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Beständeübersicht

Bestand

21102 S. Hirzel Verlag, Leipzig

Datierung1947 - 1991
Benutzung im Staatsarchiv Leipzig
Umfang (nur lfm)1,48
Geschichte des S. Hirzel Verlag, Leipzig

Salomon Hirzel (1804 - 1877) war gebürtiger Schweizer. Seine Buchhändlerlehre absolvierte er bei Georg Reimer, der seit 1822 die 1682 gegründete Weidmannsche Buchhandlung führte. 1830 wurde S. Hirzel Teilhaber der Verlagsbuchhandlung. Zwei Jahre später heiratete er Anna Reimer, deren Vater Georg im gleichen Jahr seinem Sohn und seinem Schwiegersohn die Weidmannsche Buchhandlung überließ. 1853 trennten sich die Besitzer. Carl Reimer behielt die Firma und den größten Teil des Verlages und siedelte nach Berlin über, während der andere Teil im Besitz von S. Hirzel verblieb. Der Salomon Hirzel Verlag war damit gegründet und gewann in den Folgejahren schnell an Bedeutung. Gleich zu Beginn seiner Tätigkeit hatte S. Hirzel Beziehungen zu den Brüdern Grimm, die ihm die Herausgabe des "Deutschen Wörterbuches" übertrugen. Bekannt wurde Hirzel auch als Freund und Verleger Gustav Freytags. Neben der historisch-philologischen Ausrichtung profilierte sich der Verlag später insbesondere auf medizinischem und naturwissenschaftlich-technischem Gebiet. 1938 musste Heinrich Hirzel aufgrund der antijüdischen Rassegesetze im Nationalsozialismus als Gesellschafter des Verlags ausscheiden; er emigrierte in die Schweiz. Anfang Dezember 1943 wurde der S. Hirzel Verlag wie viele andere Leipziger Buchhandelsunternehmen mit allen Lagern ausgebombt.
Nach 1945 wurde das Unternehmen als schweizerische Firma nicht verstaatlicht. Seit 1952 wurde der Salomon Hirzel Verlag Leipzig "in Verwaltung" geführt. In Zürich und Stuttgart entwickelten sich neue Zweige des Verlages, die dann 1962 in Stuttgart vereint wurden. Der S. Hirzel Verlag Leipzig wurde 1968 auf der Grundlage eines Ratsbeschlusses der Stadt Leipzig mit den Verlagen B. G. Teubner Verlagsgesellschaft und der Akademischen Verlags-gesellschaft Geest & Portig zusammengeführt. Die Zusammenlegung dieser Verlage zu einer Betriebseinheit berührte weder die Verlagsnamen, die Verlagsrechte noch die juristische Selbständigkeit. 1989 waren im Leipziger Verlag 12 Mitarbeiter beschäftigt. Jährlich wurden 20 bis 25 Titel in den wissenschaftlichen Bereichen Medizin, Veterinärmedizin, Landwirtschaftswissenschaften, Naturwissenschaften und Germanistik herausgegeben. Standardwerk des Hirzel Verlages blieb das 33-bändige Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm.
Der Stuttgarter Parallelverlag wurde 1969 von der Mediengruppe des Deutschen Apotheker Verlags erworben. Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 übernahm der Stuttgarter Hirzel-Verlag den Leipziger Verlag; das Leipziger Büro wurde 1992 de facto geschlossen.[01]

Bestandsgeschichte und -bearbeitung

Die im Bestand überlieferten Akten resultieren aus einer Notübernahme beim Verlag B. G. Teubner im August 1999 im Gebäude Sternwartenstr. 8 in Leipzig. Hier waren einige Abtei-lungen des Verlages untergebracht. Nach einem Stellenabbau wurden die Räumlichkeiten vom Teubner-Verlag nicht mehr genutzt und das Schriftgut war herrenlos und für jedermann zugänglich zurückgelassen worden. Interessierte Bürger informierten damals das Sächsische Staatsarchiv Leipzig und es kam zu einer Übernahme der Unterlagen.
Bei der Durchsicht der Dokumente kristallisierten sich unterschiedliche Provenienzen heraus und es erfolgte die Bildung eines eigenen Bestandes Salomon Hirzel Verlag, der den zeitlichen Umfang der Jahre 1947 bis 1991 umfasst. Im Frühjahr 2001 wurden die Unterlagen des Bestandes bearbeitet. Anwendung fand überwiegend die einfache Verzeichnung auf der Grundlage der Ordnungs- und Verzeichnungsgrundsätze von 1964. Die Gliederung orientierte sich an den Aufgaben und der Struktur eines Verlages. Das vorliegende Findbuch (Einleitung und Verzeichnungsangaben) entspricht der Bearbeitung von 2001 und wurde lediglich in Vorbereitung der Online-Stellung im Jahr 2016 durch Thekla Kluttig in wenigen Punkten ergänzt.

Überlieferungsschwerpunkte

Die vorhandenen Unterlagen tragen nur fragmentarischen Charakter. So sind es vor allem die Titelakten des Herstellungsbereiches, die überliefert sind und Auskunft über Themen, Verfasser, Kosten, Auflagenhöhe und Druck der Bücher und Zeitschriften des Verlages der 1960er und 1970er Jahre geben. Die Manuskripte selbst sind nicht überliefert. Daneben wird durch Protokolle von Dienstbesprechungen und Arbeitsplänen sowie durch überlieferte Betriebsverträge und Niederschriften über Honorar- und Valutaangelegenheiten Einblicke in die Arbeit des Verlages gewährt. Die Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Kultur und dem Außenhandelsbetrieb Buchexport wird ebenfalls dokumentiert.

Marion Bähr / Thekla Kluttig

2002 / 2016


[01] Zur Entwicklung nach 1990 siehe Christoph Links: Das Schicksal der DDR-Verlage. Die Privatisierung und ihre Konsequenzen, Berlin 2. Auflage 2010, S. 308ff.
Arbeitspläne.- Dienstbesprechungen.- Titelannahmeverfahren.- Titelakten der Herstellung.- Export.
Salomon Hirzel gründete 1853 den S. Hirzel Verlag in Leipzig. Neben der historisch-philologischen Ausrichtung (Deutsches Wörterbuch der Gebrüder Grimm) profilierte sich der Verlag später insbesondere auf medizinischem und naturwissenschaftlich-technischem Gebiet. Im Dezember 1943 wurde die Firma mit allen Lagern ausgebombt. Als schweizerische Firma wurde der S. Hirzel Verlag seit 1952 "in Verwaltung" geführt. 1968 erfolgte der Zusammenschluss mit den Verlagen B. G. Teubner und Akademische Verlagsanstalt Geest & Portig KG zu einer Verlagsgruppe. Nach 1990 wurde der Verlag in Leipzig vom westdeutschen Parallelverlag übernommen.
  • 2016 | Findbuch / Datenbank
  • 2019-10-04 | Diese Ausgabe über AWAX 2.0.0.9
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