Hauptinhalt

Beständeübersicht

Bestand

40070 Bergbehörde Karl-Marx-Stadt

Datierung1949 - 1982
Benutzung im Bergarchiv Freiberg
Umfang (nur lfm)73,33
Der Bestand ist zum überwiegenden Teil bedingt erschlossen und nicht elektronisch recherchierbar. Eine archivische Bearbeitung steht hier aus.


Vorläufiges Vorwort zu den Rissen (ehemaliger Teilbestand 2)

Inhalt: Risswerk zur bergbaulichen Tätigkeit der SDAG Wismut (1908 - 1981)

Geschichte des Registraturbildners
Nachdem der DDR-Ministerrat im Jahr 1959 die Neubildung der Obersten Bergbehörde der DDR beschlossen hatte, wurde die Bergbehörde Karl-Marx-Stadt für die Überwachung sämtlicher Betriebe der uranfördernden Sowjetisch-deutschen Aktiengesellschaft Wismut (SDAG Wismut) - unabhängig von ihrer örtlichen Lage - zuständig. Nach der Wiedererstehung des Freistaates Sachsen wurde die Bergbehörde Karl-Marx-Stadt 1991 zum Bergamt Chemnitz umfirmiert und schließlich aufgelöst.

Bestandsgeschichte und -inhalt
Nach der Auflösung der vormaligen Bergbehörde Karl-Marx-Stadt gelangten deren Unterlagen in den 1990er Jahren an das Sächsische Staatsarchiv - Bergarchiv Freiberg und bilden dort den Bestand 40070 Bergbehörde Karl-Marx-Stadt, die Rissunterlagen den Teilbestand 40070-2.
Nach der Übernahme in archivischen Gewahrsam wurde im Bergarchiv von Herbert Kaden eine Findkartei erstellt, in der jede die Wismuttätigkeit betreffende Unterlage mittels einer Karteikarte nachgewiesen wurde. Im September / Oktober 2009 wurden diese Unterlagen im Bergarchiv im Rahmen eines Studentenpraktikums von Frau stud. mont. Ing. Claudia Peukert vertieft erschlossen (Verzeichnungseinheiten 40070-1 Nr. 1-552), im November / Dezember 2009 wurde die Erschließung durch Herrn Robert Köhler M.A. fortgesetzt und beendet (Verzeichnungseinheiten 40070-2 Nr. 553 - 751, 40070-1 Nr. 534-554).
Die Unterlagen waren 2009 in gutem bis sehr gutem Erhaltungszustand und durchgehend archivfähig. Im Zuge der Erschließung des Bestandes wurden die Unterlagen geordnet, gereinigt, signiert, in Einschlagpapier und Rissmappen verpackt sowie mittels des Erschließungsprogramms AUGIAS 7.4. verzeichnet. Kassationen wurden nur in geringem Umfang vorgenommen (Doppelstücke, Vorstufen von Zeichnungen und Blankoformulare, insgesamt 10 Stück Risse). Mit den Rissunterlagen überlieferte Winkelbücher u.ä. wurden in den Teilbestand 40070-1 eingegliedert.
Der überwiegende Teil der Rissunterlagen sind papierene Drucke (Einzeichnungsvorlagen), die auf Karton aufgeklebt worden sind. Außerdem überliefert sind Risse auf Zeichenleinen sowie auf Pauspapier, ein kleiner Teil der papierenen Risse ist auf Blechen oder Kunststoffträgern aufgezogen. Obgleich die Unterlagen der Wismut bzw. der Bergbehörde Karl-Marx-Stadt entstammen, sind einige der Risse erheblich älter (das älteste Stück datiert aus dem Jahr 1908). Offensichtlich haben die Registraturbildner Karten älterer Betriebe oder Behörden für ihre Zwecke verwandt. Für die Verzeichnung wurden die Kartentitel um Ortsangaben ergänzt und einheitlich redaktionell gegliedert, so daß zuerst der Ort / das Revier und im Anschluss die Objektnummer oder der Zweck der dargestellten Anlage genannt werden. Die Unterlagen wurden mit einer laufenden Nummer (und die Risse zusätzlich mit einer Clusterangabe zur Bezeichnung des Formats) neu signiert. Diese neue Signatur (z.B. I 100) gibt demnach Auskunft über die ungefähre Größe des Risses sowie den Lagerort innerhalb des Bergarchivs.
Die Unterlagen beziehen sich weit überwiegend auf Bergbauanlagen im heutigen Freistaat Thüringen. Ausnahmen bilden die Unterlagen zu den Urangebieten Hornburg und Rothenschirmbach im heutigen Land Sachsen-Anhalt. Dokumentiert werden die Lage, der Umfang und das Forschreiten des Uranbergbaus bzw. nachgenutzter Vorgängerbetriebe sowie die damit einhergehende Devastierung der Ortschaften Culmitzsch, Katzendorf, Schmirchau, Gessen und Lichtenberg (vollständig devastiert) sowie Trünzig, Friedmannsdorf, Sorge-Settendorf, Ronneburg, Zwirtschen, Gauern und Loitzsch (teilweise devastiert). Durch die Nachnutzung älterer Rissunterlagen bereits bestehender oder ehemaliger Grubenbetriebe wird außerdem der thüringische Bergbau der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit dokumentiert.
Die Klassifikation der Verzeichnungsangaben erfolgte nach den einzelnen Lagerstätten. Für den Raum Thüringen sind dies die Lagerstätten Dittrichshütte, Erzfeld Ronneburg, Schleusingen, Steinach und Culmitzsch (siehe Anhang). Jedoch konnte oftmals keine Klassifikation erfolgen, da die Lagerstättengrenze nicht erkennbar und eine eindeutige Zuordnung somit nicht möglich war. Auch konnte häufig keine Ortsbestimmung des dargestellten Raumes / der dargestellten Anlage erfolgen, da im Kartentitel lediglich die Schachtnummer verzeichnet ist und die jeweiligen Grubenbilder / Haldenpläne keinerlei sonstige Hinweise auf eine Ortsbestimmung liefern. Dieser Befund ist insofern von Interesse, als die Unterlagen sehr eindrücklich die typische Geheimhaltungsabsicht der sowjetischen bzw. DDR-Behörden dokumentieren. So waren die dargestellten Anlagen regelmäßig mit sowjetischen Tarnbezeichnung wie "Objekt 90" benannt, trugen aber keinerlei Angaben über die Lage des dargestellten Raumes / der dargstellten Anlage oder den Zweck / die Tätigkeit der Anlage. Während der Erschließung der Unterlagen waren daher insbesondere die Tarnbezeichnungen zu dechiffrieren und die dargestellten Räume / Anlagen zu lokalisieren. Dieses Nummernsystem der Tarnbezeichnungen war typisch für die Organisationsstruktur der SAG Wismut und bestand teilweise bis in die 1980er Jahre fort. Als "Objekt" wurden relativ selbständige Struktureinheiten bezeichnet, z.B. "Objekt 29", "Objekt 30", Objekt 90". Allerdings wurde dieses System nicht stringent angewandt. So sind in den überlieferten russischsprachigen Unterlagen andere Objektbezeichnungen als bei den deutschsprachigen Unterlagen verwendet worden und auch diese tragen keine einheitlichen Bezeichnungen. Beispielsweise wurde das Abbaugebiet Dittrichshütte sowohl als "Objekt 30", "Objekt 41" (in russischsprachigen Unterlagen) sowie auch als "Objekt 90" bezeichnet.
Auch inhaltliche Eintragungen mußten erst recherchiert werden und konnten vielfach nicht (zuverlässig) interpretiert werden. Hieraus ist das beigefügte Glossar der bei der SDAG Wismut verwendeten Termini hervorgegangen. Die Bedeutung einzelner Kürzel und dergleichen konnte allerdings nicht immer aufgelöst werden. Das Bergarchiv Freiberg nimmt gerne Hinweise zu Bezeichnungen, Ortslagen oder anderen Detailinformationen zum Bestand entgegen.
Insgesamt ist anhand der Wismut-Unterlagen des Bestandes 40070 sehr eindrücklich der Uranerzbergbau der SAG / SDAG Wismut insbesondere in Ostthüringen sowie im sächsischen Erzgebirge abzulesen. Die bereits seit der Zwischenkriegszeit bekannten Uranvorkommen im Erzgebirge waren nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in den Focus des sowjetischen Interesses geraten, da die UdSSR zur Herstellung von Atomwaffen Zugang zu entsprechenden Lagerstätten benötigte. Zuvor gab es in Sachsen keinen Uranbergbau; die Produktion war auf eine geringe Beigewinnung von Uran aus den westerzgebirgischen Kobalt-Wismut-Nickel-Gruben beschränkt. Versuche, eine Urangrube z. B. in Niederschlag zu eröffnen, waren in den 1920er und 1930er Jahren erfolglos geblieben.
Im September 1945 wurde durch das Ministerium des Innern der UdSSR die "Sächsische Erkundungsexpedition (Sächsische Erzsuchabteilung)" gegründet, welche Uranlagerstätten im Erzgebirge suchen sollte, dazu wurden u.a. Bergbauanlagen der vormaligen "Sachsenerz AG" übernommen. Im Mai 1947 erteilte die SMAD den Befehl Nr. 128, welcher die Überführung mehrerer sächsischer Bergbauanlagen in sowjetisches Eigentum und die Anrechnung auf das Reparationskonto der UdSSR enthielt. Zur Abwicklung dieses Verfahrens wurde die "Sowjetische Staatliche Aktiengesellschaft der Buntmetallindustrie Wismut" (SABM) mit Sitz in Moskau gegründet (die deutsche Zweigniederlassung hatte ihren Sitz im sächsischen Aue, 1952 wurde er nach Chemnitz-Siegmar verlegt), welche die UdSSR und die DDR im August 1953 - nachdem 1953 alle SAG vornehmlich in volkseigene Betriebe (VEB) überführt worden waren - liquidierten und als "Sowjetisch-deutsche Aktiengesellschaft Wismut" neu gründeten. Als Abkürzung für die Unternehmen wurde "SAG" (Sowjetische Aktiengesellschaft), später "SDAG" (Sowjetisch-deutsche Aktiengesellschaft) bzw. "Wismut" geläufig. Bereits seit Mitte 1949 weitete die Wismut ihre Aktivitäten auf die südlichen und östlichen Teile Thüringens aus, wo sie auf Uran stieß. Neben den eigentlichen Bergbau- und Aufbereitungsanlagen übernahm oder gründete die Wismut auch Maschinenbau-, Instandhaltungs- und Versorgungsbetriebe. Von 1946 bis 1990 entwickelte sich die Wismut zum weltweit drittgrößten Uranproduzenten, das an Standorten in Sachsen und Thüringen geförderte und aufbereitete Material war die Rohstoffbasis der sowjetischen Atomindustrie. Nach der Epochenwende der Jahre 1989/90 stellte die Sowjetunion Ende 1990 ihren Uranimport aus der DDR vollständig ein. Seitdem betreibt das bundeseigene Nachfolgeunternehmen "Wismut GmbH" Sanierungsbergbau an den ehemaligen Standorten des Uranbergbaus.


Freiberg im Oktober 2009
Clemens Heitmann / Claudia Peukert / Robert Köhler


Literatur:
Karlsch, Rainer, Uran für Moskau. Die Wismut - Eine populäre Geschichte, Berlin 2007
Karlsch, Rainer; Zeman, Zbynek, Urangeheimnisse. Das Erzgebirge im Brennpunkt der Weltpolitik 1933-1960, 3. durchgesehene Aufl., Berlin 2007
http://de.wikipedia.org/wiki/Wismut_(Unternehmen) [Zugriff am 08.10.2009]
Kirchner, Annerose, Spurlos verschwunden. Dörfer in Thüringen - Opfer des Uranabbaus, Berlin 2010


Glossar:

Aufhauen: Gegen das Einfallen oder söhlig in der Lagerstätte aufgefahrener Grubenbau, der die Abbaufront für den späteren Abbau freilegt und die Verbindung zwischen zwei Abbaustrecken herstellt.
BlS: Blindschacht
Bracke: Bracken sind an Kettenkratzförderern angeschraubte Seitenbleche zur Erhöhung des Füllquerschnitts.
Gesenk: Im Bergbau bezeichnet Gesenk einen von oben nach unten hergestellten, abgesenkten Blindschacht. Ein Gesenk kann entweder im Einfallen des Ganges oder seiger angelegt werden.
Karriere: Russische Bezeichnung für Tagebau
Objekt: Die Bezeichnung "Objekt" wurde für alle relativ selbstständigen Struktureinheiten verwandt. Sie unterstanden direkt der Generaldirektion. In der Umgangssprache waren verschiedene Begriffe wie Betrieb, Fabrik oder Werk gebräuchlich. Zu einem Objekt gehörten in der Regel mehrere Betriebe.
Sch: Schacht
Schurf: Vertikaler (seigerer) Schacht zur Aufsuchung von Lagerstätten nutzbarer Mineralien durch Wegräumen der Dammerde und der darunter lagernden Schichten.
SSSE: Sächsische Such- und Schürfexpedition
Stl: Stollen
Tagesriss: Ausgangszustand vor der ersten bergbaulichen Veränderung
Überhauen: Im Erzbergbau von unten nach oben hergestelltes Aufhauen.
W.T. Wasserturm
Zulegeriss: Riss, in dem der aktuelle Stand nachgetragen wird
Baugrundauskünfte und bergbauliche Stellungnahmen zu Bauvorhaben im Bezirk Gera.- Baugrundauskünfte der Bergbehörde Erfurt für den Bezirk Gera.- Bergbau.- Ordnung und Sicherheit.- Arbeitsgruppe Abprodukte beim Rat des Bezirks Dresden, Abteilung Umweltschutz und Wasserwirtschaft.- Bergschäden im Kreis Sebnitz.- Erfassung des Alten Bergbaus in den Bezirken Karl-Marx-Stadt und Dresden.- Stillegung von Tagebaubetrieben im Bezirk Dresden.- Brandschutz.- SDAG Wismut, u.a. Objekt 9 Aue, Königstein.- Devastierung.- Steinkohlenbergbau.- Bergbau auf Steine und Erden.- Zinnerz Ehrenfriedersdorf.- Verwahrung/Sanierung.- Halden und Restlöcher.- Statistik.- Pumpspeicherwerk Markersdorf.
1959 beschloss der Ministerrat der DDR die Neubildung der Obersten Bergbehörde der DDR, die aus der Technischen Bergbauinspektion als zentrales, dem Ministerrat unmittelbar unterstelltes Organ der staatlichen Verwaltung mit Sitz in Leipzig entstand. Damit war die Umwandlung der Technischen Bezirksbergbauinspektionen (Freiberg, Zwickau) sowie der Technischen Bergbauinspektion der SDAG Wismut in Bergbehörden mit regionalen Zuständigkeitsbereichen verbunden.
Der Leiter der Obersten Bergbehörde grenzte 1960 die Dienstbereiche der Bergbehörden nach territorialen Gesichtspunkten ab. Danach war die Bergbehörde Zwickau für den Bezirk Karl-Marx-Stadt ausschließlich der Kreise Hainichen, Freiberg und Brand-Erbisdorf, die von der Bergbehörde Freiberg verwaltet wurden, zuständig. Die Bergbehörde Karl-Marx-Stadt war von dieser territorialen Abgrenzung nicht betroffen, da sie für sämtliche Betriebe der SDAG Wismut unabhängig von deren örtlichen Lage zuständig war. Das Territorialprinzip wurde Mitte der sechziger Jahre durch das Produktionsprinzip weiter aufgeweicht.
Zum 1. Oktober 1967 erfolgte die Auflösung der Bergbehörden Freiberg und Zwickau, deren gesamte bisherigen Aufgaben der Bergbehörde Karl-Marx-Stadt zugewiesen wurden: die territoriale Zuständigkeit in den Bezirken Dresden und Karl-Marx-Stadt (bisher Bergbehörde Freiberg), die sicherheitstechnische Überwachung des Steinkohlenbergbaus (bisher Bergbehörde Zwickau) und des volkseigenen Erzbergbaus in den Bezirken Dresden und Karl-Marx-Stadt (bisher Bergbehörde Freiberg) und nach wie vor die Überwachung sämtlicher Betriebe der SDAG Wismut unabhängig von der örtlichen Lage.
1991 wurde die Bergbehörde Karl-Marx-Stadt in das Bergamt Chemnitz umgewandelt.
  • 2005 | Findbuch/Datenbank (Akten I)
  • 2007 | elektronisches Abgabeverzeichnis (Risse)
  • 2007 | Abgabeverzeichnis (Akten III)
  • 2007 | Abgabeverzeichnis (Akten II)
  • 2010 | Findbuch/Datenbank (Wismutrisse Thüringen)
  • 2022-07-01 | Diese Ausgabe über AWAX 2.0.1.3
  • ???? | Abgabekartei (bergbauliche Stellungnahmen und Untersuchungen der Wismut, nach Orten)
Sitemap-XML zurück zum Seitenanfang