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Beständeübersicht

Bestand

21099 Hug & Co., Leipzig

Datierung1927 - 1960
Benutzung im Staatsarchiv Leipzig
Umfang (nur lfm)0,50
Einleitung

Zur Geschichte der Firma Hug & Co., Musikalien, Leipzig

Die Firma Hug & Co. wurde 1807 in der Schweiz gegründet und ist seitdem in Zürich ansässig. 1885 gründete Hug eine Filiale in Leipzig, dank der der Verlag bis zur Zerstörung der Filiale im Jahr 1943 erheblich expandierte. Mit der Leipziger Filiale wurde der Hug Verlag ab 1885 "zum wichtigsten Chorverlag Deutschlands". [01] Im Leipziger Handelsregister wurde die Zweigniederlassung unter HRA 2772 geführt. [02]
Persönlich haftende Gesellschafter der Zweigniederlassung waren Adolf Hug sen. und Adolf Hug jun., beide Musikalienhändler aus Zürich. Nach dem Tod von Adolf Hug sen. im Mai 1943 wurde die offene Handelsgesellschaft im Juli 1944 in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Kommanditgesellschafter waren Adolf Hug jun., Eva Welti-Hug und Hans Wollenberger. Als Leiter des Leipziger Zweiggeschäftes wurde bereits 1940 der Berliner Verleger Ernst Paesike (Edition Majestic, Berlin) eingesetzt, der vertragsbrüchig wurde und dessen Prokura im Dezember 1950 erlosch.
In einem Zusatz zum Gesellschaftsvertrag zwischen Adolf Hug jun., Eva Welti-Hug und Hans Wollenberger vom Juli 1944 wurde Ernst Hunger als persönlich haftender Gesellschafter ohne Kapitaleinlagen eingesetzt. Zu diesem Zeitpunkt war die Niederlassung in Leipzig bereits durch Kriegseinwirkung zerstört.
Trotzdem bestand die Firma in Leipzig auch nach 1945 weiter, auch wenn sie keine Produktionslizenz zum Druck von Musikalien und Musikbüchern mehr erhielt. Laut Bestallungsurkunde des Ministeriums für Wirtschaft und Arbeit des Landes Sachsen vom 22. Juni 1951 wurde der Klavier- und Harmoniumstimmer Richard Theodor Klepel als Verwalter bestellt. Ab März 1957 folgte ihm Rudolf Bauersfeld, Verlagsleiter des Hirzel Verlages in Verwaltung, [03] der auch im Herbst 1960 die Liquidation der Zweigstelle zu Ende führte.

Bestandsgeschichte und -bearbeitung

Der Bestand wurde im Februar 1964 in einem Umfang von 3,5 lfm an das (damals als Landesarchiv firmierende) Staatsarchiv Leipzig abgegeben. Nach der Bewertung und einer ersten Verzeichnung im Jahr 1964 umfasste der Bestand nur noch 0,5 lfm. Das seit 1964 vorliegende maschinenschriftliche Findbuch wurde im Jahr 2011 durch den Praktikanten Marcel Eichler retrokonvertiert; im Anschluss erfolgte eine vertiefte Verzeichnung und eine Überarbeitung der Findbucheinleitung durch Thekla Kluttig.

Überlieferungsschwerpunkte

Es handelt sich um eine Splitterüberlieferung, die nur noch Bruchstücke der einst vorhandenen Firmenunterlagen enthält. Es gibt kaum Schriftgut zu den Gebieten Rechte und Lizenzen, Personal, Lektorat / Redaktion und Herstellung; Musikalien sind ebenfalls nicht überliefert.
Von wenigen älteren Dokumenten abgesehen, setzt die Überlieferung 1943 ein, ein Schwerpunkt liegt auf den Jahren 1950 bis 1952. Aus diesen Jahren sind umfangreich Schriftwechsel mit inländischen und ausländischen Geschäftspartnern - v. a. Musikalienhandlungen und -verlagen sowie Kommissionären - vorhanden, die die auch unter Verwaltung immer noch rege Geschäftstätigkeit und die schwierigen Rahmenbedingungen in der DDR anschaulich dokumentieren. Die finanzielle Situation der Firma lässt sich durch Bilanzen und Steuerunterlagen für den Zeitraum 1944 bis 1960 gut nachvollziehen.

Thekla Kluttig

August 2011



[01] Zur Geschichte des Schweizer Haupthauses wurde anlässlich des zweihundertjährigen Jubiläums im Jahr 2007 eine informative Verlagsgeschichte veröffentlicht: "Hug Musikverlage 1807-2007", siehe http://www.hug-musikverlage.ch/news/images/Hug_Verlag.pdf (letzter Aufruf: 03.08.2011). Sie schildert ausführlich auch die Veränderungen im Verlagsprofil.
[02] Sächsisches Staatsarchiv - Staatsarchiv Leipzig (StA-L), 20124 Amtsgericht Leipzig, HRA 2772 (1938 umgeschrieben von HR 12954).
[03] StA-L, 21099 Hug & Co., Musikalien, Leipzig, Nr. 13.
Gebauer, Gertraude: Verlagsschriftgut im Sächsischen Staatsarchiv Leipzig: Eine Bestandsanalyse. In: Leipziger Jahrbuch zur Buchgeschichte 4(1994) S. 311-320.
Gebauer, Gertraude: Stiefkind Verlagsarchive. In: Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel (Leipzig) Nr. 29, 1980, S. 600.
Gebauer, Gertraude: Verlagsschriftgut im Sächsischen Staatsarchiv Leipzig (Diskussionsbeitrag). In: Archiv-Geschichte-Region. Symposium zum 40jährigen Bestehen des Sächsischen Staatsarchivs Leipzig (1954-1994). Leipzig 1994.
Geschäftsführung.- Stammhaus in Zürich.- Bilanzen.- Absatz.- Liquidation.- Plattenverzeichnisse.
Die Firma Hug & Co. wurde als Musikaliensortimentshandlung laut Handelsregister 1893 in Leipzig als OHG gegründet. Sie war eine Zweigniederlassung der in Zürich unter dem gleichen Namen bestehenden Firma. 1944 wurde die Firma in eine KG umgewandelt. Das Unternehmen war verlegerisch tätig, führte einen Großhandel und übernahm die Auslieferungsvertretung großer in- und ausländischer Musikverlage. Nach dem Zweiten Weltkrieg erschienen die musikalischen Unterrichtswerke der Firma Hug & Co. unter der Lizenz des Mitteldeutschen Verlags in Halle. Seit 1951 wurde die Firma "in Verwaltung" geführt. Die Liquidation war 1960 beendet.
  • 2011 | Findbuch / Datenbank
  • 2022-06-30 | Diese Ausgabe über AWAX 2.0.1.3
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