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Beständeübersicht

Bestand

13185 6. Feldartillerie-Regiment Nr. 68

Datierung1876 - 1921
Benutzung im Hauptstaatsarchiv Dresden
Umfang (nur lfm)29,60
6. Feldartillerie-Regiment Nr. 68
Das 6. Sächsische Feldartillerie-Regiment Nr. 68 ist bei der Neuorganisation der Feldartillerie am 1.10.1899 zusammen mit den Feldartillerie-Regimentern Nr. 48 und Nr. 77 aufgestellt worden. Damit erfüllte auch das Königreich Sachsen einen Teil der Forderungen nach zahlenmäßiger Verstärkung vor allem der Artillerie und der Infanterie; denn im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 hatte es sich gezeigt, dass die Artillerie den Anforderungen des modernen Krieges nicht mehr gewachsen war.
Folgende Aufstellung[01] zeigt die Verstärkung der gesamten deutschen Feldartillerie bereits zu Friedenszeiten:

1875=300 Batterien
1882=340 Batterien=Vermehrung um 40 Batterien
1888=364 Batterien=Vermehrung um 24 Batterien
1890=434 Batterien=Vermehrung um 70 Batterien
1893=494 Batterien=Vermehrung um 60 Batterien
1902=574 Batterien=Vermehrung um 80 Batterien
1912=616 Batterien=Vermehrung um 42 Batterien
1913/14=633 Batterien=Vermehrung um 17 Batterien

Bei diesem Aufrüsten wurde auch die sächsische Artillerie verstärkt und mit neuen Waffen und Geräten ausgestattet.

Geschichte des Regiments
1899
Am 1.10.1899 ist das 6. Sächsische Feldartillerie-Regiment Nr. 68 aufgestellt worden. Zur Bildung des Regiments sind hauptsächlich die III. und IV. Abteilung des |-----|Feldartillerie-Regiments Nr. 32 verwendet worden. Dabei wurden die Batterien wie folgt aufgestellt:

Die 1. Batterie aus der 7. Batterie des Feld-Artillerie-Regiments Nr. 32,
die 2. Batterie aus der 9. Batterie des Feld-Artillerie-Regiments Nr. 32,
die 3. Batterie aus der 10. Batterie des Feld-Artillerie-Regiments Nr. 32,
die 5. Batterie neu gebildet,
die 6. Batterie aus der 12. Batterie des Feld-Artillerie-Regiments Nr. 32.[02]

1901
Am 1.10.1901 wurde die 1. Batterie des Regiments dem neu aufgestellten Feldartillerie-Regiment Nr. 78 zugeteilt. Die 1. Batterie wurde danach aus Abgaben des Regiments neu errichtet.[03]

1914
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde das Regiment infolge des Mobilmachungsbefehls vom 1. 8. 1914 mobil gemacht. Es gliederte sich zu diesem Zeitpunkt wie folgt:

Regimentsstab
I. Abteilung mit leichter Munitionskolonne
II. Abteilung mit leichter Munitionskolonne
Zur I. Abteilung gehörten die Batterien Nr. 1, 2, und 3, zur II. Abteilung die Batterien Nr. 4, 5 und 6.

1917
Am 3.2.1917 sollte gemäß der Verfügung des sächsischen Kriegsministeriums – Nr. 670 I. M. – die Aufstellung einer III. Abteilung mit den Batterien 7, 8 und 9 erfolgen. Sie wurde dann nach einer Verfügung des Chefs des Generalstabes des Feldheers aus den beiden leichten Munitionskolonnen des Regiments gebildet und trat am 21.2.1917 auf dem Feldartillerieschießplatz Thimougies (bei Tournai) zusammen.[04]

Ersatztruppenteil
für den Regimentsstab war die Ersatzabteilung des Feldartillerie-Regiments Nr. 48 in Riesa, für die I. und III. Abteilung die Ersatzabteilung des Regiments in Riesa und für die II. Abteilung die Ersatzabteilung des Feld-Artillerie-Regiments Nr. 78 in Wurzen. Diese sollte den Abgang an Offizieren, Mannschaften, Pferden und Material decken, welcher im Laufe des Feldzuges bei den von ihrem Regiment ausgestellten Feldtruppen und besonderen Formationen eintrat und als Stamm für Neuformationen dienen.

Unterstellung
Das Regiment wurde zusammen mit den Feldartillerie-Regimentern Nr. 32 und Nr. 77 der neugebildeten 4. Feldartilleriebrigade Nr. 40 in Riesa unterstellt. Diese gehörte zum Bestand des ebenfalls neu aufgestellten XIX. Armeekorps.[05] Im Verband der 40. Infanteriedivision, die neben der 24. Infanteriedivision dem XIX. Armeekorps angehörte, rückte das Regiment zu Beginn des Ersten Weltkriegs ins Feld.[06] Während des Krieges gehörte das XIX. Armeekorps zusammen mit dem XI. und XII. Armeekorps und dem XII. Reservekorps zur 3. Armee des Generaloberst Freiherr Max von Hausen.[07]

Waffenfarben
Das Tuch des Waffenrockes und die Mütze waren grün, der Rock war mit schwedischen Ärmelaufschlägen versehen, der Helm aus Leder mit Schuppenketten und Aufsatzkugel und schwarzem Haarbusch, Beschläge aus Aluminiumbronze, Lederzeug schwarz, Artilleriesäbel, auf der Schulterklappe die Regimentsnummer und darüber eine platzende Granate.[08]

Bewaffnung
Bei der Aufstellung des Regiments wurde es mit dem von der Firma Krupp hergestellten Standardgeschütz Feldkanone 96 mit einem Kaliber von 7,7 cm ausgerüstet. Aus dieser Kanone entwickelte man die Feldkanone 96n/A (neuer Art) mit Rohrrücklauf und Schutzschild. Die Umbewaffnung der Feldartillerie mit dieser Kanone begann 1905 und endete 1908.[09]
Daneben wurde noch die leichte Feldhaubitze 98 mit einem Kaliber 10,5 cm entwickelt und bei der im Jahre 1899 beginnenden Neuorganisation der Feldartillerie eingeführt.[10] Dieses Geschütz erhielt ebenfalls Rohrrücklauf und Schutzschild. Seine Einführung als leichte Feldhaubitze 98.09 erfolgte im Jahre 1909. Die Umbewaffnung begann 1910 und endete 1912.

Kommandeure[11]
1.10.1899 - 20.10.1901 Oberst Schmidt
20.9.1901 - 20.9.1904 Oberstleutnant von Wilucki
20.9.1904 - 19.8.1909 Oberst Henschel
19.8.1909 - 20.4.1914 Oberst Neubauer
20.4.1914 - 15.9.1915|-----| Oberst Nieper
15.9.1915 - 2.8.1918 Oberstleutnant Brück
3.8.1918 - März 1919|-----| Major Fiedler

Garnison[12]
1.10.1899 - März 1919 Riesa

Einsatz im Ersten Weltkrieg[13]
2.8.1914 – 8.8.1914 Mobilmachung

9.8.1914 – 17.8.1914 Eisenbahntransport und Marsch in das Versammlungsgebiet um Neuerburg nahe der luxemburgischen Grenze

17.8.1914 – 22.8.1914 Aufklärungsvormarsch und Erkundungsgefechte südöstlich von Dinant

23.8.1914 – 25.8.19141 Verfolgungsgefechte südöstlich und südlich von Givet, bei Willerzie und Haybes

27.8.1914 – 30.8.1914 Schlacht an der Maas und Verfolgung bis an die Aisne

30.8.1914 Gefechte bei L Prè-Boulet, Chesnois, Wignicourt und Tourteron

31.8.1914 – 5.9.1914 Schlacht an der Aisne und Verfolgung bis über die Marne

31.8.1914 Gefechte südlich von Attingny

1.9.1914 Nachtgefecht bei Semide

2.9.1912 Gefecht bei St. Marie á Py und Somme-Py

3.9.1914 Gefecht auf dem Camp de Châlons

4.9.1914 Gefecht bei Châlos sur Marne

6.9.1914 – 11.9.1914 Schlacht an der Marne, Gefechte bei Vitry le Francois

12.9.1914 – 4.10.1914 Stellungskämpfe in der Champagne

19.9. und 26.9.1914 Gefechte bei Sousin

11.10.1914 – 12.10.1914 Einnahme von Lille

15.10.1914 – 28.10.1914 Schlacht bei Lille

30.10.1914 – 24.11.1914 Schlacht bei Ypern

25.11.1914 – 13.12.1914 Stellungskämpfe in Flandern und Französisch-Flandern

14.12.1914 – 24.12.1914 Dezemberschlacht in Französisch-Flandern

25.12.1917 – 25.6.1916 Stellungskämpfe in Flandern und Französisch-Flandern

16.5.1915 – 21.5.1915 Schlacht bei La Bassée und Arras (5. Batterie)

24.6.1916 – 6.8.1916 Erkundungs- und Demonstrationsgefechte der 6. Armee in Zusammenhang mit der Schlacht an der Somme

10.8. 1916 – 18.9.1916 Schlacht an der Somme

22.9.1916 – 20.10.1916 Stellungskämpfe in Französisch-Flandern bei La Bassée

21.10.1918 – 10.11.1916 Schlacht an der Somme

Mitte Okt. - Ende Nov. 1916 Stellungskämpfe an der Ancre (Regimentsstab und I. Abteilung)

20.12.1916 – Ende Febr. 1917 Stellungskämpfe bei Bapaume (Regimentsstab und I. Abteilung)

Ende Apr. – Mitte Juni. 1917 Stellungskämpfe bei Arras

13.11.1916 – Ende März 1917 Stellungskämpfe im Wyschaetebogen (II-Abteilung)

Mitte April – Mitte Mai 1917 Stellungskämpfe im Wyschaetebogen (II-Abteilung)

Mitte Mai – Mitte Juni 1917 Stellungskämpfe bei Arras (II. Abteilung)

23.6.1917 – 26.8.1917 Stellungskämpfe in Flandern (Flandernschlacht)

3.10.1917 – 15.10.1917 Aufmarsch hinter der Isonzofront (beim Alpenkorps)

16.10.1917 – 23.10.1917 Stellungskämpfe am Isonzo beim Alpenkorps

24.10.1917 – 27.10.1917 Durchbruch durch die Julischen Alten beim Alpenkorps

28.10.1917 – 3.11.1917 Schlacht bei Udine

1.11.1917 Schlacht bei St. Daniele

3.11.1917 Erzwingung des Tagliamento-Überganges bei Pinzano

4.11.1917 – 11.11.1917 Verfolgung vom Tagliamento bis zur Piave (bei der k. u. k. 13. Schützendivision)

6.11.1917 – 7.11.1917 Kämpfe um die Livenza-Übergänge

12.11.1917 – 5.12.1917 Stellungskämpfe an der Piave (bei der k. u. k. 13. Schützendivision)

bis 9.1.1918 Stellungskämpfe an der Piave (III. Abteilung bei der k. u. k. 13. Schützendivision)

6.12.1917 – 9.11918 Stellungskämpfe am Monta Tomba (Regimentsstab, I. und II. Abteilung)

9.3.1918 – 20.3.1918 Stellungskämpfe im Artois und Aufmarsch zur großen Schlacht in Frankreich

21.3.1918 – 6.4.1918 Große Schlacht in Frankreich

21.3.1918 – 23.3.1918 Durchbruchsschlacht Monchy-Cambrai

29.3.1918 – 22.4.1918 Kämpfe an der Ancre, Somme und Avre

24.4.1918 – 26.4.1918 Schlacht bei Villers-Bretonneux, an der Luce und Avre

11.5.1918 – 27.6.1918 Kämpfe an der Somme

27.6.1918 – 9.7.1918 Ausbildungszeit hinter der Front der 2. Armee

28.8.1918 – 3.9.1918 Schlacht zwischen Somme und Oise

4.9.1918 – 15.9.1918 Kämpfe vor der Siegfriedstellung 1918

18.9.1918 – 20.9.1918 Kämpfe bei Vauxaillon und Laffaux

28.9.1918 – 9.10.1918 Stellungskämpfe nördlich der Ailette

10.10.1918 – 12.10.1918 Kämpfe vor der Hunding- und der Brunhilde-Front

13.10.1918 – 4.11.1918 Kämpfe in der Hunding-Stellung

5.11.1918 – 11.11.1918 Rückzugskämpfe vor der Antwerpen-Maas-Stellung

Rückmarsch nach Riesa
Nach Eintreten des Waffenstillstandes an der gesamten Westfront am 11.11.1918 begann das Regiment noch am selben Tag den Rückmarsch. Die Räumung des okkupierten Gebietes erfolgte durch Belgien auf den befohlenen Straßen. Am 22.11.1918 wurde die deutsch-belgische Grenze bei Maldingen überschritten. Der Marsch wurde fortgesetzt bis in die Gegend von Marburg, die am 12.12.1918 erreicht wurde. Dort verblieb das Regiment bis zum 25.12.1918. Am 26. und 29.12.1918 wurden Teile und am 3.1.1919 der Rest des Regiments in Kirchhain (östlich von Marburg) verladen. Die Eisenbahntransporte trafen in den Tagen vom 29.12.1918 bis zum 5.1.1919 in Riesa ein.[14]

Demobilmachung
Nach der Rückkehr in die Garnison Riesa begann die Demobilmachung. Die Auflösung des Regiments und der Ersatzabteilung wurde durch die Abwicklungsstelle des Regiments durchgeführt. Das alte sächsische Heer galt vom 1.4.1919 an als aufgelöst. Zu diesem Zeitpunkt wurden sogenannte Rumpfverbände gebildet, die offiziell nicht als Truppen, sondern nur als Wach- und Verwaltungsbehörden galten. Tatsächlich waren diese Rumpfverbände schon die Stammtruppen der nachfolgenden Reichswehr. Die 6. Batterie des Reichwehr-Artillerie-Regiments Nr. 4 bestand aus einem Teil der Offiziere und Mannschaften des Feldartillerie-Regiments Nr. 68, sie führte die Tradition des ehemaligen Regiments fort.[15]

Bestandsverzeichnung
Bei dem vorliegenden Findbuch handelt es sich lediglich um eine Konversion des im Militärarchiv der DDR 1965 erstellten Findbuchs, bei der einige geringfügige Korrekturen der Aktentitel und Auslassungen bei der Einleitung vorgenommen wurden. Die vorhandene Klassifikation wurde im Wesentlichen beibehalten und basiert weitgehend auf der Gliederung des Regiments. Im Zuge der Gesamtverpackung wurde der Bestand im Jahr 2004 neu signiert. Eine Konkordanz zu den alten Signaturen befindet sich am Ende des Findbuchs


Literatur
Das sächsische Heer, seine Kommando-, Justiz- und Verwaltungsbehörden 1831-1921. Übersicht über die Quellenbestände des Militärarchivs der Deutschen Demokratischen Republik , Potsdam 1974. [La 2492][16]

Kretschmar, A. von: Geschichte der kurfürstlich und königlich sächsischen Feld-Artillerie von ihrer Errichtung bis zur Gegenwart 1620 - 1878, 2 Bände, Berlin 1876-1879. [Sa 1926]

Ranglisten der Königlich Sächsischen Armee, 1900 – 1913. [Sa 1510].

Reichsarchiv: Der Weltkrieg 1914 – 1918, Kriegsausrüstung und Kriegswirtschaft, Anlagen zum 1. Band, Berlin 1930. [Pa 1901]

Stuhlmann, Friedrich: Das Kgl. Sächs. 6. Feldartillerie-Regiment Nr. 68. Nach d. amtl. Kriegstagebüchern bearb. Mit 2 Übersichtskarten u. 1 Marschskizze, sowie 21 Skizzen i. Text. (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter. Sächsische Armee, H. 42), Dresden 1927. [Sa 1877]

Verlohren, Heinrich August: Stammregister und Chronik der kur- und königlich sächsischen Armee von 1670 bis zum Beginn des 20. Jh., Leipzig 1910. [9.409]


[01] Reichsarchiv, Der Weltkrieg 1914 – 1918, Kriegsausrüstung und Kriegswirtschaft, Berlin 1930, Anlagen zum 1. Band, S. 451 ff.
[02] Stuhlmann, Dr. Friedrich, Das Königlich Sächsische Feldartillerieregiment Nr. 68, Dresden 1927, S. 1
[03] Ebenda, S. 2
[04] Ebenda, S. 87
[05] Rangliste der Königlich Sächsischen Armee für das Jahr 1910, S. 23
[06] Stuhlmann, a. a. O., S.6
[07] Ebenda, S. 9
[08] Verlohren, Heinrich August, Stammregister und Chronik der Kur- und Königlich Sächsischen Armee, Leipzig 1910, S. 61
[09] Reichsarchiv, a. a. O., 1. Band, S. 236
[10] Ebenda, S. 238 ff.
[11] Stuhlmann, a. a. O., S. XII
[12] Ebenda, S. 1
[13] Ebenda, S. 203 f.
[14] Ebenda, S. 199
[15] Ebenda, S. 200
[16] Bei den in eckigen Klammern stehenden Angaben handelt es sich um die Bibliothekssignaturen des Hauptstaatsarchivs Dresden.
Personalangelegenheiten.- Befehle und Verfügungen.- Dienstangelegenheiten.- Waffen und Munition.
Angaben siehe 2.3.8.5 Verbände und Truppenteile der sächsischen Armee
  • 1965, 2014 | Findbuch / Datenbank
  • 2019-10-21 | Diese Ausgabe über AWAX 2.0.0.9
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