Beständeübersicht
Haftanstalten
Im Jahre 1716 wurde in Waldheim die erste Landesanstalt Sachsens als Zucht-, Armen- und Waisenhaus in Betrieb genommen. Diese unterstand, ebenso wie die später gegründeten Landesanstalten, der 1714 eingerichteten Armenhauskommission in Dresden (der späteren "Commission für Straf- und Versorgungs-Anstalten"). Weitere Landesanstalten entstanden im 18. und 19. Jahrhundert u. a. in Colditz, Torgau und Zwickau. Festungshaft wurde u. a. auf dem Königstein und in Hubertusburg verbüßt.
Nach dem Inkrafttreten der Verfassung von 1831 in Sachsen wurde die Kommission dem Ministerium des Innern zugeordnet, bevor man sie 1845 auflöste und durch die Abteilung für Straf- und Versorgungsanstalten ersetzte. Die häufig noch integrierten Heil- und Pflegeeinrichtungen (ehemals "Armenhäuser") wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts vom Strafvollzug getrennt. Im Jahr 1921 bestanden Landesstraf- und Korrektionsanstalten in Bautzen, Hoheneck, Hohnstein, Sachsenburg, Voigtsberg, Waldheim und Zwickau. Für Zuchthausstrafen war bis 1936 allein Waldheim zuständig. Diese Einrichtungen gingen zum 1. April 1923 an das Ministerium der Justiz über. Weitere Gefängnisse bestanden bei den Polizeibehörden sowie in kommunaler Trägerschaft, die auch Aufgaben der Schutzhaft (Schutz vor Übergriffen) und der Sicherungsverwahrung übernahmen.
Mit der Strafvollzugsordnung für die sächsischen Justizgefängnisse vom 21. Juni 1924 wurde der Strafvollzug neu geregelt. Gefangenenanstalten gab es in Bautzen, Chemnitz, Dresden, Stollberg-Hoheneck, Leipzig, Plauen, Waldheim und Zwickau. Daneben gab es das Gerichtsgefängnis beim Landgericht Freiberg. Gefängnisse bei den Amtsgerichten existierten dann, wenn weder Landgericht noch Vollzugsanstalt vor Ort ansässig war. Die Aufsicht über die Gerichtsgefängnisse oblag einerseits dem örtlichen Gerichtsvorstand und andererseits den Gefangenenanstalten. Die Vollzugsanstalten wurden 1936 auf Verfügung des Reichsministers der Justiz in Straf- und/oder Untersuchungsgefängnisse umbenannt.
Keine Haftanstalten im ordentlichen Sinn waren die ab Februar 1933 eingerichteten Konzentrationslager. Sie unterstanden ab Sommer 1934 der SS und waren dem geregelten Strafvollzug gänzlich entzogen. Gleiches galt für Arbeitserziehungslager, Kriegsgefangenenlager und Zwangsarbeitslager. Einige Gefangenenanstalten und ehemalige Konzentrationslager wurden zwischen 1945 und 1950 ganz oder teilweise vom sowjetischen Innenministerium (NKWD) genutzt. Sächsische Behörden hatten in diesem Bereich keinerlei Einfluss.
Nach 1945 unterstanden die sächsischen Haftanstalten zunächst dem wiedergegründeten Justizministerium. Zunehmend angeleitet von der Deutschen Zentralverwaltung der Justiz (DJV) in Berlin, setzte man eine einheitliche Organisation des Strafvollzugs in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) um. Den Staatsanwälten wurden die Aufgaben des Strafvollzugs entzogen. Zwischen 1950 und 1952 ging der Strafvollzug vom Justizressort auf das Innenressort über. Die Vollzugsanstalten wurden nun einheitlich als Justizhaftanstalten (JHA) bezeichnet. Selbständige Anstalten gab es in Bautzen, Chemnitz (mit JHA Hohenstein-Ernstthal), Dresden, Görlitz, Leipzig, Radebeul (mit JHA Radeburg) und Zwickau. Bei den Amtsgerichten Annaberg, Aue, Auerbach, Döbeln, Freiberg, Freital, Glauchau, Grimma, Kamenz, Löbau, Meißen, Oederan, Oschatz, Pirna, Plauen, Riesa und Zittau wurden Justizhaftanstalten eingerichtet. Leiter der Haftanstalten waren die Vorstände der Amtsgerichte.
- 10833 Gefangenenanstalten BautzenDatierung: 1904 - 1945, 1950
- 30068 Gefangenenanstalt HoheneckDatierung: 1862 - 1969
- 33077 Gerichtsgefängnis AnnabergDatierung: 1936 - 1952
- 13412 Gerichtsgefängnis Bad SchandauDatierung: 1895 - 1950
- 33076 Gerichtsgefängnis CrimmitschauDatierung: 1925 - 1952
- 33108 Gerichtsgefängnis EhrenfriedersdorfDatierung: 1910 - 1938
- 10838 Gerichtsgefängnis FreitalDatierung: 1936 - 1945
- 10839 Gerichtsgefängnis MeißenDatierung: 1945 - 1947
- 10840 Gerichtsgefängnis RadeburgDatierung: 1924 - 1939
- 30070 Gerichtsgefängnis WerdauDatierung: 1928 - 1937
- 10834 Haftanstalt GörlitzDatierung: 1938 - 1950
- 10844 Haftanstalt HohensalzaDatierung: 1942 - 1943
- 10845 Haftanstalt MyslowitzDatierung: 1911 - 1943
- 10842 HaftkarteienDatierung: 1938 - 1950
- 33109 Jugendarrestanstalt OederanDatierung: 1943 - 1944
- 20033 Konzentrationslager ColditzDatierung: 1933 - 1934
- 13823 Korrektionsanstalt HohnsteinDatierung: 1863 - 1864
- 13538 Landgerichtsgefängnis FreibergDatierung: 20. Jh.
- 10846 Landgerichtsgefängnis OstrowoDatierung: 1939 - 1944
- 10848 Stammlager LitzmannstadtDatierung: 1944 - 1945
- 10849 Stammlager SchrodaDatierung: 1944
- 10850 Stammlager TeschenDatierung: 1941 - 1951
- 20034 Strafanstalt Leipzig-KleinmeusdorfDatierung: 1935 - 1952
- 10847 Strafanstalt SchieratzDatierung: 1940 - 1944
- 30069 Strafanstalt VoigtsbergDatierung: 1860 - 1946
- 33172 Straf- und Korrektionsanstalt SachsenburgDatierung: 1860 - 1937
- 30066 Untersuchungsgefängnis ChemnitzDatierung: 1936 - 1946
- 30067 Untersuchungsgefängnis PlauenDatierung: 1894 - 1952
- 10830 Untersuchungshaftanstalten DresdenDatierung: (1919) 1938 - 1952
- 20035 Untersuchungshaftanstalten LeipzigDatierung: 1879 - 1956
- 20036 Zuchthaus WaldheimDatierung: 1716 - 1971
- 30071 Zuchthaus ZwickauDatierung: 1774 - 1990