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Beständeübersicht

Bestand

21065 Koehler & Volckmar, Leipzig

Datierung1877 - 1953
Benutzung im Staatsarchiv Leipzig
Umfang (nur lfm)9,70
Vorbemerkung

Das vorliegende Findbuch ist das Ergebnis einer Konversion der bereits zu diesem Bestand vorhandenen handschriftlichen Findkartei aus dem Jahr 1968. Ziel der Konversion war die Verbesserung der Recherchemöglichkeiten durch die Eingabe in die Erschließungsdatenbank Augias-Archiv. Dabei wurden die handschriftlich vorliegenden Angaben ohne inhaltliche Veränderung in die digitale Form überführt. Die in der Findkartei von 1968 verwendete Terminologie, welche auch die gesellschaftlichen Verhältnisse zum Zeitpunkt der Bearbeitung widerspiegelt, blieb folglich unberührt. Die Findbucheinleitung wurde neu verfasst, eine Überarbeitung der Verzeichnungsangaben kann aus Kapazitätsgründen nicht erfolgen.

Zur Geschichte der Firma Koehler & Volckmar

Im Jahre 1789 wurde die Firma Koehler durch Karl Franz Koehler in Leipzig gegründet. Verlag, Sortiment und Kommissionsgeschäft gehörten zum Unternehmen. Als im Jahre 1830 der älteste Sohn Franz Koehler (1805–1872) die Firma übernahm, liefen die Geschäfte noch in einem recht bescheidenen Rahmen ab. Franz Koehler erweiterte zunächst die Kommissionsabteilung und erreichte eine bedeutende Stellung als Geschäftsführer des Börsenvereins der Buchhändler. Im Jahre 1846 trennte sich Koehler vom Verlag und gliederte dafür im Folgejahr seinem Unternehmen eine wissenschaftliche Antiquariatsabteilung an. Franz Koehlers Sohn, Karl Franz Koehler (1843–1897), verlagerte den Schwerpunkt der Firma auf den Zwischenbuchhandel. Unter seiner Leitung fanden zahlreiche Innovationen statt, die die Position der Firma entscheidend verbesserten. Er schuf einen Großbetrieb mit internationalem Charakter, der als mustergültig in Bezug auf seine moderne Art der Betriebsführung galt. Die Teilhaber Rudolf Winkler und Otto Engert führten nach dem Tod von Koehler den Betrieb für seine Witwe und die Kinder fort.

Die Firma Volckmar, die ebenfalls Kommissionsgeschäft und eine Sortimentsbuchhandlung umfasste, wurde 1829 durch Friedrich Volckmar, einem Cousin von Friedrich Arnold Brockhaus, gegründet. Er erarbeitete einen Kodex für den Ablauf des Kommissionsbuchhandels, dem sich auch andere Händler bereitwillig unterwarfen. Volckmar geriet in zahlreiche Konflikte mit den sächsischen Zensurbehörden und stieg auch durch seine Unbeugsamkeit in die Elite des deutschen Buchhandels auf. Er war wie Koehler an den wichtigsten Entscheidungen des Börsenvereins unmittelbar beteiligt. Friedrich Volckmars Neffe Carl Voerster (1826-1899) übernahm 1847 die Geschäfte und widmete sich vor allem den Grundlagen des Barsortiments.

Sowohl die Firma Koehler als auch die Firma Volckmar kauften in den 1890er Jahren unentwegt andere Unternehmen und damit auch deren Kommittenten auf. Die Vergrößerung von Lager- und Geschäftsräumen konnte mit dem Aufschwung der Firmen kaum Schritt halten. Die Zahl der Angestellten steigerte sich beispielsweise bei Volckmar von 74 im Jahre 1879 auf 800 im Jahre 1910. Zu dieser Zeit gab es schon Überlegungen von Hans Volckmar, mit der Firma Koehler zu fusionieren. Die intensive Aufkaufpolitik und die verheerenden wirtschaftlichen Folgen des Ersten Weltkriegs brachten beide Firmen an den Verhandlungstisch. Im Jahre 1918 fusionierten die Firmen Koehler und Volckmar zu einer AG, die sich in den Folgejahren zum größten Leipziger Kommissionsgeschäft entwickelte. Beide Firmen blieben separat bestehen und eine Dachgesellschaft (Kommanditistin) wurde gegründet. In die Verwaltung der Dachgesellschaft gehörten allerdings nur die Grundstücke und Hypotheken. Die eigentlichen Bilanzen des Geschäftsbetriebes verbuchten die Kommanditisten Albert Koch & Co. für die Volckmar–Firmen und Neff & Koehler für die Koehler–Firmen. In der Folgezeit kam es wieder zu zahlreichen Aufkäufen und Verschmelzungen von Firmen aus den beiden Firmengruppen, wie z. B. 1924 und 1925 die Fusion der Verlage von Koehler (K. F. Koehler) und Volckmar (L. Staackmann und C. F. Amelang). Die innere Umstrukturierung und Zusammenlegung der Kommissionsgeschäfte der beiden Firmen hatte vor allem die Einsparung von Betriebs- und Personalkosten zur Folge. Verschiedene Führungspersönlichkeiten aus beiden Firmengruppenlagern nahmen Einfluss auf den Konzern. In der 1931 gegründeten Zentrale hatten Hans Volckmar und als dessen Stellvertreter Theodor Volckmar-Frentzel das letzte Wort, auch gegenüber dem Vorstand der Aktiengesellschaft. Wichtige Verbündete der Volckmars waren die Unternehmerfamilien Voerster und Staackmann. Die Koehlers waren dagegen in der Leitungsebene unterrepräsentiert. Lediglich der Ehemann einer Koehler-Witwe, Hermann von Hase, konnte sich hier etablieren. Der Koehler-Konzern war in Geldnot geraten, da er sich bei der Fusion finanziell zu weit aus dem Fenster gelehnt hatte und nun die eigenen Anteile an den Volckmar-Konzern verkaufen musste. Das Verhältnis innerhalb des Gesamtkonzerns verschob sich derart, dass die Volckmar-Gruppe 75%, die Koehler-Gruppe aber nur noch 25% besaß. Die letztere verlor damit ihr Paritätsrecht und konnte bei allen Entscheidungen überstimmt werden.

Nach 1933 wurde die Koehler & Volckmar AG Zwangsmitglied in der Reichsschrifttumskammer (RSK). Das NSDAP-Mitglied Hermann von Hase berichtete frühere Vorkommnisse aus der Firmenleitung an die RSK und beabsichtigte damit, die Konzernleitung in ein politisches Zwielicht zu setzen und die Angehörigen der Volckmar-Gruppe auf diese Weise aus der Firma zu drängen. Im Jahre 1937 schloss man daraufhin Theodor Volckmar-Frentzel aus der RSK aus und Hans Volckmar zog sich aus dem Konzern zurück. Ein personeller Wechsel an der Spitze der RSK brachte die entscheidende Wende. Theodor Volckmar-Frentzel wurde vollständig rehabilitiert und wieder in die Kammer aufgenommen. Hermann von Hase schied dagegen aus dem Konzern aus.

Im Jahre 1945 kam die Firma unter Aufsicht und Kontrolle der sowjetischen Besatzungsmacht. Auf Grundlage des Volksentscheides von 1946 wurde die Firma enteignet und in Volkseigentum umgewandelt. In der DDR entstand daraus die Deutsche Buch-Export und –Import GmbH, die Offizin-Andersen-Nexö, der Koehler und Amelang Verlag sowie Fröbelhaus. Theodor Volckmar-Frentzel und Karl Voerster bauen alte Zweigbetriebe in Stuttgart und Köln aus. Die Koehler & Volckmar AG in Leipzig endet allerdings 1949 mit der Löschung aus dem Handelsregister.

Bestandsgeschichte und –bearbeitung

Der erste Teil des Bestandes (Nr. 1 bis Nr. 238) kam vor 1968 ins Staatsarchiv Leipzig und wurde 1968 durch Sylvia-Verena Brockmann im Rahmen einer Abschlussarbeit an der Fachschule für Archivwesen Potsdam mittels einer Findkartei erschlossen. Ein zweiter Teil (bis Nr. 322) bildete früher einen Bestand "Außenhandelsbetrieb Buchexport" und wurde nachträglich dem Bestand 21075 zugeordnet, in dem die Findkartei entsprechend ergänzt wurde. 2008 wurde die Findkartei durch Theresa Schmotz in die Erschließungssoftware des Staatsarchivs übertragen und die vorliegende Findbucheinleitung ergänzt.

Überlieferungsschwerpunkte

Der Hauptgegenstand der Überlieferung betrifft die Leitung und Organisation des Konzerns. Hieraus lassen sich wichtige Erkenntnisse über das Funktionieren des Firmengebildes und dessen innere Organisation gewinnen. Auch die Fusion einzelner Firmen des Gesamtkonzerns oder deren Umgründungen werden dokumentiert. Zu den firmeninternen "Kämpfen", hier sei vor allem der des bereits erwähnten Hermann v. Hases erwähnt, gibt es ebenfalls eine recht gute Überlieferung. Einen weiteren Schwerpunkt im Bestand Koehler & Volckmar bilden die Immobilien. Zahlreiche Baupläne, Hypotheken sowie Verkaufsunterlagen von vielen bedeutenden Leipziger Häusern sind überliefert und harren noch der Auswertung. Gänzlich unterrepräsentiert sind dagegen die Produkte des Verlages. Es finden sich keinerlei Manuskripte oder Verträge mit Autoren etc. im Bestand. Der zeitliche Schwerpunkt der Überlieferung liegt in den 1920er bis 1940er Jahren.

Hinweise für die Benutzung

Der Bestand wurde bereits intensiv für die wissenschaftliche Forschung genutzt, wie die Liste der Veröffentlichungen zeigt. Vor allem die Affäre v. Hase wird bei Keiderling ausführlich dargestellt und mit zahlreichen Quellen belegt. Interessant wäre es, das "Tagesgeschäft" des Konzerns, seine Tätigkeit auf dem Immobiliensektor sowie sein Ende in den 1950er Jahren herauszuarbeiten. Die recht geschlossene Überlieferung dieses bedeutenden Firmengebildes würde dies ermöglichen.

Literatur

Kästner, Albrecht: Probleme des Buchhandels am Beispiel Koehler & Volkmar-Konzern in Leipzig (Diplomarbeit). Leipzig 1965.

Keiderling, Thomas: Unternehmer im Nationalsozialismus. Machtkampf um den Konzern Koehler & Volckmar AG & Co. Beucha 2003.

Thekla Kluttig

Juli 2011
Kästner, Albrecht: Diplomarbeit "Probleme des Buchhandels am Beispiel Koehler & Volkmar-Konzern in Leipzig. (L) Th. Keiderling: Unternehmer im Nationalsozialismus. Machtkampf um den Konzern Koehler & Volckmar AG & Co., Beucha 2003. A 2003/195
Gesellschaftsverträge.- Fusionen und Umgründungen.- Verlagsverträge.- Bilanzen.- Personal.- Lohn.- Grundstücksangelegenheiten.- Familiengeschichtliche Unterlagen.
Die Firma Koehler wurde 1789 durch Karl Franz Koehler in Leipzig gegründet. Zum Unternehmen gehörten Verlag, Sortiment und Kommissionsgeschäft. Die Firma Volckmar, die ein Kommissionsgeschäft und eine Sortimentsbuchhandlung umfasste, gründete 1829 Friedrich Volckmar. Beide Firmen vergrößerten sich in der Folgezeit durch Kauf und Übernahme weiterer buchhändlerischer Betriebe. 1918 erfolgte der Zusammenschluss beider Firmen zur Koehler & Volckmar AG, die sich in den Folgejahren zum größten Leipziger Kommissionsgeschäft entwickelte. Daneben bestanden im Unternehmen auch noch Verlag, Antiquariat und Exportbuchhandel. Es kam zu weiteren Firmenübernahmen bzw. Fusionen. So entstand u. a. 1925 der Verlag Koehler & Amelang. Eingegliedert wurde auch die Offizin-Haag-Drugulin. Die Firma Koehler & Volckmar wurde auf der Grundlage des Volksentscheides von 1946 enteignet und 1949 im Handelsregister gelöscht.
  • 2011 | Findbuch / Datenbank
  • 2020-12-17 | Diese Ausgabe über AWAX 2.0.1.1
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