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Beständeübersicht

Bestand

21678 Thielemann, Hugo (SPD)

Datierung1911 - 1981
Benutzung im Staatsarchiv Leipzig
Umfang (nur lfm)0,11
Zur Biografie von Hugo Thielemann

Alfred Hugo Thielemann wurde am 9. Juni 1897 als Sohn des Gießereiarbeiters und SPD- Mitglieds August Hugo Thielemann und dessen Ehefrau Anna Alma Thielemann in Leipzig geboren. Nach dem Besuch der Volksschule (1903 – 1911) und der Fortbildungsschule (1911 – 1913) in Leipzig ging der ungelernte Thielemann Beschäftigungen als Laufbursche und Maschinenarbeiter nach, bis er 1916 als Soldat zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Der bereits ab 1913 in der Arbeiterjugend politisch organisierte Thielemann trat 1916 zunächst der SPD, später der USPD bei. Während der Novemberrevolution war er Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates in Wurzen und wurde deswegen zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Die Vollstreckung des Urteils konnte jedoch durch Amnestierung aller Angeklagten verhindert werden.[01] Für seine Beteiligung an den Märzkämpfen in Mitteldeutschland und der Niederschlagung des Kapp-Putsches erhielt Thielemann 1958 eine Ehrenmedaille.[02]
1920 heiratete Hugo Thielemann Johanna Lange, die er bei der Arbeiterjugend kennengelernt hatte. Ihr 1928 geborener Sohn Gerd Thielemann studierte Malerei und Graphik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, an der er später als Dozent tätig war.[03]
Von 1919 bis 1926 arbeitete Thielemann als Kaltvulkaniseur bis er schließlich eine Tätigkeit als Lagerhalter bei der Konsumgenossenschaft aufnahm. Innerhalb der Konsumgenossenschaft bekleidete er verschiedene Positionen, als Verkaufsstellenleiter, Kontrolleur, Schulungs- und Ausbildungsleiter, Kaderleiter und Vorstandsmitglied. Nachdem Thielemann 1962 aus gesundheitlichen Gründen aus dem Berufsleben ausschied, blieb er der Genossenschaft ehrenamtlich weiter verbunden.
Während der Zeit des Nationalsozialismus gelang es Thielemann, sich der politischen Vereinnahmung und dem Beitritt zur NSDAP zu entziehen. Von 1939 bis 1941 war er bei der Wehrmacht. Als er 1945 zum Volkssturmdienst einberufen wurde, erging trotz Differenzen mit Vertretern der Partei an seiner Arbeitsstelle und im Wohnblock, ein Gesuch des Gemeinschaftswerk-Versorgungsring, ihn nicht einzuziehen, das jedoch ohne Erfolg blieb. Thielemann geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft und wurde in einem der sogenannten Rheinwiesenlager bei Bad Kreuznach interniert. Im Juni 1945 wurde er entlassen und kehrte nach Leipzig zurück. [04]
Neben seiner beruflichen Laufbahn engagierte sich Thielemann stets ehrenamtlich in der Jugendarbeit. So war er zwischen 1920 und 1933 Spitzenfunktionär in der Arbeiterturn- und Sportbewegung sowie Ortsgruppenleiter der sozialistischen Wanderorganisation "Naturfreunde". Nach 1945 knüpfte er daran an und half, eine Kanugruppe zu gründen, deren Vorsitzender er war.[05] Darüber hinaus widmete sich Thielemann bis ins hohe Alter der politischen Arbeit in den Pionierorganisationen und der FDJ. Er wurde zu Gesprächen und Veranstaltungen als Referent eingeladen.[06]
Für seine politische Arbeit und Agitation erhielt Thielemann in den Jahren 1951 – 1981 zahlreiche Auszeichnungen, wie z. B. Ehrenurkunden der SED und des FDGB, die Verdienstmedaille der DDR, den Vaterländischen Verdienstorden in Bronze und Silber sowie Ehrenurkunden der Konsumgenossenschaft.[07]
Am 3. November 1981 verstarb Hugo Thielemann in Leipzig.

Bestandsgeschichte und Bearbeitung

Der vorliegende Bestand wurde im Jahr 1993 mit den übrigen Beständen des Bezirksparteiarchivs vom PDS-Landesvorstand Sachsen dem Staatsarchiv Leipzig übergeben. Eine erste Verzeichnung mit der Archivsoftware AUGIAS-Archiv erfolgte im Jahr 2001. Im Rahmen der Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste in der Fachrichtung Archiv hat Christin Maiwald die Verzeichnungsangaben 2025 entsprechend der Erschließungsrichtlinie des Sächsischen Staatsarchivs überarbeitet und die Unterlagen teilweise neu geordnet.

Überlieferungsschwerpunkte

Die überlieferten Unterlagen umfassen 0,11 lfm und erstrecken sich über den Zeitraum von 1911 bis zum Tod Hugo Thielemanns 1981. Der Schwerpunkt der Überlieferung liegt in der Zeit direkt nach dem Ende des 2. Weltkriegs. Ein während der amerikanischen Kriegsgefangenschaft bei Bad Kreuznach geführtes Tagebuch dokumentiert die Situation in den "Rheinwiesenlagern".[08] Die Unterlagen zur Jugendarbeit belegen, wie frühzeitig und konsequent in der SBZ und späteren DDR Einfluss auf Kinder und Jugendliche genommen wurde und stellen damit eine aufschlussreiche Quelle zur ideologischen Prägung der Nachkriegsgeneration dar.[09] Nicht alle Unterlagen zur Jugendarbeit stammen aus der Feder Thielemanns, z. T. wurden Sie von ihm als Vorsitzenden der Kanufahrer lediglich mitgezeichnet.[10]

Hinweise zur Benutzung

Für die Einsichtnahme sind die Regeln des Datenschutzes zu beachten. Es gelten die in § 10 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3b des Sächsischen Archivgesetzes festgelegten Schutzfristen. Bei der Bestellung und Zitierung ist anzugeben: StA-L, 21678 Hugo Thielemann (SPD), Nr. 01.

Verweis auf korrespondierende Bestände im Staatsarchiv Leipzig

21699 SED, Sammlung Kaderunterlagen, Nr. 694
22467 SED, Sammlungen Mitgliedsunterlagen, Nr. 213

Christin Maiwald
November 2025


[01] Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig (StA-L), 21678 Hugo Thielemann (SPD), Nr. 2.
[02] StA-L, 21678 Hugo Thielemann (SPD), Nr. 4.
[03] StA-L, 21678 Hugo Thielemann (SPD), Nr. 2.
[04] StA-L, 21678 Hugo Thielemann (SPD), Nr. 3.
[05] StA-L, 21678 Hugo Thielemann (SPD), Nr. 6.
[06] StA-L, 21678 Hugo Thielemann (SPD), Nr. 7.
[07] StA-L, 21678 Hugo Thielemann (SPD), Nr. 4.
[08] StA-L, 21678 Hugo Thielemann (SPD), Nr. 3.
[09] StA-L, 21678 Hugo Thielemann (SPD), Nr. 6, Nr. 8.
[10] StA-L, 21678 Hugo Thielemann (SPD), Nr. 6.
Persönliche Dokumente.- Redemanuskripte.- Unterlagen zur Jugendarbeit.
Alfred Hugo Thielemann wurde am 9. Juni 1897 Leipzig geboren. Nach dem Besuch der Volksschule (1903 - 1911) und der Fortbildungsschule (1911 - 1913) in Leipzig ging der ungelernte Thielemann Beschäftigungen als Laufbursche und Maschinenarbeiter nach, bis er 1916 als Soldat zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Der bereits ab 1913 in der Arbeiterjugend politisch organisierte Thielemann trat 1916 zunächst der SPD, später der USPD bei. Während der Novemberrevolution war er Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates in Wurzen. Zudem beteiligte sich Thielemann an den Märzkämpfen in Mitteldeutschland und der Niederschlagung des Kapp-Putsches. 1926 trat er eine Stelle als Lagerhalter bei der Konsumgenossenschaft an. Dort bekleidete er verschiedene Positionen, als Verkaufsstellenleiter, Kontrolleur, Schulungs- und Ausbildungsleiter, Kaderleiter und Vorstandsmitglied. Während des 2. Weltkriegs wurde Thielemann von 1939 bis 1941 und 1945 zur Wehrmacht eingezogen. Nachdem er in amerikanische Kriegsgefangenschaft geraten war, wurde er in einem der sogenannten Rheinwiesenlager bei Bad Kreuznach interniert und kehrte nach seiner Entlassung im Juni 1945 nach Leipzig zurück. Neben seiner beruflichen Laufbahn engagierte sich Thielemann stets in der Jugendarbeit. Nachdem er 1962 aus gesundheitlichen Gründen aus dem Berufsleben ausgeschieden war, blieb er der Genossenschaft ehrenamtlich weiter verbunden. Am 3. November 1981 verstarb Hugo Thielemann in Leipzig.
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