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Beständeübersicht

Bestand

20099 Gerichtsamt Markranstädt

Datierung1816 - 1879
Benutzung im Staatsarchiv Leipzig
Umfang (nur lfm)15,40

Für die Bestandsgruppen Königliche Bezirksgerichte und Gerichtsämter im Sächsischen Staatsarchiv Leipzig (StA-L) wurde eine bestandsübergreifende Findbucheinleitung erarbeitet. [01] Die Einleitung zum Einzelbestand enthält deshalb nur in verkürzter Form einen historischen Abriss der Entwicklung des Registraturbildners, Angaben zur Bestandsgeschichte und -bearbeitung sowie Hinweise auf Überlieferungsschwerpunkte im Bestand.

Markranstädt wurde als amtssässige Stadt 1815 dem Leipziger Kreis zugeschlagen. Die Gerichtsbarkeit oblag zunächst der Stadtgemeinde Markranstädt, für Ortschaften in der Umgebung dem Kreisamt Leipzig sowie einigen Rittergütern. Im Rahmen der Umgestaltung der Untergerichte Sachsens, die u. a. die Abtretung der Patrimonialgerichtsbarkeit an den Staat vorsah, ging im Dezember 1853 die Gerichtsbarkeit der Stadtgemeinde auf den Staat über und wurde dem am 19. Januar 1854 eröffneten Königliche Gericht Markranstädt zugewiesen. Mit gleichem Datum erhielt dieses Gericht auch die bisher vom Kreisamt Leipzig ausgeübte Gerichtsbarkeit über 15 benachbarte Ortschaften. [02] In den Jahren 1855 bzw. 1856 erfolgte die Abgabe der Patrimonialgerichtsbarkeit der Rittergüter Großdölzig und Kleinzschocher an das genannte Königliche Gericht. Nachfolgebehörde dieses Gerichtes war das Königliche Gerichtsamt Markranstädt, das auf der Grundlage des Gesetzes vom 11. August 1855 über die künftige Einrichtung der Behörden erster Instanz für die Rechtspflege und Verwaltung in Sachsen am 1. Oktober 1856 eröffnet wurde. [03] Dieses Gerichtsamt unterstand dem Königlichen Bezirksgericht Leipzig. Seine Zuständigkeit erstreckte sich auf die Stadt Markranstädt und 20 Gemeinden im Gerichtsamtsbezirk (Übersicht siehe Anlage 1).

Über den Sitz des Gerichtsamtes konnten keine näheren Angaben gefunden werden. Vermutlich wurden die Räumlichkeiten des Königlichen Gerichtes, die sich im Grundstück Markt 10 befanden, weiterhin genutzt. [04]

Zum Gerichtsamtmann wurde Kurt Alexander Hänel ernannt, der bereits bei der Vorgängerbehörde - dem Königlichen Gericht Markranstädt - als Justitiar tätig war (Verzeichnis des Personalbestands von 1856 - 1879 siehe Anlage 2).

Nach der Neustrukturierung der Gerichtsorganisation war für die Angelegenheiten der Verwaltung ab 1874 die Amtshauptmannschaft Leipzig zuständig, für die Angelegenheiten der Justiz ab 1879 das Amtsgericht Markranstädt.

Der Bestand Gerichtsamt Markranstädt umfasst rund 430 Akten, die den Zeitraum von 1816 - 1879 betreffen. Die Akten gelangten größtenteils ab 1956 im Rahmen der Übergabe von Archivgut der Provenienzen Amtsgericht Markranstädt, Amtsgericht Leipzig, Amtshauptmannschaft Leipzig und Vorgängerbehörden in das Landesarchiv Leipzig (heute: Sächsisches Staatsarchiv Leipzig, StA-L). Abgebende Stellen waren das Landeshauptarchiv Dresden (heute: Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden, StA-D), das Kreisgericht Leipzig-Land sowie das Kreisarchiv und der Rat des Kreises Leipzig. [05]

Die Bearbeitung des Bestandes erfolgte in mehreren Schritten 1999 - 2001. Der Hauptteil der Akten bildet auch körperlich einen eigenen Bestand. Diese Akten wurden bei Provenienzprüfungen im Wesentlichen aus dem Bestand Amtsgericht Markranstädt, aber auch aus dem Amtsgericht Leipzig und einige wenige aus Rittergutsbeständen herausgelöst. Die übrigen Akten befinden sich in den Beständen Amtshauptmannschaft Leipzig und Amt Borna. Eine körperliche Heraustrennung der Akten aus diesen im Gegensatz zu den o. g. schon technisch bearbeiteten Beständen erschien wenig sinnvoll, zumal einige bereits unter diesen Signaturen benutzt worden waren. Die virtuelle Zusammenführung der Akten erfolgte mit dem PC-Programm AUGIAS für Windows, mit dem auch das Orts- und Personenregister erstellt wurde. Erfasst wurden nach Möglichkeit auch die alten Registratursignaturen sowie die Vorprovenienzen. Enthält-Vermerke bilden die Ausnahme.

Den Schwerpunkt der Überlieferung bilden die Justizakten. Bei ihnen handelt es sich vorwiegend um Protokollbände, wie allgemeine Gerichtsprotokolle, Grund- und Hypothekenprotokolle sowie Rügen- und Untersuchungsprotokolle. Testaments- und Nachlassangelegenheiten sind ebenfalls relativ gut repräsentiert; gleiches gilt für die Ablösungen und Gemeinheitsteilungen. Zur Lokalverwaltung ist nur eine überschaubare, dafür aber breit gefächerte Anzahl Akten überliefert. Insgesamt lassen sich also durchaus Rückschlüsse auf die Rechtspflege sowie auf die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse im Gerichtsamtsbezirk Markranstädt in jener Zeit ziehen.

Als korrespondierende Bestände im Staatsarchiv Leipzig sind Amt Leipzig, Stadt Markranstädt, Königliches Gericht Markranstädt, Amtshauptmannschaft Leipzig, Amtsgericht Markranstädt und Bezirksschulrat Leipzig zu nutzen. Auch die Bestände einiger Rittergüter können zur Ergänzung herangezogen werden.

Zur Vereinfachung übergreifender Recherchen wurde im vorliegenden Findbuch die für die Bestandsgruppe erarbeitete Klassifikation komplett übernommen; bei nicht belegten Klassifikationsgruppen erscheint in Klammern der Vermerk "entfällt". Die Bandbildung entstand in der Regel neu in chronologischer Folge, bei den Grund- und Hypothekenprotokollen zusätzlich für die einzelnen Orte in alphabetischer Reihenfolge. Soweit es zweckdienlich erschien, wurde ein Verweis auf Akten in anderen Beständen vorgenommen.


Anlage

Personalbestand des Gerichtsamtes Markranstädt

(Quellen: Staatshandbücher für das Königreich Sachsen, 1857 - 1878; Th. Klein, Grundriss zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815 - 1945, Bd. 14, Marburg 1982)



Gerichtsamtmann:

1856 - 1862: Kurt Alexander Hänel (vorher Justitiar beim Kgl. Gericht Markranstädt)

1862 - 1870: Ernst Julius Naupert (vorher Aktuar beim Gerichtsamt Frankenberg)

1870 - 1879: Johannes Robert Peschke (vorher Assessor beim Gerichtsamt Königsbrück)



Aktuare, Assessoren bzw. Referendare (in zeitlicher Folge):

- Albert Julius von Herrmann

- Oskar Helmreich

- Emil Schreiber

- August Gotthold Wacker

- Friedrich Theodor Feller

- Emil Theodor Mücklich

- Karl Raimund Hugo Jacobitz



Außerdem gab es noch Expedienten (d. h. Registratoren, Depositen- und Sportelrendanten und -kontrolleure, Kopisten) sowie Gerichtsdiener und -boten.



[01] Vgl. V. Jäger, Findbucheinleitung zu den Bestandsgruppen Königliche Bezirksgerichte und Gerichtsämter, 2000.
[02] LZ, 22.01.1854, S. 341.
[03] Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen vom Jahre 1855, Dresden, S. 144ff.
[04] Vgl. G. Kluge und H. Kämmer, Markranstädt in Bildern aus vergangenen Tagen, Horb am Neckar 1997, S. 5.
[05] Vgl. Zu- und Abgangsbuch des StA-L, 1954 - 1975, VA Nr. 187.

Gerichtsamtsverwaltung.- Gerichtsprotokolle.- Strafgerichtsbarkeit.- Zivilgerichtsbarkeit.- Freiwillige Gerichtsbarkeit.- Ablösungen und Gemeinheitsteilungen.- Lokalverwaltung.
Die Zuständigkeit des 1856 aus dem Königlichen Gericht Markranstädt hervorgegangenen Gerichtsamts Markranstädt erstreckte sich auf die Stadt Markranstädt und 20 Gemeinden im Gerichtsamtsbezirk. Dieses Gerichtsamt unterstand dem Königlichen Bezirksgericht Leipzig. Nach der Neustrukturierung der Gerichtsorganisation war für die Angelegenheiten der Verwaltung ab 1874 die Amtshauptmannschaft Leipzig zuständig, für die Angelegenheiten der Justiz ab 1879 das Amtsgericht Markranstädt.
  • 2000 | Findbuch / Datenbank
  • 2019-10-04 | Diese Ausgabe über AWAX 2.0.0.9
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