Beständeübersicht
Bestand
21639 Hoppe, Anna (SED)
| Datierung | 1919 - 1988 |
|---|---|
| Benutzung im | Staatsarchiv Leipzig |
| Umfang (nur lfm) | 0,33 |
Zur Biografie von Anna Hoppe
Am 21. September 1899 wurde Anna Hoppe geb. Schumann in Leipzig-Lindenau geboren. Ihr Vater war der Glaser August Emil Schumann. Sie besuchte bis 1914 die Volksschule und arbeitete anschließend in einer Leipziger Schürzen- und Rüschenfabrik als Arbeiterin und später in der Stahl- und Federnfabrik Hermann Müller in Leipzig-Lindenau. In der Fabrik trat sie in den Verband der Metallarbeiter ein und übte die Funktion der Kassiererin aus.
Bereits im Alter von 14 Jahren wurde sie Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend. Im September 1917 schloss sie sich der USPD an. 1918 trat sie der neugegründeten KPD bei. Ende 1918 wurde sie wegen Teilnahme und Aufruf zum Metallarbeiterstreik von der Polizei verhört und daraufhin entlassen, sie fand einige Zeit keine Arbeit. Im Januar 1919 bot ihr das Leipziger Gewerkschaftskartell die Möglichkeit, an einem Lehrgang für Stenotypistin teilzunehmen. Sie war von 1919 bis 1920 im Kartell beschäftigt und eignete sich bürotechnische Kenntnisse an. 1921 war sie als Werkstattschreiberin bei der Allgemeinen Transportarbeitergesellschaft (ATG) in Leipzig tätig. Wegen der Teilnahme an einem Streik zu Lohnforderungen wurde sie im März 1921 entlassen.
Im Juni 1921 ging sie - im Auftrag der KPD - nach Halle und wurde kurze Zeit darauf die Sekretärin von Georg Schumann. Sie gehörte der Frauenkommission des Bezirkes an und war gleichzeitig für den Bezirk Halle-Merseburg Vorsitzende des RFMB (Roten Frauen- und Mädchenbundes). 1926/1927 zog sie nach Berlin und arbeitete dort in verschiedenen kleinen Betrieben als Kontoristin. 1929 kehrte sie nach Leipzig zurück und lernte ihren späteren Mann Otto Hoppe kennen, den sie 1934 heiratete. Von 1930 bis 1946 war sie in Leipzig als Stenotypistin bzw. technische Mitarbeiterin beschäftigt, u. a. 1942 -1944 in der Spritzmaschinen-Baugesellschaft "Sprigma" Otto Heinrich in Engelsdorf dienstverpflichtet.
Ab 1941 hatte sie wieder Kontakt zu Georg Schumann und arbeitete für die Widerstandsgruppe um Kurt Kresse, Otto Engert und Georg Schumann; sie erledigte alle schriftlichen Arbeiten für die Gruppe. Am 21. Juli 1944 wurden die Mitglieder der Gruppe verhaftet. Der Prozess gegen Anna Hoppe fand vom 20. bis 24. November 1944 vor dem Volksgerichtshof in Dresden statt. Sie wurde wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Sie war zunächst im Zuchthaus in Cottbus inhaftiert, kam dann nach Waldheim, wurde von Waldheim nach Coswig in ein Arbeitslager gebracht, dann wieder nach Waldheim zurück. Am 8. Mai 1945 wurde sie von der Roten Armee aus dem Gefängnis befreit.
Im Juli 1945 wurde sie Mitglied der KPD und erhielt am 28. März 1946 ihre offizielle Mitgliedskarte. Sie war aktiv an der Vereinigung der SPD und KPD beteiligt. Ab 1946 arbeitete sie als Frauensekretärin im FDGB. Sie war später Vorsitzende der Industriegewerkschaft Textil, Bekleidung und Leder sowie des Gesundheitswesens. Die hauptamtliche Tätigkeit im FDGB musste sie aus gesundheitlichen Gründen 1951 beenden. Im Jahr 1946 kandidierte sie für die SED zur Leipziger Stadtverordnetenversammlung. Sie war insgesamt 28 Jahre lang Stadtverordnete in Leipzig, teilweise vom DFD nominiert. 1974 wurde sie mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Silber ausgezeichnet. Anna Hoppe gab als Vornamen nach 1945 Aenne an. Anna (Aenne) Hoppe starb am 11. November 1987 in Leipzig.
Bestandsgeschichte und -bearbeitung
Der aus 14 Verzeichnungseinheiten bestehende Bestand wurde vor 1989 im Bezirksparteiarchiv Leipzig der SED durch eine Findkartei mit überwiegend einfacher Verzeichnung erschlossen. Im Jahr 1993 wurde er mit den übrigen Beständen des Bezirksparteiarchivs vom PDS-Landesvorstand Sachsen dem Staatsarchiv Leipzig übergeben. Die Übertragung der Findkartei in die Archivsoftware AUGIAS-Archiv erfolgte im Jahr 2001. In Vorbereitung der Online-Stellung der Verzeichnungsangaben 2021 wurden die Verzeichnungs- und Bestandsangaben bei Bedarf überarbeitet oder ergänzt (u. a. Ergänzung und Korrektur von Datierungen), die Gliederung angepasst und die vorliegende Einleitung erstellt.
Verweise auf korrespondierende Bestände
20237 Bezirkstag / Rat des Bezirkes Leipzig, Nr. 27311
21699 SED, Sammlung Kaderunterlagen, Nr. 731
21692 SED, Sammlung Erinnerungen, Nr. V/5/105
21690 SED, Sammlung Biografien, Nr. 910
Antje Reißmann
Juni 2021
Am 21. September 1899 wurde Anna Hoppe geb. Schumann in Leipzig-Lindenau geboren. Ihr Vater war der Glaser August Emil Schumann. Sie besuchte bis 1914 die Volksschule und arbeitete anschließend in einer Leipziger Schürzen- und Rüschenfabrik als Arbeiterin und später in der Stahl- und Federnfabrik Hermann Müller in Leipzig-Lindenau. In der Fabrik trat sie in den Verband der Metallarbeiter ein und übte die Funktion der Kassiererin aus.
Bereits im Alter von 14 Jahren wurde sie Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend. Im September 1917 schloss sie sich der USPD an. 1918 trat sie der neugegründeten KPD bei. Ende 1918 wurde sie wegen Teilnahme und Aufruf zum Metallarbeiterstreik von der Polizei verhört und daraufhin entlassen, sie fand einige Zeit keine Arbeit. Im Januar 1919 bot ihr das Leipziger Gewerkschaftskartell die Möglichkeit, an einem Lehrgang für Stenotypistin teilzunehmen. Sie war von 1919 bis 1920 im Kartell beschäftigt und eignete sich bürotechnische Kenntnisse an. 1921 war sie als Werkstattschreiberin bei der Allgemeinen Transportarbeitergesellschaft (ATG) in Leipzig tätig. Wegen der Teilnahme an einem Streik zu Lohnforderungen wurde sie im März 1921 entlassen.
Im Juni 1921 ging sie - im Auftrag der KPD - nach Halle und wurde kurze Zeit darauf die Sekretärin von Georg Schumann. Sie gehörte der Frauenkommission des Bezirkes an und war gleichzeitig für den Bezirk Halle-Merseburg Vorsitzende des RFMB (Roten Frauen- und Mädchenbundes). 1926/1927 zog sie nach Berlin und arbeitete dort in verschiedenen kleinen Betrieben als Kontoristin. 1929 kehrte sie nach Leipzig zurück und lernte ihren späteren Mann Otto Hoppe kennen, den sie 1934 heiratete. Von 1930 bis 1946 war sie in Leipzig als Stenotypistin bzw. technische Mitarbeiterin beschäftigt, u. a. 1942 -1944 in der Spritzmaschinen-Baugesellschaft "Sprigma" Otto Heinrich in Engelsdorf dienstverpflichtet.
Ab 1941 hatte sie wieder Kontakt zu Georg Schumann und arbeitete für die Widerstandsgruppe um Kurt Kresse, Otto Engert und Georg Schumann; sie erledigte alle schriftlichen Arbeiten für die Gruppe. Am 21. Juli 1944 wurden die Mitglieder der Gruppe verhaftet. Der Prozess gegen Anna Hoppe fand vom 20. bis 24. November 1944 vor dem Volksgerichtshof in Dresden statt. Sie wurde wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Sie war zunächst im Zuchthaus in Cottbus inhaftiert, kam dann nach Waldheim, wurde von Waldheim nach Coswig in ein Arbeitslager gebracht, dann wieder nach Waldheim zurück. Am 8. Mai 1945 wurde sie von der Roten Armee aus dem Gefängnis befreit.
Im Juli 1945 wurde sie Mitglied der KPD und erhielt am 28. März 1946 ihre offizielle Mitgliedskarte. Sie war aktiv an der Vereinigung der SPD und KPD beteiligt. Ab 1946 arbeitete sie als Frauensekretärin im FDGB. Sie war später Vorsitzende der Industriegewerkschaft Textil, Bekleidung und Leder sowie des Gesundheitswesens. Die hauptamtliche Tätigkeit im FDGB musste sie aus gesundheitlichen Gründen 1951 beenden. Im Jahr 1946 kandidierte sie für die SED zur Leipziger Stadtverordnetenversammlung. Sie war insgesamt 28 Jahre lang Stadtverordnete in Leipzig, teilweise vom DFD nominiert. 1974 wurde sie mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Silber ausgezeichnet. Anna Hoppe gab als Vornamen nach 1945 Aenne an. Anna (Aenne) Hoppe starb am 11. November 1987 in Leipzig.
Bestandsgeschichte und -bearbeitung
Der aus 14 Verzeichnungseinheiten bestehende Bestand wurde vor 1989 im Bezirksparteiarchiv Leipzig der SED durch eine Findkartei mit überwiegend einfacher Verzeichnung erschlossen. Im Jahr 1993 wurde er mit den übrigen Beständen des Bezirksparteiarchivs vom PDS-Landesvorstand Sachsen dem Staatsarchiv Leipzig übergeben. Die Übertragung der Findkartei in die Archivsoftware AUGIAS-Archiv erfolgte im Jahr 2001. In Vorbereitung der Online-Stellung der Verzeichnungsangaben 2021 wurden die Verzeichnungs- und Bestandsangaben bei Bedarf überarbeitet oder ergänzt (u. a. Ergänzung und Korrektur von Datierungen), die Gliederung angepasst und die vorliegende Einleitung erstellt.
Verweise auf korrespondierende Bestände
20237 Bezirkstag / Rat des Bezirkes Leipzig, Nr. 27311
21699 SED, Sammlung Kaderunterlagen, Nr. 731
21692 SED, Sammlung Erinnerungen, Nr. V/5/105
21690 SED, Sammlung Biografien, Nr. 910
Antje Reißmann
Juni 2021
Persönliche Dokumente.- Auszeichnungen und Glückwunschschreiben.- Erinnerungen.- Prozess- und Haftunterlagen.- Biographische Unterlagen.- Ausarbeitungen.- Persönliche Korrespondenz.
21.11.1899 - 11.11.1987; Stenopypistin, Ausübung hauptamtlicher Funktionen in ADGB, KPD und RFMB, Teilnahme am antifaschistischen Widerstandskampf, Vorsitzende der IG Textil, Bekleidung, Leder und Gesundheitswesen des Bezirkes Leipzig, Stadtverordnete, Mitglied des Rates der Stadt Leipzig
- 2024 | Findbuch / Datenbank
- 2026-03-10 | Diese Ausgabe über AWAX 2.0.1.5