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Beständeübersicht

Bestand

20136 Amtsgericht Taucha

Datierung1853 - 1933 (1934 - 1956)
Benutzung im Staatsarchiv Leipzig
Umfang (nur lfm)9,20
Geschichte des Amtsgerichtes Taucha

Das nordöstlich von Leipzig gelegene Taucha war bis 1856 eine Vasallenstadt des Leipziger Rates im Kreisamt Leipzig. Im Jahre 1856 wurde aufgrund des Gesetzes über die künftige Einrichtung der Behörden erster Instanz für Rechtspflege und Verwaltung[01] das Königliche Gericht Taucha eröffnet. Nachfolgebehörde des Königlichen Gerichtes wurde am 1. Oktober 1856, nach Neugestaltung der Gerichtsorganisation in Sachsen, das Gerichtsamt Taucha, dessen Aufgabengebiet sowohl Justiz- als auch Verwaltungsaufgaben umfasste.
Nach Vereinheitlichung der deutschen Gerichtsorganisation, die im Jahre 1879 in Sachsen umgesetzt wurde, erfolgte die Aufhebung der Gerichtsämter und die Schaffung von Amtsgerichten, die den ebenfalls neu geschaffenen Landgerichten unterstanden.[02] Die Amtsgerichte waren nunmehr allein für den Aufgabenbereich der Justiz verantwortlich, während die Verwaltungsaufgaben bereits ab dem Jahr 1873 an die Amtshauptmannschaften übergegangen waren.
Das Amtsgericht Taucha wurde dem Landgericht Leipzig unterstellt. Sein geographisches Einzugsgebiet entsprach dem des vormaligen Gerichtsamtsbezirkes: Die territoriale Zuständigkeit erstreckte sich auf die Stadt Taucha und 22 Landgemeinden.[03] Erster Gerichtsvorstand war Amtsrichter Franz Eduard Hennig, der im Jahre 1879 mit einem jährlichen Besoldungsetat von 3.000 Mark an das Amtsgericht Taucha berufen wurde.[04] Mit Verordnung vom 23. Oktober 1933 ist das Amtsgericht Taucha aufgehoben worden.[05] Bis zum 31. Dezember 1933 erfolgten die Zuweisung seines Bezirkes sowie die Aktenübergaben an das Amtsgericht Leipzig, Johannisgasse 9. Das Gerichtsgefängnis wurde der Direktion der Leipziger Gefangenenanstalten unterstellt. Der im Jahre 1927 an das Amtsgericht Taucha berufene und bis zur Aufhebung des Gerichtes tätig gewesene Vorstand, Amtsgerichtsrat Dr. Kretzschmar, ist 1934 an das Amtsgericht Dresden versetzt worden. [06]




Bestandsgeschichte und - bearbeitung

Entsprechend festgelegter Zuständigkeiten übernahm das damalige Landesarchiv Leipzig (heute: Staatsarchiv Leipzig) in den Jahren 1956 -1958 vom Sächsischen Landeshauptarchiv Dresden (heute: Hauptstaatsarchiv Dresden) unter der Bezeichnung "Abgabegemeinschaft Amtsgerichte" u. a. Justizschriftgut der Provenienzen Amtsgericht Taucha und Vorgängerbehörden. Im Einzelnen sind die Abgaben nicht mehr konkret zu belegen. Das Zugangsbuch des Sächsischen Staatsarchivs Leipzig registriert 1959 und 1960 u. a. Zugänge von 100 Aktenpaketen aus dem Staatlichen Notariat Leipzig, v. a. Testaments- und Nachlassakten, sowie 1963 vom Kreisgericht Leipzig-Land 4 lfm Straf- und Zivilsachen.[07]
Ab Mitte 1997 begann im Staatsarchiv Leipzig die komplette Bearbeitung der Justizbestände des 19./20. Jahrhunderts mit dem Ziel, u. a. die Bestandsgruppen Gerichtsämter und Königliche Bezirksgerichte wiederherzustellen. Im Zusammenhang mit der Beständebildung nach den Gerichts- und Verwaltungsstrukturen im 19. Jh. war vorgesehen, Archivgut der Vorprovenienzen aus den bisherigen Beständen der Amtsgerichte herauszulösen. Im Ergebnis der im Bestand Amtsgericht Taucha durchgeführten Provenienztrennung wurden 444 Akten erkannt, die der Provenienz Gerichtsamt Taucha zuzuordnen waren.

Die innere Ordnung im Bestand wurde nicht verändert. Durch die Bildung von Bänden nach sachlichen Zusammenhängen, z. B. bei 20 Bänden Verfassungsakten oder 13 Bänden Personalangelegenheiten, wurde eine bessere Übersicht über die Überlieferungslage diesbezüglicher Akten geschaffen und somit auch ein schnellerer Zugriff zur Akte gewährleistet. Die offensichtlich erkennbaren Flüchtigkeitsfehler der in früheren Jahren erfolgten Verzeichnung wurden bereinigt bzw. ergänzt, z. B. exakte Schreibweisen der Namen und Orte, Ergänzung fehlender älterer Registratursignaturen. Darüber hinaus sind offensichtliche Schäden, u. a. Schimmel, mit aufgenommen worden. Bei der Verzeichnung der Sammelurteile, der Strafanzeigen und Strafbefehle sowie der Schutzaufsichten erwies sich eine erweiterte Verzeichnung als vorteilhaft. Die Namen der Betroffenen und die Delikte wurden zusätzlich erfasst. Von 2001 bis 2006 wurden vom Amtsgericht Leipzig noch ca. 150 v. a. Nachlass- und Vormundschaftsakten übernommen und zeitnah eingearbeitet. Der Bestand umfasst zum jetzigen Zeitpunkt 9,2 lfm.





Überlieferungsschwerpunkte

Der Bestand Amtsgericht Taucha gehört zwar nicht zu den größten Amtsgerichtsbeständen, doch zählt er hinsichtlich der inhaltlichen Überlieferung zu einem der aussagekräftigsten und interessantesten Bestände innerhalb der Bestandsgruppe Amtsgerichte.
Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass das Amtsgericht Taucha nur bis 1933 existierte, ist die Überlieferung von Justizschriftgut im Bestand als sehr gut einzuschätzen. Nur wenige Klassifikationspunkte sind im Inhaltsverzeichnis als "nicht belegt" ausgewiesen. Zwangsläufig fallen darunter die Unterlagen, die ab 1934 beim Amtsgericht Leipzig fortgeführt bzw. dort entstanden sind, z. B. der Großteil der Registersachen.
Sehr gut wird der innere Dienstbetrieb des Amtsgerichtes Taucha dokumentiert, u. a. mit zahlreich überlieferten Justizverfassungsakten, 1858 bis 1933, oder mit Justizstatistiken. Auch zu Gebäudeangelegenheiten sind die Unterlagen, die bis zu den Umzugsaktionen im Dezember 1933 reichen, sehr aussagekräftig. Überliefert sind z. B. Anforderungen des Amtsgerichtes Leipzig zur Bedarfsermittlung an Archivraum für die zu übernehmenden Akten nach Auflösung des Amtsgerichtes Taucha. Darüber hinaus finden sich innerhalb der schriftlichen Überlieferung auch Skizzen des Gefangenenhofes und -gebäudes, ein Plan des Amtsgerichtes mit Dachgeschoss von 1914 im Maßstab 1 : 100 sowie Bestandsverzeichnisse über Inventarien.[08] Personalakten sind überwiegend von Angestellten und Arbeitern überliefert. Erhalten gebliebene Verzeichnisse über Rechtsanwälte und Notare im Amtsgerichtsbezirk, 1905 - 1933, stellen eine relativ seltene ·Überlieferung diesbezüglicher Unterlagen dar. Hervorzuheben ist weiterhin ein Aktenband über ausgewiesene Sozialdemokraten aus der Stadt und der Amtshauptmannschaft Leipzig, 1882 - 1889.[09] Neben einer Sammlung von Urteilen und Strafanzeigen dokumentieren auch Einzelfallakten (Untersuchungsakten) überwiegend politische Delikte aus dem Jahr 1933. Über 100 Aktenbände beinhalten Grundstücksangelegenheiten, 1855 bis um 1900, darunter auch Unterlagen über den Bau der Eisenbahn Leipzig - Eilenburg.
Die Überlieferung von Justizschriftgut im Bestand Amtsgericht Taucha dürfte v. a. der Geschichtsforschung unter Berücksichtigung von sozialen oder wirtschaftlichen Auswertungsaspekten hilfreich sein. Neben den für Auswertungsbelange bedeutsamen Strafsachen wären im Besonderen die innerhalb von Nachlasssachen oder Firmenakten dokumentierten unterschiedlichsten Berufe sowie namhafte Firmen oder Persönlichkeiten der Region zu beachten. Bei entsprechenden Forschungsvorhaben für die Zeit der Jahre 1856 - 1879 sollte die Überlieferung relevanter Akten im Bestand Gerichtsamt Taucha, für die Zeit nach 1933 der Bestand Amtsgericht Leipzig berücksichtigt werden





Hinweis für die Benutzung

1. Das Findbuch ist nach dem folgenden Schema geordnet:
Akten-/Bestellsignatur
Alte Registratursignatur
Aktentitel
Zeitlicher Umfang


Enthält-Vermerk



Band



Vorprovenienzen



Verweise



Indexnummer




2. Das gedruckte Findbuch enthält folgende Register: Personen-, Orts-, Firmen-, Vereins- und Genossenschaftsregister. Die Zahlen geben die Indexnummern im Findbuch an.
3. Die für die Bestandsgruppe Amtsgerichte erarbeitete Klassifikation ist zur Vereinfachung der Recherche im vorliegenden Findbuch komplett ausgedruckt worden - ohne Berücksichtigung, ob die Klassifikationsgruppe durch Akten belegt ist. In diesem Fall erscheint
im Inhaltsverzeichnis ein diesbezüglicher Vermerk "entfällt”.
4. Für die Bestandsgruppe Amtsgerichte im Sächsischen Staatsarchiv Leipzig ist eine bestandsübergreifende Findbucheinleitung erarbeitet worden. Die Findbucheinleitung zum Einzelbestand enthält deshalb nur in verkürzter Form einen historischen Abriss über die Entwicklung des Registraturbildners, Angaben zur Bestandsgeschichte und -bearbeitung und analysiert Überlieferungsschwerpunkte im Bestand.
5. Der Bestand enthält wenige personenbezogene Unterlagen, deren Schutzfristen im Einzelfall erst 2033 enden. Die Vorlage dieser Archivalien ist nur nach Verkürzung der Schutzfristen möglich.




Verweise auf korrespondierende Bestände im Staatsarchiv Leipzig

20009 Amt Leipzig
20024 Kreishauptmannschaft Leipzig
20028 Amtshauptmannschaft Leipzig
20075 Königliches Gericht Taucha
20109 Gerichtsamt Taucha
20114 Landgericht Leipzig
20124 Amtsgericht Leipzig
20626 Stadt Taucha





Literaturverzeichnis[10]

- Gesetz- und Verordnungsblätter für das Königreich Sachsen, 1856, 1879
- Staatshandbücher für das Königreich Sachsen, 1880/1881, 1914, 1927
- Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen, 1814, hrsg. von August
Schumann, Zwickau, Verlag Gebr. Schumann
- Blaschke, Karlheinz, Sächsische Verwaltungsgeschichte, Lehrbrief, Potsdam 1958
- Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen, bearb. von Karlheinz Blaschke, Leipzig 1957
- Klein, Thomas, Grundriss zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815-1945, Bd. 14,
Marburg 1982




[01] Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen 1855, S. 144 ff.
[02] AG Taucha 324: Mitteilung des Ministeriums der Justiz über die Bestimmungen der Grenzen künftiger Amtsgerichtsbezirke, 1873: ,,Ein Amtsgerichtsbezirk sollte nicht unter 20.000, aber auch nicht über 30.000 Seelen zählen .. ".
[03] Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen 1879, S. 249.
[04] Vgl. AG Taucha 325.
[05] Sächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt 1933, S. 185.
[06] AG Taucha 384, 395
[07] Vgl. Zu- und Abgangsbuch, SächsStAL, VA Nr. 187.
[08] Vgl. AG Taucha 384, 395 (Gerichtsorganisation), 226,404,479 (Gefangenenwesen), 324, 374
(Gebäudesachen).

[09] AG Taucha 50.
[10] Vgl. Bibliographische Angaben in: Findbucheinleitung zur Bestandsgruppe Amtsgerichte im Sächsischen
Staatsarchiv Leipzig von V. Jäger, 1999.

Amtsgerichtsverwaltung.- Strafgerichtsbarkeit.- Zivilgerichtsbarkeit.- Freiwillige Gerichtsbarkeit.- Anerbengericht.- Entschuldungsamt.
Das Amtsgericht Taucha entstand im Zuge der im Jahre 1879 neu geschaffenen Gerichtsorganisation aus dem Gerichtsamt Taucha. Sein geographisches Einzugsgebiet erstreckte sich auf die Stadt Taucha und 22 Landgemeinden. Mit der Verordnung von 23. Oktober 1933 wurde das Amtsgericht Taucha geschlossen. Die Aufgaben gingen auf das Amtsgericht Leipzig über.
Weitere Angaben siehe 2.3.4.2.7 Amtsgerichte.
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