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Beständeübersicht

Bestand

21809 Sammlung Johanna Ludwig

Datierung1950 - 1991
Benutzung im Staatsarchiv Leipzig
Umfang (nur lfm)4,73
Zur Biografie von Johanna Marta Ludwig geborene Seiler

Johanna Ludwig wurde am 26.01.1937 geboren und wuchs im thüringischen Vogtland auf. Mit 14 kam sie nach Greiz ins Internat, um die Erweiterte Oberschule zu besuchen. Nach dem Abitur studierte sie von 1955 bis 1959 Journalistik in Kombination mit Literatur-, Theater- und Musikgeschichte sowie Soziologie an der Universität Leipzig. 1959 erfolgte die Eheschließung mit dem Diplomjournalisten Wolfgang Ludwig. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor.
Ihr beruflicher Weg begann in lokalen Medien, so als Redakteurin von Betriebszeitungen und der Kreiszeitung "Leipziger Rundschau" sowie als Redakteurin und Reporterin beim Sender Leipzig von Radio DDR. Ihre eigentliche Erfüllung aber fand Johanna Ludwig beim Leipziger "Verlag für die Frau", in dem sie mehr als 20 Jahre, zunächst als Lektorin für Literatur zur gesellschaftlichen Stellung von Frauen in Vergangenheit und Gegenwart, später als Lektoratsleiterin und Stellvertretende Cheflektorin tätig war. Sie begeisterte sich für die Geschichte der Frauen und der Frauenemanzipation - Namen wie Olympe de Gouges, Mary Wollstonecraft, Flora Tristan, Clara Zetkin, Alexandra Kollontai waren ihr vertraut.
Mit der Umstrukturierung und dem Niedergang der Leipziger Verlagslandschaft nach der deutschen Wiedervereinigung erfolgte 1991 die "betriebsbedingte" Kündigung von Johanna Ludwig. Sie fand zwar als 54-Jährige noch einmal kurzzeitig eine Anstellung auf ABM-Basis bei der Leipziger Gesellschaft für Jugend- und Sozialforschung e. V., angesichts der schwierigen Arbeitsmarktsituation blieb ihr allerdings nur der Übergang in den Vorruhestand. 1993 wurde Johanna Ludwig zur Initiatorin, Mitbegründerin und langjährigen Vorsitzenden der Louise-Otto-Peters-Gesellschaft e. V. Leipzig (bis 2009). In dieser Eigenschaft initiierte sie Inhalte und Formen des Zusammenwirkens, die bis heute das Leben der Louise-Otto-Peters-Gesellschaft bestimmen - so die jährlich stattfindenden Louise-Otto-Peters-Tage, wissenschaftliche Tagungen, literarisch-musikalische Programme, Ausstellungen, Buchvorstellungen, Vorträge, Blumen- und Kranzniederlegungen an Denkmalen, Grab- und Gedenksteinen. Auch die den Protagonistinnen der Frauenbewegung gewidmeten historischen Spaziergänge, das Eintreten für die Benennung von Straßen nach Louise Otto-Peters und ihren Mitstreiterinnen gehen auf ihre Initiative zurück. 1997 trug sie zur Gründung des Louise-Otto-Peters-Archivs bei, das sich zu einem Anlaufpunkt für Wissenschaftler/-innen aus dem In- und Ausland entwickelte. Mit mehr als 100 eigenen publizistischen Beiträgen zum Leben und Werk von Louise Otto-Peters sowie durch die Herausgabe wichtiger Schriften (allein 33 Titel der Reihe LOUISEum) wirkte sie in deren Sinne für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern, für soziale Gerechtigkeit sowie für das Recht der Frauen auf Bildung und Erwerb. Am 2. August 2013 starb Johanna Ludwig im Alter von 76 Jahren in Leipzig.

Bestandsgeschichte und -bearbeitung

Der Bestand gelangte am 15. Juni 1991 als Depositum in das Staatsarchiv Leipzig und wurde 2024 in eine Schenkung umgewandelt. Die Abgabe erfolgte durch Johanna Ludwig persönlich; sie sah es als ihre Mission an, die in der Transformationszeit zusammengetragenen Unterlagen vor der Vernichtung zu bewahren. Am 1. Mai 2015 wurden durch den Ehemann der Nachlasserin noch 3 Ordner Archivmaterial nachgeliefert. Der Bestand setzte sich aus durchnummerierten Bündeln mit Archivalieneinheiten zusammen. Der Großteil der Dokumente befand sich in Ordnern und Heftern, die meist beschriften waren. Während der Erschließungsarbeiten wurden die Archivalieneinheiten teilweise neu formiert und in Kartons eingelagert. Der Umfang des Bestandes liegt nach der Bearbeitung bei 4,55 lfm. Er umfasst einen Zeitraum von 1946 – 1990. Eine erste Groberschließung war bereits im Jahr 1991 auf der Grundlage des Ablieferungsverzeichnisses erfolgt. Die übernommenen Druckschriften wurden im Bestand unter der Rubrik Belegexemplare von Verlagspublikationen belassen. 2015 wurde das alte Findmittel retrokonvertiert, d. h. in die archivische Erschließungssoftware übertragen. Die Einleitung wurde unter Nutzung der Biografie der Nachlasserin in: http://www.leipzig.de/jugend-familie-und-soziales/frauen/1000-jahre-leipzig-100-frauenportraets/frauenbewegung/frauenbewegung-portraets/ erstellt. Die Verzeichnungsangaben wurden vollständig überarbeitet.

Überlieferungsschwerpunkte

In der Sammlung spiegelt sich vor allem die Tätigkeit als Lektorin für Literatur im Verlag für die Frau wider. In den 1980er Jahren lag der Schwerpunkt auf der Erarbeitung und Realisierung des Jahrbuches für die Frau sowie zahlreicher Publikationen zu historischen Themen der Frauenemanzipation und Gleichberechtigung. Als Lektoratsleiterin und stellvertretende Cheflektorin war Johanna Ludwig mit der Manuskriptabnahme, der Honorarabwicklung oder der Rezensionstätigkeit für den Verlag beschäftigt. Daher sind zahlreiche Manuskripte mit entsprechenden Korrekturvermerken, aber auch Druckvorlagen und Illustrationsentwürfe überliefert. Eine besondere Bedeutung erhält der Bestand durch die Darstellung der Abwicklung des Verlages für die Frau in der Umbruchzeit 1990, dokumentiert in persönlichen Briefen und in der Rückgabe von Rechten an die Autoren. Über die Tätigkeit von Johanna Ludwig in der Louise-Otto-Peters-Gesellschaft e. V. sind keine Dokumente enthalten, da dieses Material ins Archiv der Gesellschaft abgegeben worden ist.

Verweise auf korrespondierende Bestände

21112 Verlag für die Frau, Leipzig

M. Wermes

Juni 2016
Themenplanung des Verlags.- Materialien zum Jahrbuch der Frau 1975 bis 1991.- Gutachten zu Manuskripten.
Johanna Ludwig war von 1968 bis 1990 Lektorin / Lektoratsleiterin im VEB Verlag für die Frau Leipzig. Die in der Transformationszeit zusammengetragenen Unterlagen wurden dem Staatsarchiv Leipzig 1991 als Depositum übergeben, 2024 dann in eine Schenkung umgewandelt.
Johanna Ludwig wurde am 26. Januar 1937 geboren und verstarb am 2. August 2013 in Leipzig. Der Verlag für die Frau gründete sich 1946. Als dessen Vorläufer gilt der seit 1890 bestehende Verlag Otto Beyer.
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