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Beständeübersicht

Bestand

20675 VEB Leipziger Eisen- und Stahlwerke

Datierung1944 - 1979
Benutzung im Staatsarchiv Leipzig
Umfang (nur lfm)30,05

Geschichte des VEB Leipziger Eisen- und Stahlwerke

Vorgänger des VEB Leipziger Eisen- und Stahlwerke war die Firma Meier & Weichelt, Eisen- und Stahlwerke, die am 14.04.1874 vom Unternehmer Ernst Meier und seinem Mitinhaber Carl Weichelt in Lindenau als offene Handelsgesellschaft gegründet worden war. Die Firma wurde am 01.05.1920 in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt, die bis zum Übergang in Volkeigentum bestand. In den Anfangsjahren des Unternehmens nach 1874 wurde roher Grauguss nach Kundenmodellen gefertigt. Die Produktpalette konnte stetig erweitert werden. So wurden Werkzeuge und Geräte zur Elektro-Installationen, zur Metall- und Holzbearbeitung sowie für Fabriken und Werkstätten hergestellt. Außerdem wurden Gelenk- und Stahlbolzenketten für Transportanlagen sowie roher Stahlguss für die gesamte weiterverarbeitende Industrie produziert. Während des Ersten und Zweiten Weltkrieges wurden Gussteile für den Kriegsbedarf hergestellt. Die Handelsartikel wurden in Länder Europas, Südamerikas, Asiens und Afrikas exportiert.[01]

Durch den Volksentscheid vom 30.06.1946 wurde die Firma Meier & Weichelt (bestehend aus den Betriebsteilen Großzschocher und Lindenau) enteignet, unter Sequestration gestellt und 1948 zum volkeigenem Betrieb erklärt. Der VEB firmierte nach mehreren Abwandlungen im Laufe der Jahre als "VEB Leipziger Eisen- und Stahlwerke" (VEB LES). Zum Zeitpunkt des Übergangs in Volkseigentum gehörten 2.900 Beschäftigte dem Betrieb an. 1949 wurde der Produktionsbereich in Böhlitz-Ehrenberg, vormals Eisengießerei Geb. Hartwig, dem VEB LES angegliedert und als Lehrwerk eingerichtet. 1951 wurden die Werke in Mölkau, vormals Eisengießerei und Backofenbau Rudolf Herrmann, bestehend aus einer Graugießerei und einer Maschinenbauabteilung und das Werk in Radebeul, ehemals Julius Fahdt, dem VEB LES angegliedert. Zur gleichen Zeit wurde ein kleinerer Betrieb der Ullrich Kommandit-Gesellschaft Leipzig in Brandis pachtweise übernommen.
Einen bedeutenden Produktionszuwachs erreichte der Betrieb durch die Übernahme des VEB Elektrostahlgußwerk in Leipzig-Leutzsch. Die Belegschaft betrug im Jahr 1960 bereits 5.248 Arbeiter, einschließlich der Lehrlinge. Seit dem 01.01.1963 gehörte der VEB (K) Torgau zum VEB LES.[02]

Am 12.03.1953 wurde die Firma Meier & Weichelt im Handelsregister (HRA 9509) gelöscht und der VEB Leipziger Eisen- und Stahlwerke im Register der Volkseigenen Wirtschaft (HRC 157) eingetragen. Am 01.01.1966 erfolgte die Sitzverlegung des VEB Gießereianlagen "Ferdinand Kunert" von Schmiedeberg, Bezirk Dresden nach Leipzig bei gleichzeitiger Umbenennung in VEB Gießereianlagen. Außerdem wurden mit Wirkung vom 31.12.1965 der VEB Leipziger Eisen- und Stahlwerke, der VEB Zentrale Projektierung Gießereien Leipzig und der VEB Bernsdorfer Eisenwerk als juristisch selbständige Betriebe aufgelöst. Rechtsnachfolger war der VEB Gießereianlagen (HRC 448). Der Betrieb war der Größte innerhalb der Gießerei-Industrie der DDR.[03] Übersicht über Abteilungen des VEB LES:

Abteilung Stahl
- Herstellung von Stahlguss
- die Werften der DDR waren einer der bedeutendsten Abnehmer für Stahlguss, z. B. zur Herstellung von Schiffschrauben aus Normal-Stahlguss sowie aus legiertem Stahl
Abteilung Temperguss
- Herstellung von schwarzem Temperguss
Abteilung Maschinenbau
- Herstellung von Schraubstöcken, Gießereimaschinen und -anlagen, Werkzeugschleifmaschinen, Gelenkketten aus Temperguss u. a.
Abteilung Lindenau (Werk II Lindenau)
- Herstellung von Grauguss
- Hausgießerei der Leipziger Großbetriebe, besonders der polygraphische Maschinenbau, der Schwermaschinenbau und die Elektroindustrie gehörten zu den ständigen Abnehmern
Abteilung B. E. (Böhlitz-Ehrenberg Werk III)
- Lehrwerk des VEB LES
Abteilung Mö (Mölkau Werk IV)
- Graugießerei und Maschinenbauabteilung [04]



Mit der Produktion des VEB LES wurden folgende Industriezweige versorgt: Bergbau, Förderanlagen-Produktion, Automobilbau, Elektromaschinenbau und die Armaturen- und Schwerindustrie.

Bestandsgeschichte und -bearbeitung

Der Bestand 20675 VEB Leipziger Eisen- und Stahlwerke gelangte vor 1988 ins Staatsarchiv Leipzig und wurde anschließend erschlossen. Als Findmittel lag eine Findkartei vor.
Das vorliegende Findbuch ist das Ergebnis einer im Jahr 2009 durchgeführten Retrokonversion der bereits zu diesem Bestand vorhandenen Findkartei. Ziel war die Verbesserung der Recherchemöglichkeiten durch die Eingabe in die Erschließungsdatenbank Augias-Archiv. Dabei wurden die maschinenschriftlich vorliegenden Angaben ohne inhaltliche Veränderung in die digitale Form überführt. Im Dezember 2015 wurde durch U. die vorliegende Findbucheinleitung erstellt.

Überlieferungsschwerpunkte

Die Überlieferung des Bestandes umfasst Unterlagen zu Löhnen und Gehälter der Mitarbeiter, zur internationalen Zusammenarbeit des Betriebes, zu Produktion und Absatz sowie zur Gewerkschaftsarbeit. Des Weiteren sind im Bestand Unterlagen zur Enteignung des Betriebes, zur Betriebsgeschichte und zur Entnazifizierung enthalten. Auch sind Lohnunterlagen von Fremdarbeitern und Zwangsarbeitern nachweisbar.

Hinweise für die Benutzung

Der Bestand enthält einige Unterlagen, die nach § 10 Abs. 1 Satz 3 des Sächsischen Archivgesetzes erst zehn Jahre nach dem Tod bzw. hundert Jahre nach der Geburt der betroffenen Person benutzt werden dürfen. Die Vorlage dieser Archivalien ist nur nach gesonderter Prüfung im Wege des Antragsverfahrens zur Schutzfristenverkürzung möglich. Aus technischen Gründen können Verzeichnungseinheiten, die mit einer personenbezogenen Schutzfrist gekennzeichnet sind, derzeit in der online-Fassung des Findbuchs nicht angezeigt werden. Wir empfehlen eine Nachfrage beim verwahrenden Archiv.

Verweise auf korrespondierende Bestände
20670 Meier & Weichelt, Eisen- und Stahlwerke, Leipzig
20672 VVB Gießereien Leipzig
20810 VEB Kombinat GISAG (Gießereianlagen und Gußerzeugnisse)

Leipzig
F. Scholz

Dezember 2015



[01] Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig [im Folgenden: StA-L], 20675 VEB Leipziger Eisen- und Stahlwerke, Nr. 270
[02] StA-L, 20675 VEB Leipziger Eisen- und Stahlwerke, Nr. 271
[03] StA-L, 20256 Bezirksvertragsgericht, Nr. 2888
[04] StA-L, 20675 VEB Leipziger Eisen- und Stahlwerke, Nr. 829
40 Jahre Novemberrevolution und Gründung der KPD 1918 - 1958. Zusammengefaßte Materialien zur Chronik über die Entwicklung des Betriebes und die revolutionären Traditionen des VEB Leipziger Eisen- und Stahlwerke, hrsg. von der Leitung der SED-BPO, Bildungsstätte. Leipzig 1958. In: SEDSamBG, Nr. 4. 150 Jahre Leipziger Gießereigeschichte, Leipzig 1999, A 24/2000.
Reparationen.- Wiederingangsetzung der Produktion.- Enteignung.- Eingliederung von Betrieben.- Jahresabschlüsse.- Geschäftsberichte.- Betriebsrat.- Betriebsgeschichte.- Lohnunterlagen von Fremdarbeitern und Zwangsarbeitern.
Vorgänger des VEB Leipziger Eisen- und Stahlwerke war die Firma Meier & Weichelt, Eisen- und Stahlwerke, die 1874 von Ernst Meier und Carl Weichelt in Lindenau gegründet worden war. Die Firma wurde am 01.05.1920 in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Durch den Volksentscheid vom 30.06.1946 wurde die Firma Meier & Weichelt (bestehend aus den Betriebsteilen Großzschocher und Lindenau) enteignet, unter Sequestration gestellt und 1948 zum volkeigenem Betrieb erklärt. Der VEB firmierte nach einigen Umbenennungen als "VEB Leipziger Eisen- und Stahlwerke" (VEB LES). 1949 wurde der Produktionsbereich in Böhlitz-Ehrenberg, vormals Eisengießerei Geb. Hartwig, dem VEB LES angegliedert und als Lehrwerk eingerichtet. 1951 wurden die Werke in Mölkau, vormals Eisengießerei und Backofenbau Rudolf Herrmann, bestehend aus einer Graugießerei und einer Maschinenbauabteilung, und das Werk in Radebeul, ehemals Julius Fahdt, dem VEB LES angegliedert. Einen bedeutenden Produktionszuwachs erreichte der Betrieb durch die Übernahme des VEB Elektrostahlgußwerk in Leipzig-Leutzsch. Die Belegschaft betrug im Jahr 1960 bereits über 5000 Arbeiter. Seit dem 01.01.1963 gehörte der VEB (K) Torgau zum VEB LES. Mit Wirkung vom 31.12.1965 wurde der VEB LES als als juristisch selbständiger Betrieb aufgelöst. Rechtsnachfolger war der VEB Gießereianlagen, Leipzig.
  • 2015 | Findbuch / Datenbank
  • 2021-09-15 | Diese Ausgabe über AWAX 2.0.1.1
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