten, bisher getrennt liegenden Sachen vereinigt und durchnummeriert. Im Jahr 2025/26 erfolgte eine Neubearbeitung des Bestands, mit einer vertieften inhaltlichen Verzeichnung durch Enthält-Vermerke.

3. Inhalt des Bestands
Schwerpunkt des Bestands sind die zahlreichen Aufsätze, Denkschriften und Gutachten Johanns zu juristischen, administrativen und politischen Fragen. Hervorzuheben sind ferner seine Dichtungen sowie seine Korrespondenz, die mit etwa 800 Briefen freilich nur einen kleineren Teil des einst Vorhandenen darstellen dürfte. Zu den fürstlichen Korrespondenzpartnern gehören Johanns Geschwister, der Kaiser von Österreich sowie die Könige von Bayern, außerdem die Prinzen bzw. Könige von Preußen sowie die ernestinischen Herzöge. Zu den nichtfürstlichen Korrespondenzpartnern zählen besonders Georg August Ernst von Manteuffel (Präsident des Geheimen Finanzkollegiums und später Bundestagsgesandter) sowie die Minister Johann Heinrich August von Behr, Friedrich Ferdinand von Beust, Georg Friedrich Alfred von Fabrice, Johann Paul von Falkenstein und Richard von Friesen.

März 2026
Jörg Ludwig
Sachsen, Johann Georg, Herzog zu (Hrsg.) ; Ermisch, Hubert (Mitw.): Briefwechsel zwischen König Johann von Sachsen und den Königen Friedrich Wilhelm IV. und Wilhelm I. von Preußen. Leipzig : Quelle & Meyer, 1911

Kretzschmar, Hellmut (Hrsg.): Lebenserinnerungen des Königs Johann von Sachsen : Eigene Aufzeichnungen des Königs über die Jahre 1801 bis 1854. Göttingen : Vandenhoeck & Ruprecht, 1958 (Deutsche Geschichtsquellen des 19. und 20. Jahrhunderts. Bd. 42)

Kretzschmar, Hellmut: Die Zeit König Johanns von Sachsen 1854 - 1873 : Mit Briefen und Dokumenten. Berlin : Akademie Verlag, 1960 (Berichte über die Verhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Philosophisch-historische Klasse. Bd. 105, H. 4)

Sachsen, Albert, Prinz von, Herzog zu: Die Albertinischen Wettiner : Geschichte des Sächsischen Könighauses 1763 - 1932. 2. Aufl. Gräfelfing : Albrecht, 1991, S. 141 - 243 (Schriftenreihe des König Friedrich August-Instituts zur Sächsischen Geschichts- und Kulturforschung e. V. Bd. 1)

Matzerath, Joseph (Hrsg.): Der sächsische König und der Dresdner Maiaufstand. Köln, Weimar : Böhlau, 1999 (Martin, Guntram (Hrsg.) ; Matzerath, Josef (Hrsg.) ; Rogge, Jörg (Hrsg.): Quellen und Materialien zur Geschichte der Wettiner. Bd. 1)

Fellmann, Walter: Sachsens Könige 1806 bis 1918. München, Berlin : Koehler & Amelang, 2000, S. 127 - 154

John, Uwe (Red.) ; Sächsische Schlösserverwaltung (Hrsg.) ; Staatlicher Schlossbetrieb Schloss Weesenstein (Hrsg.): König Johann von Sachsen : Zwischen zwei Welten. Halle / Saale : Stekovics, 2001. - Ausstellungskatalog

D

Dietrich
Kroll, Frank-Lothar (Hrsg.): Die Herrscher Sachsens : Markgrafen, Kurfürsten, Könige 1089 - 1918. München : Beck, 2004, S. 263 - 278

Dietrich, Andrea (Zsarb.) ; Müller, Winfried (Hrsg.) ; Schattkowsky, Martina (Hrsg.) ; Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e. V. (Hrsg.): Zwischen Tradition und Modernität : König Johann von Sachsen 1801 - 1873. Leipzig : Leipziger Universitätsverlag GmbH, 2004 (Schriften zur sächsischen Geschichte und Volkskunde. Bd. 8)
Briefwechsel mit der Familie.- Briefwechsel mit Fürstinnen und Fürsten von Baden, Bayern, Belgien, Frankreich, Genua, Großbritannien, Hannover, Hessen, Hohenzollern-Siegmaringen, Holstein-Sonderburg-Augustenburg, Italien, Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz, Nassau, Neapel, Niederlande, Österreich, Oldenburg, Portugal, Preußen, Reuss, Russland, Sachsen-Altenburg, Sachsen-Coburg-Gotha, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Weimar-Eisenach, Sardinien, Schleswig-Holstein, Schwarzburg, Toskana, Württemberg und dem Heiligen Stuhl.- Briefwechsel mit Staatsbeamten, Personen des Hofstaates und Privatpersonen, insbesondere Außenminister Friedrich Ferdinand von Beust, Leibarzt Carl Gustav Carus, Kabinettsminister Detlev Graf von Einsiedel, Kriegsminister Georg Friedrich Alfred von Fabrice, Innenminister Johann Paul Freiherr von Falkenstein, Innenminister Richard Freiherr von Friesen, Kultusminister Karl Friedrich Wilhelm von Gerber, Justizminister Julius Traugott Jakob von Könneritz, Oberappellationsgerichtspräsident Dr. Friedrich Albert von Langenn, Innenminister Bernhard August von Lindenau, Beichtvater Ignaz Bernhard Mauermann, Oberhofmeister Carl von Miltitz, Innenminister Hermann von Nostitz-Wallwitz, Kriegsminister Bernhard von Rabenhorst, Justizminister Dr. Robert Schneider sowie Finanzminister, Außenminister und Minister des Königlichen Hauses Heinrich Anton von Zeschau.- Außenpolitik.- Thronreden und andere Reden.- Verfassungssachen, Verwaltungssachen und Gesetzgebungssachen.- Besetzung Sachsens und Wiener Kongress, 1813 - 1815.- Maiaufstand 1849.- Militärsachen.- Familienangelegenheiten.- Testamentarische Bestimmungen.- Ausbildung von Prinz Albert von Sachsen.- Lebenserinnerungen, 1801 - 1855.- Tagebücher.- Reisejournale.- Dichtungen.- Juristische Studien.- Gebete, religiöse und moralische Betrachtungen.- Charakteristik des Großherzogs Leopold II. von Toskana.- Mäßigkeitsvereine.- Adressen, Gesuche und Glückwünsche.- Diplome.- Krankheit.- Kommission zur Errichtung eines Denkmals für König Friedrich August II. von Sachsen.- Nachlassverzeichnisse.
Der Sohn von Prinz Maximilian von Sachsen und Prinzessin Caroline von Parma wurde 1801 in Dresden geboren. Nach Abschluss der militärischen Ausbildung unternahm der an Sprachen, Wissenschaft und Bildung interessierte Prinz 1821 / 1822 eine Reise nach Italien, in deren Folge er sich intensiv mit Dantes Göttlicher Komödie beschäftigte. Unter dem Pseudonym Philalethes erschien bis 1849 die vollständige Übersetzung des Werkes. Er befasste sich mit Staats- und Rechtswissenschaften sowie Geschichte und fand sein Tätigkeitsfeld auf dem Gebiet der Staatsverwaltung, vor allem im Staatsrat, der 1. Kammer des Landtages und im Geheimen Finanzkollegium. 1830 übernahm er außerdem den Vorsitz im Sächsischen Altertumsverein. Die von Frankreich angebotene erbliche griechische Königskrone lehnte Johann ab. Trotz konservativer Grundhaltung arbeitete er aktiv an der Gestaltung der sächsischen Verfassung von 1831 mit und unterstützte die Durchführung liberaler Reformen. Nach dem tödlichen Unfall seines älteren Bruders König Friedrich August II. gelangte Johann 1854 an die Regierung. Der Frage einer Einigung der deutschen Länder zu einem Bundesstaat stand König Johann aufgeschlossen gegenüber. Er beschäftigte sich mit der Reform des Deutschen Bundes und strebte einen deutschen Bundesstaat unter Einschluss Österreichs an. 1866 stand er an der Spitze der sächsischen Truppen im Deutschen Krieg und ging nach der Niederlage bei Königgrätz vorübergehend ins Exil. 1867 trat Sachsen dem unter preußischer Führung gegründeten Norddeutschen Bund und 1871 dem Deutschen Kaiserreich bei. Vermählt war Johann mit Amalie, Tochter von König Maximilian I. Joseph von Bayern. Nach seinem Tod 1873 in Pillnitz folgten die Söhne Albert und Georg nacheinander in der Regierung des Landes.

Weitere Angaben siehe 12.1 Fürstennachlässe
  • 1905 | Findbuch
  • 2026-03-10 | Diese Ausgabe über AWAX 2.0.1.5
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