Beständeübersicht
Bestand
10967 Landbauamt Dresden
| Datierung | 1849 - 1953 (1973 - 1987) |
|---|---|
| Benutzung im | Hauptstaatsarchiv Dresden |
| Umfang (nur lfm) | 5,05 |
1. Geschichte des Landbauamtes Dresden
Für die Dresdner Staatshochbauten war bis 1865 der Landbaumeister in Dresden zu-ständig; 1862 wurde das Landbauamt Dresden als eigenständige Behörde eingerichtet. Mit der Neugliederung der Hochbauverwaltung durch die Bekanntmachung vom 8. März 1865 wurden zwei Landbaubezirke in Dresden gebildet, die von je einem Bezirks-baumeister geleitet wurden und in ihren Zuständigkeiten die Dresdner Stadtgebäude und die umliegenden amtshauptmannschaftlichen Bezirke umfassten.
Durch die Verordnung die Staatshochbauverwaltung betreffend vom 28. November 1882, die am 1. Januar 1883 in Kraft trat, wurden in Dresden drei Landbauämter einge-richtet. Das Landbauamt Dresden I umfasste die Stadt Dresden links der Elbe sowie die Bezirke der Amtshauptmannschaften Dresden-Altstadt, Freiberg und Dippoldiswalde und den links der Elbe gelegenen Teil des Bezirks der Amtshauptmannschaft Pirna. Das Landbauamt Dresden II war zuständig für die Stadt Dresden rechts der Elbe, die Bezirke der Amtshauptmannschaften Dresden-Neustadt, Kamenz, Bautzen, Löbau und Zittau sowie den rechts der Elbe gelegenen Teil des Bezirks der Amtshauptmannschaft Pirna. Das Landbauamt Dresden III betreute die Bezirke der Amtshauptmannschaften Meißen, Döbeln, Großenhain und Oschatz (ohne die im Oschatz'schen Bezirk gelege-nen Gebäude der Mutzschener Teichwirtschaft). Den Landbauämtern oblagen die technische Aufsicht über die im Bezirk befindlichen Staatsgebäude, die Fürsorge für ihre Unterhaltung sowie die Leitung und Ausführung angeordneter Bauten. Nicht in das Ressort der Landbauämter fielen die gewerblichen Etablissements der Bergverwaltung, die Gebäude der Eisenbahnverwaltung sowie vorerst auch die Gebäude der Landesheil-, Versorgungs- und Strafanstalten.
Mit der Verordnung die Staatshochbauverwaltung betreffend vom 22. Mai 1898 wurde die Zahl der Dresdner Landbauämter auf zwei reduziert und die Zuständigkeiten neu geordnet. Für die Oberlausitz war das Landbauamt Dresden II zuständig; mit der Errich-tung des Landbauamtes Bautzen 1898 entfiel diese Zuständigkeit. Neu war, dass die Staatsgebäude in Dresden nach den einzelnen Fachministerien aufgeteilt wurden. Das Landbauamt Dresden I war nunmehr für die Gebäude in Dresden sowie die Amts-hauptmannschaft Pirna zuständig, das Landbauamt Dresden II für die Gebäude in Dresden sowie die Amtshauptmannschaften Dresden-Altstadt, Dresden-Neustadt, Dippoldiswalde und Freiberg (Verordnung vom 22. Mai 1898, GVBl. 1898, S. 70 f.).
Vom 1. März 1924 an wurden die Landbauämter Dresden I, Dresden II und Meißen zum Landbauamt Dresden zusammengelegt. Seinen Sitz hatte das neue Amt im vormaligen Coselpalais an der Frauenkirche 12 in Dresden. Der Baukreis des Landbauamtes Dresden umfasste fortan die Baukreise der bisherigen Landbauäm-ter Dresden I und II sowie vom Landbauamt Meißen die Bezirke der Amtshauptmann-schaften Großenhain und Meißen; der Bezirk der Amtshauptmannschaft Oschatz wurde dem Landbauamt Leipzig zugeteilt, der Bezirk der Amtshauptmannschaft Döbeln auf die Landbauämter Leipzig und Chemnitz verteilt. Ab 1. April 1924 unterstand das Landbauamt Dresden der neu errichteten Hochbaudirektion beim Finanzministerium, welche die technische Oberleitung des gesamten staatlichen Hochbauwesens über-nahm. Bereits im Herbst 1945 übernahm die neu gegründete Zwingerbauhütte einen Teil der bisher zum Landbauamt Dresden gehörigen Gebäude. Auf Grundlage des Beschlusses der Deutschen Wirtschaftskommission - Hauptverwaltung Bauwesen - vom 29. Juni 1949 über die Reorganisation des Hochbauwesens wurden im November 1949 die verbliebenen Aufgaben des Landbauamtes Dresden auf die einzelnen Fach-ministerien übertragen; damit endete die Tätigkeit des Amtes (siehe Bestand 11383 Landbauamt Dresden nach 1945).
Den Dresdner Landbauämtern standen folgende Landbaumeister bzw. Bauräte vor. Dem Landbauamt Dresden (1862-1882) standen Landbaumeister Karl Adolf Canzler (1862 bis 10. Juni 1880) und Landbaumeister Emil Anton Buschick (ab 1880) vor.
Dem Landbauamt Dresden I (1883-1924) standen vor: Landbaumeister Emil Anton Buschick (1883-1888), Landbaumeister Hermann Heinrich Edmund Waldow (1890-1894), Landbaumeister Bernhard Otto Hülle (1895-1898), Landbaumeister Karl Otto-mar Reichelt (1899-1900), Baurat Karl Louis Florens Schmidt (1901), Baurat Julius Rudolf Gläser (1902-1913), Finanz- und Baurat Hermann Friedrich Auster (1914-1924), Oberregierungsbaurat F. C. Heinrich Koch (1925-1936) sowie Regierungsbaurat bzw. Oberregierungsbaurat Dr. Zimmermann (1937-1943).
Dem Landbauamt Dresden II (1883-1924) standen vor: Landbaumeister Wilhelm Hein-rich Dreßler (1884-1886), Landbaumeister Karl Moritz Müller (1888-1898), Baurat Bernhard Otto Hülle (1899-1906), Finanz- und Baurat Adolf Bernhard Conrad Canzler (1907-1912), Finanz- und Baurat Ernst Gustav Max Hempel (1913-1914) sowie Ober-regierungsbaurat F. C. Heinrich Koch (1921-1924).
Dem Landbauamt Dresden III (1882-1898) standen vor: Landbaumeister Karl Moritz Müller (1884), Landbaumeister Wilhelm Heinrich Dreßler (1886), Landbaumeister Her-mann Heinrich Edmund Waldow (1888), Landbaumeister Bernhard Otto Hülle (1890-1894) sowie Landbaumeister Karl Otto Trobsch (1895-1898). Dem nach der Zusam-menlegung 1924 gebildeten Landbauamt Dresden standen Oberregierungsbaurat F. C. Heinrich Koch (1925-1936) und Regierungsbaurat bzw. Oberregierungsbaurat Dr. Zimmermann (1937-1943) vor.
Bereits ab 1908 wurden Zeichnungen von Bau- und Kunstdenkmälern aus den sächsi-schen Landbauämtern auf Anweisung des Königlichen Finanzministeriums an das Königlich Sächsische Denkmalarchiv an der Technischen Hochschule Dresden abge-geben; diese Maßnahme stand im Zusammenhang mit einer parallel ergangenen Wei-sung, entbehrliche Flurkarten aus den Landbauamtsbeständen an das Hauptstaatsar-chiv abzugeben (vgl. O. Kr.: Die Erhaltung und Verwahrung alter Flurkarten und Ge-bäudepläne im Königreich Sachsen. In: Die Denkmalpflege, XIII. Jahrgang, Heft 16, 1911, S. 127). Der Vorstand des Denkmalarchivs, Professor Dr. Bruck, durchsuchte zu diesem Zweck persönlich die Bestände aller sächsischen Landbauämter und wählte die abzugebenden Pläne aus. Pläne, die im laufenden Dienstgebrauch der Landbauämter verblieben, wurden lediglich im Denkmalarchiv katalogisiert und im Sachkatalog nach-gewiesen, verblieben aber physisch bei den Ämtern (Bericht der Königlich Sächsischen Kommission zur Erhaltung der Kunstdenkmäler, Bd. 1909/11. Dresden 1912, S. 9). Dessen Rechtsnachfolger ist heute das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen. Die Abnahme-Zeichnungen der dem Kultusministerium unterstellten staatlichen Schulge-bäude verblieben hingegen ausdrücklich bei den Landbauämtern.
Die Überlieferung des Landbauamtes Dresden für die Zeit nach 1945 wird im Bestand 11383 Landbauamt Dresden nach 1945 verwahrt.
Eine archivische Ermittlung des Sächsischen Landeshauptarchivs aus dem Jahr 1959 (Tgb.-Nr. A 551/59) ergab, dass die Akten des Landbauamtes Dresden weder in den Beständen der ehemaligen Landesregierung Sachsen, noch bei den Kreisbauämtern nachweisbar waren. Das Landeshauptarchiv schloss daraus, dass die Unterlagen in den Betrieb des Entwurfsbüros für Hochbau Dresden I (Verwaltungsarchiv) bzw. des VEB Bau (ST) gelangt sein dürften.
Der Aktenbestand gelangte 1952 in das Hauptstaatsarchiv Dresden. Im Sommer 1964 wurden die Akten gesichtet; dabei wurden Unterlagen des ehemaligen Reichsbauamtes Dresden, des Militär- und Heeresbauamtes Dresden sowie einige Akten verschiedener Provenienz ausgeschieden. 1970 übernahm das Staatsarchiv Dresden vom Institut für Denkmalpflege Dresden weitere Einheiten der Provenienz Landbauamt Dresden. 1973 wurde der gesamte Bestand neu verzeichnet und in eine endgültige Ordnung gebracht; das dabei erstellte Findbuch erschloss die Archivaliensignaturen Nr. 1 bis Nr. 252 (Ak-ten aus der Zeit von 1849 bis 1944). Das analoge Findbuch wurde 2020 retrokonvertiert und in die Erschließungsdatenbank Augias importiert.
In den Jahren 1974 bis 1987 erfolgten weitere Abgaben durch das Baukombinat Dres-den, Betrieb Projektierung, bzw. den VEB Projektierung Dresden im VEB (B) Woh-nungsbaukombinat Dresden (Tannenstraße 4, Dresden) - den mutmaßlichen Rechts-nachfolger des Entwurfsbüros für Hochbau Dresden I -, die Karten, Pläne und Fotos umfassten (Reg.-Nr. A 935/74, A 280/83, A 1274/84, A 726/87, A 1473/87); eine Bear-beitung dieser Materialien unterblieb zunächst.
In den Jahren 2025 und 2026 wurden die bisher unerschlossenen und bedingt erschlos-senen Karten, Pläne und Fotos durch eine Praktikantin, eine Anwärterin, zwei Anwärter und zwei Archivare erschlossen. Durch diese Bearbeitung kamen die Archivaliensigna-turen Nr. 253 bis Nr. 1558 hinzu. Im Zuge der Erschließung wurden Unterlagen ver-schiedener Fremdprovenienzen festgestellt und ausgesondert. Diese wurden den ent-sprechenden Beständen zugeordnet:
- 10970 Landbauamt Meißen (Nr. 20-Nr. 41)
- 11216 Reichsbauamt Dresden (Nr. 472-Nr. 530)
- 11307 Militär- und Heeresbauämter Dresden (Nr. 100-Nr. 207)
- 11383 Landbauamt Dresden nach 1945 (Nr. 140-Nr. 785)
- 11793 Entwurfsbüro für Hochbau Dresden (Nr. 36-Nr. 678)
" 14043 Bezirksheim Saalhausen (Nr. 44 bis 46)
Die im Bestand verbliebenden Fremdprovenienzen wurden als solche ausgewiesen. Darunter befinden sich auch Zeichnungen von den beiden Dresdner Stadtbaudirektoren Hans Erlwein und Hans Poelzig.
Nach Abschluss der Bearbeitung umfasst der Bestand 4,70 lfm Akten sowie 1.308 Karten und Pläne. Der Bestand ist voll erschlossen.
4. Bestandsanalyse
Der Bestand überliefert die Tätigkeit des Landbauamtes Dresden und seiner Vorgän-gerbehörden von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1944. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf der Erhaltung, der Unterhaltung und dem Ausbau staatlicher Gebäude im Stadtgebiet Dresden; Materialien aus den zugehörigen Amtshauptmannschaften sind nur in geringem Umfang vorhanden. Der überwiegende Teil der Archivalien gehört der Zeit von 1883 bis 1924 an. Vertreten sind Unterlagen zu Gebäuden der Justiz-, Finanz-, Kultus- und Forstverwaltung sowie zu Universitäts- und Schulbauten; vereinzelt finden sich auch Akten zu Gebäuden in den Amtshauptmannschaften Pirna, Dippoldiswalde, Freiberg, Großenhain und Meißen. Die Dresdner Landbauämter (I und II zusammen) betreuten nach Angaben des Statistischen Jahrbuchs für das Königreich Sachsen 1903 insgesamt 364 Objekte mit einer Versicherungssumme von rund 45,3 Millionen Mark sowie im Jahr 1913 bereits 393 Objekte im Wert von rund 65,8 Millionen Mark. Damit hatten die Dresdner Landbauämter die umfangreichsten und wertvollsten Zuständig-keitsbereiche aller sächsischen Landbauämter (Statistisches Jahrbuch für das König-reich Sachsen, 33. Jahrgang, 1905, S. 75; 42. Jahrgang, 1914/1915, S. 215).
Der Bestand enthält neben Akten auch Karten, Pläne und Fotografien, die überwiegend aus den Abgaben des VEB Projektierung Dresden stammen.
Ergänzende städtische Überlieferung ist im Stadtarchiv Dresden zu suchen, etwa im Karten- und Planbestand oder im Bauaktenarchiv.
5. Verweise auf korrespondierende Bestände
Hauptstaatsarchiv Dresden:
Tektonikgruppe 2.3.5.5 Hochbauverwaltung
10714 Hofbauamt
10036 Finanzarchiv
10697 Gesamtministerium
10851 Ministerium der Finanzen (06.01 Hochbau)
10975 Bauverwalterei Dippoldiswalde
10976 Bauverwalterei Dresden
10977 Bauverwalterei Großenhain
10970 Landbauamt Meißen
11125 Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts
11216 Reichsbauamt Dresden
11307 Militär- und Heeresbauämter Dresden
11383 Landbauamt Dresden nach 1945
11793 Entwurfsbüro für Hochbau Dresden
12884 Karten, Risse, Bilder
Staatsfilialarchiv Bautzen:
50088 Landbauamt Bautzen
Stadtarchiv Dresden (ergänzende Überlieferung des Städtischen Hochbauamtes Dres-den)
6. Quellen und Literatur
Apelt, Willibalt: Grundzüge des Sächsischen Baurechts. Leipzig 1914 (Beilagenheft zu Fischers Zeitschrift für Praxis und Gesetzgebung der Verwaltung, Bd. 44).
Ausstellung Königlich Sächsischer Staatsverwaltungen. Leipzig [1897].
Leuthold, K. E.: Das Königlich Sächsische Baupolizeirecht. Leipzig 1890.
Matthes, K.: Baupolizei, Straßen- und Wegebau, hrsg. vom Sächsischen Gemeindebe-amtenbund in Dresden, Heft XI b, [ohne Jahr].
Troitsch, Walter: Baugesetz für den Freistaat Sachsen in der Fassung vom 20. Juli 1932 nebst Ausführungsverordnung. Textausgabe mit Anmerkungen, einem ausführlichen Sachregister und den für Bauende wichtigen Bestimmungen des Reichs- und Landes-rechts. Leipzig 1932 (Juristische Handbibliothek, Bd. 122).
Vitzthum von Eckstädt, Carl Graf: Baugesetz für den Freistaat Sachsen vom 1. Juli 1900, in der Fassung des Gesetzes vom 20. Juli 1932. Handausgabe mit den zugehöri-gen Bestimmungen, Erläuterungen und Sachregister. Leipzig 1932 (Juristische Hand-bibliothek, Bd. 326).
Verordnung die Staatshochbauverwaltung betreffend vom 28. November 1882. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen, 13. Stück, 1882, Nr. 79.
O. Kr.: Die Erhaltung und Verwahrung alter Flurkarten und Gebäudepläne im König-reich Sachsen. In: Die Denkmalpflege, XIII. Jahrgang, Heft 16, 1911, S. 127.
Bericht der Königlich Sächsischen Kommission zur Erhaltung der Kunstdenkmäler, Bd. 1909/11. Dresden 1912.
Statistisches Jahrbuch für das Königreich Sachsen, 33. Jahrgang. Dresden 1905.
Statistisches Jahrbuch für das Königreich Sachsen, 42. Jahrgang. Dresden 1914/1915.
Meinert, G.: Findbucheinleitung zum Bestand 10967 Landbauamt Dresden. Staatsar-chiv Dresden, 15. Juli 1973 [ungedruckt].
Für die Dresdner Staatshochbauten war bis 1865 der Landbaumeister in Dresden zu-ständig; 1862 wurde das Landbauamt Dresden als eigenständige Behörde eingerichtet. Mit der Neugliederung der Hochbauverwaltung durch die Bekanntmachung vom 8. März 1865 wurden zwei Landbaubezirke in Dresden gebildet, die von je einem Bezirks-baumeister geleitet wurden und in ihren Zuständigkeiten die Dresdner Stadtgebäude und die umliegenden amtshauptmannschaftlichen Bezirke umfassten.
Durch die Verordnung die Staatshochbauverwaltung betreffend vom 28. November 1882, die am 1. Januar 1883 in Kraft trat, wurden in Dresden drei Landbauämter einge-richtet. Das Landbauamt Dresden I umfasste die Stadt Dresden links der Elbe sowie die Bezirke der Amtshauptmannschaften Dresden-Altstadt, Freiberg und Dippoldiswalde und den links der Elbe gelegenen Teil des Bezirks der Amtshauptmannschaft Pirna. Das Landbauamt Dresden II war zuständig für die Stadt Dresden rechts der Elbe, die Bezirke der Amtshauptmannschaften Dresden-Neustadt, Kamenz, Bautzen, Löbau und Zittau sowie den rechts der Elbe gelegenen Teil des Bezirks der Amtshauptmannschaft Pirna. Das Landbauamt Dresden III betreute die Bezirke der Amtshauptmannschaften Meißen, Döbeln, Großenhain und Oschatz (ohne die im Oschatz'schen Bezirk gelege-nen Gebäude der Mutzschener Teichwirtschaft). Den Landbauämtern oblagen die technische Aufsicht über die im Bezirk befindlichen Staatsgebäude, die Fürsorge für ihre Unterhaltung sowie die Leitung und Ausführung angeordneter Bauten. Nicht in das Ressort der Landbauämter fielen die gewerblichen Etablissements der Bergverwaltung, die Gebäude der Eisenbahnverwaltung sowie vorerst auch die Gebäude der Landesheil-, Versorgungs- und Strafanstalten.
Mit der Verordnung die Staatshochbauverwaltung betreffend vom 22. Mai 1898 wurde die Zahl der Dresdner Landbauämter auf zwei reduziert und die Zuständigkeiten neu geordnet. Für die Oberlausitz war das Landbauamt Dresden II zuständig; mit der Errich-tung des Landbauamtes Bautzen 1898 entfiel diese Zuständigkeit. Neu war, dass die Staatsgebäude in Dresden nach den einzelnen Fachministerien aufgeteilt wurden. Das Landbauamt Dresden I war nunmehr für die Gebäude in Dresden sowie die Amts-hauptmannschaft Pirna zuständig, das Landbauamt Dresden II für die Gebäude in Dresden sowie die Amtshauptmannschaften Dresden-Altstadt, Dresden-Neustadt, Dippoldiswalde und Freiberg (Verordnung vom 22. Mai 1898, GVBl. 1898, S. 70 f.).
Vom 1. März 1924 an wurden die Landbauämter Dresden I, Dresden II und Meißen zum Landbauamt Dresden zusammengelegt. Seinen Sitz hatte das neue Amt im vormaligen Coselpalais an der Frauenkirche 12 in Dresden. Der Baukreis des Landbauamtes Dresden umfasste fortan die Baukreise der bisherigen Landbauäm-ter Dresden I und II sowie vom Landbauamt Meißen die Bezirke der Amtshauptmann-schaften Großenhain und Meißen; der Bezirk der Amtshauptmannschaft Oschatz wurde dem Landbauamt Leipzig zugeteilt, der Bezirk der Amtshauptmannschaft Döbeln auf die Landbauämter Leipzig und Chemnitz verteilt. Ab 1. April 1924 unterstand das Landbauamt Dresden der neu errichteten Hochbaudirektion beim Finanzministerium, welche die technische Oberleitung des gesamten staatlichen Hochbauwesens über-nahm. Bereits im Herbst 1945 übernahm die neu gegründete Zwingerbauhütte einen Teil der bisher zum Landbauamt Dresden gehörigen Gebäude. Auf Grundlage des Beschlusses der Deutschen Wirtschaftskommission - Hauptverwaltung Bauwesen - vom 29. Juni 1949 über die Reorganisation des Hochbauwesens wurden im November 1949 die verbliebenen Aufgaben des Landbauamtes Dresden auf die einzelnen Fach-ministerien übertragen; damit endete die Tätigkeit des Amtes (siehe Bestand 11383 Landbauamt Dresden nach 1945).
Den Dresdner Landbauämtern standen folgende Landbaumeister bzw. Bauräte vor. Dem Landbauamt Dresden (1862-1882) standen Landbaumeister Karl Adolf Canzler (1862 bis 10. Juni 1880) und Landbaumeister Emil Anton Buschick (ab 1880) vor.
Dem Landbauamt Dresden I (1883-1924) standen vor: Landbaumeister Emil Anton Buschick (1883-1888), Landbaumeister Hermann Heinrich Edmund Waldow (1890-1894), Landbaumeister Bernhard Otto Hülle (1895-1898), Landbaumeister Karl Otto-mar Reichelt (1899-1900), Baurat Karl Louis Florens Schmidt (1901), Baurat Julius Rudolf Gläser (1902-1913), Finanz- und Baurat Hermann Friedrich Auster (1914-1924), Oberregierungsbaurat F. C. Heinrich Koch (1925-1936) sowie Regierungsbaurat bzw. Oberregierungsbaurat Dr. Zimmermann (1937-1943).
Dem Landbauamt Dresden II (1883-1924) standen vor: Landbaumeister Wilhelm Hein-rich Dreßler (1884-1886), Landbaumeister Karl Moritz Müller (1888-1898), Baurat Bernhard Otto Hülle (1899-1906), Finanz- und Baurat Adolf Bernhard Conrad Canzler (1907-1912), Finanz- und Baurat Ernst Gustav Max Hempel (1913-1914) sowie Ober-regierungsbaurat F. C. Heinrich Koch (1921-1924).
Dem Landbauamt Dresden III (1882-1898) standen vor: Landbaumeister Karl Moritz Müller (1884), Landbaumeister Wilhelm Heinrich Dreßler (1886), Landbaumeister Her-mann Heinrich Edmund Waldow (1888), Landbaumeister Bernhard Otto Hülle (1890-1894) sowie Landbaumeister Karl Otto Trobsch (1895-1898). Dem nach der Zusam-menlegung 1924 gebildeten Landbauamt Dresden standen Oberregierungsbaurat F. C. Heinrich Koch (1925-1936) und Regierungsbaurat bzw. Oberregierungsbaurat Dr. Zimmermann (1937-1943) vor.
Bereits ab 1908 wurden Zeichnungen von Bau- und Kunstdenkmälern aus den sächsi-schen Landbauämtern auf Anweisung des Königlichen Finanzministeriums an das Königlich Sächsische Denkmalarchiv an der Technischen Hochschule Dresden abge-geben; diese Maßnahme stand im Zusammenhang mit einer parallel ergangenen Wei-sung, entbehrliche Flurkarten aus den Landbauamtsbeständen an das Hauptstaatsar-chiv abzugeben (vgl. O. Kr.: Die Erhaltung und Verwahrung alter Flurkarten und Ge-bäudepläne im Königreich Sachsen. In: Die Denkmalpflege, XIII. Jahrgang, Heft 16, 1911, S. 127). Der Vorstand des Denkmalarchivs, Professor Dr. Bruck, durchsuchte zu diesem Zweck persönlich die Bestände aller sächsischen Landbauämter und wählte die abzugebenden Pläne aus. Pläne, die im laufenden Dienstgebrauch der Landbauämter verblieben, wurden lediglich im Denkmalarchiv katalogisiert und im Sachkatalog nach-gewiesen, verblieben aber physisch bei den Ämtern (Bericht der Königlich Sächsischen Kommission zur Erhaltung der Kunstdenkmäler, Bd. 1909/11. Dresden 1912, S. 9). Dessen Rechtsnachfolger ist heute das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen. Die Abnahme-Zeichnungen der dem Kultusministerium unterstellten staatlichen Schulge-bäude verblieben hingegen ausdrücklich bei den Landbauämtern.
Die Überlieferung des Landbauamtes Dresden für die Zeit nach 1945 wird im Bestand 11383 Landbauamt Dresden nach 1945 verwahrt.
Eine archivische Ermittlung des Sächsischen Landeshauptarchivs aus dem Jahr 1959 (Tgb.-Nr. A 551/59) ergab, dass die Akten des Landbauamtes Dresden weder in den Beständen der ehemaligen Landesregierung Sachsen, noch bei den Kreisbauämtern nachweisbar waren. Das Landeshauptarchiv schloss daraus, dass die Unterlagen in den Betrieb des Entwurfsbüros für Hochbau Dresden I (Verwaltungsarchiv) bzw. des VEB Bau (ST) gelangt sein dürften.
Der Aktenbestand gelangte 1952 in das Hauptstaatsarchiv Dresden. Im Sommer 1964 wurden die Akten gesichtet; dabei wurden Unterlagen des ehemaligen Reichsbauamtes Dresden, des Militär- und Heeresbauamtes Dresden sowie einige Akten verschiedener Provenienz ausgeschieden. 1970 übernahm das Staatsarchiv Dresden vom Institut für Denkmalpflege Dresden weitere Einheiten der Provenienz Landbauamt Dresden. 1973 wurde der gesamte Bestand neu verzeichnet und in eine endgültige Ordnung gebracht; das dabei erstellte Findbuch erschloss die Archivaliensignaturen Nr. 1 bis Nr. 252 (Ak-ten aus der Zeit von 1849 bis 1944). Das analoge Findbuch wurde 2020 retrokonvertiert und in die Erschließungsdatenbank Augias importiert.
In den Jahren 1974 bis 1987 erfolgten weitere Abgaben durch das Baukombinat Dres-den, Betrieb Projektierung, bzw. den VEB Projektierung Dresden im VEB (B) Woh-nungsbaukombinat Dresden (Tannenstraße 4, Dresden) - den mutmaßlichen Rechts-nachfolger des Entwurfsbüros für Hochbau Dresden I -, die Karten, Pläne und Fotos umfassten (Reg.-Nr. A 935/74, A 280/83, A 1274/84, A 726/87, A 1473/87); eine Bear-beitung dieser Materialien unterblieb zunächst.
In den Jahren 2025 und 2026 wurden die bisher unerschlossenen und bedingt erschlos-senen Karten, Pläne und Fotos durch eine Praktikantin, eine Anwärterin, zwei Anwärter und zwei Archivare erschlossen. Durch diese Bearbeitung kamen die Archivaliensigna-turen Nr. 253 bis Nr. 1558 hinzu. Im Zuge der Erschließung wurden Unterlagen ver-schiedener Fremdprovenienzen festgestellt und ausgesondert. Diese wurden den ent-sprechenden Beständen zugeordnet:
- 10970 Landbauamt Meißen (Nr. 20-Nr. 41)
- 11216 Reichsbauamt Dresden (Nr. 472-Nr. 530)
- 11307 Militär- und Heeresbauämter Dresden (Nr. 100-Nr. 207)
- 11383 Landbauamt Dresden nach 1945 (Nr. 140-Nr. 785)
- 11793 Entwurfsbüro für Hochbau Dresden (Nr. 36-Nr. 678)
" 14043 Bezirksheim Saalhausen (Nr. 44 bis 46)
Die im Bestand verbliebenden Fremdprovenienzen wurden als solche ausgewiesen. Darunter befinden sich auch Zeichnungen von den beiden Dresdner Stadtbaudirektoren Hans Erlwein und Hans Poelzig.
Nach Abschluss der Bearbeitung umfasst der Bestand 4,70 lfm Akten sowie 1.308 Karten und Pläne. Der Bestand ist voll erschlossen.
4. Bestandsanalyse
Der Bestand überliefert die Tätigkeit des Landbauamtes Dresden und seiner Vorgän-gerbehörden von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1944. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf der Erhaltung, der Unterhaltung und dem Ausbau staatlicher Gebäude im Stadtgebiet Dresden; Materialien aus den zugehörigen Amtshauptmannschaften sind nur in geringem Umfang vorhanden. Der überwiegende Teil der Archivalien gehört der Zeit von 1883 bis 1924 an. Vertreten sind Unterlagen zu Gebäuden der Justiz-, Finanz-, Kultus- und Forstverwaltung sowie zu Universitäts- und Schulbauten; vereinzelt finden sich auch Akten zu Gebäuden in den Amtshauptmannschaften Pirna, Dippoldiswalde, Freiberg, Großenhain und Meißen. Die Dresdner Landbauämter (I und II zusammen) betreuten nach Angaben des Statistischen Jahrbuchs für das Königreich Sachsen 1903 insgesamt 364 Objekte mit einer Versicherungssumme von rund 45,3 Millionen Mark sowie im Jahr 1913 bereits 393 Objekte im Wert von rund 65,8 Millionen Mark. Damit hatten die Dresdner Landbauämter die umfangreichsten und wertvollsten Zuständig-keitsbereiche aller sächsischen Landbauämter (Statistisches Jahrbuch für das König-reich Sachsen, 33. Jahrgang, 1905, S. 75; 42. Jahrgang, 1914/1915, S. 215).
Der Bestand enthält neben Akten auch Karten, Pläne und Fotografien, die überwiegend aus den Abgaben des VEB Projektierung Dresden stammen.
Ergänzende städtische Überlieferung ist im Stadtarchiv Dresden zu suchen, etwa im Karten- und Planbestand oder im Bauaktenarchiv.
5. Verweise auf korrespondierende Bestände
Hauptstaatsarchiv Dresden:
Tektonikgruppe 2.3.5.5 Hochbauverwaltung
10714 Hofbauamt
10036 Finanzarchiv
10697 Gesamtministerium
10851 Ministerium der Finanzen (06.01 Hochbau)
10975 Bauverwalterei Dippoldiswalde
10976 Bauverwalterei Dresden
10977 Bauverwalterei Großenhain
10970 Landbauamt Meißen
11125 Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts
11216 Reichsbauamt Dresden
11307 Militär- und Heeresbauämter Dresden
11383 Landbauamt Dresden nach 1945
11793 Entwurfsbüro für Hochbau Dresden
12884 Karten, Risse, Bilder
Staatsfilialarchiv Bautzen:
50088 Landbauamt Bautzen
Stadtarchiv Dresden (ergänzende Überlieferung des Städtischen Hochbauamtes Dres-den)
6. Quellen und Literatur
Apelt, Willibalt: Grundzüge des Sächsischen Baurechts. Leipzig 1914 (Beilagenheft zu Fischers Zeitschrift für Praxis und Gesetzgebung der Verwaltung, Bd. 44).
Ausstellung Königlich Sächsischer Staatsverwaltungen. Leipzig [1897].
Leuthold, K. E.: Das Königlich Sächsische Baupolizeirecht. Leipzig 1890.
Matthes, K.: Baupolizei, Straßen- und Wegebau, hrsg. vom Sächsischen Gemeindebe-amtenbund in Dresden, Heft XI b, [ohne Jahr].
Troitsch, Walter: Baugesetz für den Freistaat Sachsen in der Fassung vom 20. Juli 1932 nebst Ausführungsverordnung. Textausgabe mit Anmerkungen, einem ausführlichen Sachregister und den für Bauende wichtigen Bestimmungen des Reichs- und Landes-rechts. Leipzig 1932 (Juristische Handbibliothek, Bd. 122).
Vitzthum von Eckstädt, Carl Graf: Baugesetz für den Freistaat Sachsen vom 1. Juli 1900, in der Fassung des Gesetzes vom 20. Juli 1932. Handausgabe mit den zugehöri-gen Bestimmungen, Erläuterungen und Sachregister. Leipzig 1932 (Juristische Hand-bibliothek, Bd. 326).
Verordnung die Staatshochbauverwaltung betreffend vom 28. November 1882. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen, 13. Stück, 1882, Nr. 79.
O. Kr.: Die Erhaltung und Verwahrung alter Flurkarten und Gebäudepläne im König-reich Sachsen. In: Die Denkmalpflege, XIII. Jahrgang, Heft 16, 1911, S. 127.
Bericht der Königlich Sächsischen Kommission zur Erhaltung der Kunstdenkmäler, Bd. 1909/11. Dresden 1912.
Statistisches Jahrbuch für das Königreich Sachsen, 33. Jahrgang. Dresden 1905.
Statistisches Jahrbuch für das Königreich Sachsen, 42. Jahrgang. Dresden 1914/1915.
Meinert, G.: Findbucheinleitung zum Bestand 10967 Landbauamt Dresden. Staatsar-chiv Dresden, 15. Juli 1973 [ungedruckt].
Bauwerke in Dresden: Coselpalais, Grünes Gewölbe, Jägerhof, Japanisches Palais, Johanneum, Kurländer Palais, Landhaus, Opernhaus, Zwinger, Großer Garten.- Bauwerke außerhalb Dresdens: Begräbniskapelle im Freiberger Dom, Weinbergskirche Pillnitz, Gebäude der Steuerverwaltung und Zollverwaltung.
Dresden war stets Sitz eines Landbauamts, dessen Zuständigkeit jedoch einem häufigen Wechsel unterzogen war.
Weitere Angaben siehe 2.3.5.5 Hochbauverwaltung
Weitere Angaben siehe 2.3.5.5 Hochbauverwaltung