Beständeübersicht
Bestand
21683 Vollrath, Otto
| Datierung | 1920 - 1983 |
|---|---|
| Benutzung im | Staatsarchiv Leipzig |
| Umfang (nur lfm) | 0,00 |
Biografie Otto Albert Felix Vollrath
Otto Albert Felix Vollrath wurde am 28.04.1907 in Leipzig-Volkmarsdorf geboren. Er heiratete Johanna Marianne Mieth 1929 in Leipzig, das Paar hatte ein Kind. Vollrath kam aus einer politisch engagierten Arbeiterfamilie, sein Vater und seine Geschwister waren Mitglieder der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Er selbst trat der Partei 1925 bei. Außerdem war Otto Vollrath seit 1924 im Roten Jungsturm beim Rotfrontkämpferbund (RFB) und seit 1925 bei der Roten Hilfe (RH) tätig.[01] 1946 wurde er Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED).
Otto Vollrath machte seine Ausbildung als Flachdrucker ab 1921 in der Firma E. A. Funke Nachfolger Max Neubauer und arbeitete dort bis 1925. Danach fand er eine Anstellung als Bahnarbeiter von 1925 bis 1932 bei der Reichsbahn. Aufgrund seiner politischen Aktivitäten wurde Otto Vollrath 1925 wegen Landfriedensbruch und 1933 wegen Geldsammelns für Häftlinge in Konzentrationslagern zu mehrwöchigen Haftstrafen verurteilt. Vollrath wurde am 12.10.1934 wegen seiner Tätigkeit als Kurier für die KPD verhaftet und war zwischen Oktober 1934 und November 1935 in Leipzig und Dresden in Untersuchungshaft. Er wurde am 04.11.1935 wegen Vorbereitung des Hochverrates vom Oberlandesgericht Dresden zu 5 Jahren und 6 Monaten Zuchthaus, sowie 5 Jahren Ehrverlust verurteilt.[02] Vollrath war im Zuchthaus Waldheim und im Strafgefangenenlager Elbregulierung Griebo bei Coswig vom 21.11.1935 bis 21.04.1940 interniert. Im Anschluss an seine Haft wurde er vom 21.04.1940 bis 04.03.1941 im Polizeigefängnis (Gestapo) Leipzig in "Schutzhaft" genommen. Anschließend wurde er unter Polizeiaufsicht gestellt.[03]
Nach seiner Entlassung war Otto Vollrath bei seinem Ausbildungsbetrieb von 1941 bis 1945 als Steindruck-Maschinenmeister angestellt, mit Unterbrechung durch seine Zwangs-verpflichtung in die Wehrmacht vom 17.02.1943 bis 13.04.1945. Dort wurde er in das "Strafbataillon 999" Heuberg/Baden zwangsverpflichtet und mit diesem nach Griechenland und Albanien verlegt.[04] Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg im April 1945 baute Otto Vollrath in Leipzig-Paunsdorf das Komitee "Freies Deutschland" auf und schloss sich nach Neugründung wieder der KPD an.
Vom Oktober 1945 bis April 1947 arbeitete Vollrath als Hausmeister beim Vermietungsamt Leipzig. Anschließend begann er eine Laufbahn als Wachtmeister in der Gefangenenanstalt Meusdorf und der Untersuchungshaftanstalt (UHA) Leipzig. Danach war er als Leitungsmitglied in verschiedenen VP-Dienststellen tätig. Im Jahr 1963 schied Otto Vollrath aus gesundheitlichen Gründen aus der Volkspolizei aus.[05]
Er war u. a. als Kassierer bei der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN), als Leitungsmitglied der Wohnparteiorganisation 519 (WPO), als Vorsitzender im Veteranenkomitee Südost und der Volkssolidarität Südost (VS Südost) sowie als Stellvertretender Vorsitzender der "Alfred Frank-Siedlung" Lübschützer Teiche tätig.
Wegen seiner Verfolgung durch die Nationalsozialisten wurde Otto Vollrath vermutlich 1947, spätestens aber 1952 der Status als Verfolgter des Naziregimes (VdN-Status) zuerkannt.[06]
Außerdem gehörte Vollrath folgenden Organisationen und Vereinigungen in der DDR an: Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft (DSF), Freier Deutscher Gewerkschaftsbund (FDGB), Konsumgenossenschaft, Komitee der antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR, Deutsches Rotes Kreuz der DDR und Nationale Front.[07]
Weitere Informationen aus seinem Leben sind hier nicht überliefert.
Bestandsgeschichte- und Bearbeitung
Der Bestand wurde im Jahr 1993 mit den übrigen Beständen des Bezirksparteiarchivs vom PDS-Landesvorstand Sachsen dem Staatsarchiv Leipzig übergeben. Eine Eingabe in die Archivsoftware AUGIAS-Archiv erfolgte im Jahr 2000.
Im Rahmen der Ausbildung zum Fachangestellten für Medien und Informationsdienste im Fachbereich Archiv nahm Tobias Gehre 2025 eine Neuverzeichnung auf Basis der Erschließungsrichtlinien des Sächsischen Staatsarchivs in AUGIAS 9.2 vor.
Überlieferungsschwerpunkte
Der vorliegende Bestand enthält vor allem persönliche Dokumente zu Otto Vollraths Internierungen, z. B. Haftbescheinigungen, sein Urteil vom Oberlandesgericht Dresden und ein 1937 - 1938 in der Haft verfasstes Schreibheft mit illustrierten Gedichten.
Hinweise für die Benutzung
Bei der Bestellung und Zitierung ist anzugeben: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig (StA-L), 21683 Vollrath, Otto, Nr. 1.
Verweise auf korrespondierende Bestände im Staatsarchiv Leipzig
StA-L, 20031 Polizeipräsidium Leipzig, Nr. PP-M 1388
StA-L, 20036 Zuchthaus Waldheim, Nr. 10501
StA-L, 20114 Landgericht Leipzig, Nr. 8724
StA-L, 20237 Bezirkstag / Rat des Bezirkes Leipzig, Nr. 26958
Tobias Gehre
August 2025
[01] Sächsisches Staatsarchiv (StA-L), 20237 Bezirkstag / Rat des Bezirkes Leipzig, Nr. 26958.
[02] StA-L, 21683 Vollrath, Otto, Nr. 3.
[03] StA-L, 21683 Vollrath, Otto, Nr. 1.
[04] StA-L, 20237 Bezirkstag / Rat des Bezirkes Leipzig, Nr. 26958 und StA-L, 20031 Polizeipräsidium Leipzig, Nr. PP-M 1388.
[05] StA-L, 21683 Vollrath, Otto, Nr.1 und StA-L, 20237 Bezirkstag / Rat des Bezirkes Leipzig, Nr. 26598.
[06] StA-L 20237 Bezirkstag / Rat des Bezirkes Leipzig, Nr. 26958.
[07] StA-L 20237 Bezirkstag / Rat des Bezirkes Leipzig, Nr. 26958.
Otto Albert Felix Vollrath wurde am 28.04.1907 in Leipzig-Volkmarsdorf geboren. Er heiratete Johanna Marianne Mieth 1929 in Leipzig, das Paar hatte ein Kind. Vollrath kam aus einer politisch engagierten Arbeiterfamilie, sein Vater und seine Geschwister waren Mitglieder der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Er selbst trat der Partei 1925 bei. Außerdem war Otto Vollrath seit 1924 im Roten Jungsturm beim Rotfrontkämpferbund (RFB) und seit 1925 bei der Roten Hilfe (RH) tätig.[01] 1946 wurde er Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED).
Otto Vollrath machte seine Ausbildung als Flachdrucker ab 1921 in der Firma E. A. Funke Nachfolger Max Neubauer und arbeitete dort bis 1925. Danach fand er eine Anstellung als Bahnarbeiter von 1925 bis 1932 bei der Reichsbahn. Aufgrund seiner politischen Aktivitäten wurde Otto Vollrath 1925 wegen Landfriedensbruch und 1933 wegen Geldsammelns für Häftlinge in Konzentrationslagern zu mehrwöchigen Haftstrafen verurteilt. Vollrath wurde am 12.10.1934 wegen seiner Tätigkeit als Kurier für die KPD verhaftet und war zwischen Oktober 1934 und November 1935 in Leipzig und Dresden in Untersuchungshaft. Er wurde am 04.11.1935 wegen Vorbereitung des Hochverrates vom Oberlandesgericht Dresden zu 5 Jahren und 6 Monaten Zuchthaus, sowie 5 Jahren Ehrverlust verurteilt.[02] Vollrath war im Zuchthaus Waldheim und im Strafgefangenenlager Elbregulierung Griebo bei Coswig vom 21.11.1935 bis 21.04.1940 interniert. Im Anschluss an seine Haft wurde er vom 21.04.1940 bis 04.03.1941 im Polizeigefängnis (Gestapo) Leipzig in "Schutzhaft" genommen. Anschließend wurde er unter Polizeiaufsicht gestellt.[03]
Nach seiner Entlassung war Otto Vollrath bei seinem Ausbildungsbetrieb von 1941 bis 1945 als Steindruck-Maschinenmeister angestellt, mit Unterbrechung durch seine Zwangs-verpflichtung in die Wehrmacht vom 17.02.1943 bis 13.04.1945. Dort wurde er in das "Strafbataillon 999" Heuberg/Baden zwangsverpflichtet und mit diesem nach Griechenland und Albanien verlegt.[04] Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg im April 1945 baute Otto Vollrath in Leipzig-Paunsdorf das Komitee "Freies Deutschland" auf und schloss sich nach Neugründung wieder der KPD an.
Vom Oktober 1945 bis April 1947 arbeitete Vollrath als Hausmeister beim Vermietungsamt Leipzig. Anschließend begann er eine Laufbahn als Wachtmeister in der Gefangenenanstalt Meusdorf und der Untersuchungshaftanstalt (UHA) Leipzig. Danach war er als Leitungsmitglied in verschiedenen VP-Dienststellen tätig. Im Jahr 1963 schied Otto Vollrath aus gesundheitlichen Gründen aus der Volkspolizei aus.[05]
Er war u. a. als Kassierer bei der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN), als Leitungsmitglied der Wohnparteiorganisation 519 (WPO), als Vorsitzender im Veteranenkomitee Südost und der Volkssolidarität Südost (VS Südost) sowie als Stellvertretender Vorsitzender der "Alfred Frank-Siedlung" Lübschützer Teiche tätig.
Wegen seiner Verfolgung durch die Nationalsozialisten wurde Otto Vollrath vermutlich 1947, spätestens aber 1952 der Status als Verfolgter des Naziregimes (VdN-Status) zuerkannt.[06]
Außerdem gehörte Vollrath folgenden Organisationen und Vereinigungen in der DDR an: Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft (DSF), Freier Deutscher Gewerkschaftsbund (FDGB), Konsumgenossenschaft, Komitee der antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR, Deutsches Rotes Kreuz der DDR und Nationale Front.[07]
Weitere Informationen aus seinem Leben sind hier nicht überliefert.
Bestandsgeschichte- und Bearbeitung
Der Bestand wurde im Jahr 1993 mit den übrigen Beständen des Bezirksparteiarchivs vom PDS-Landesvorstand Sachsen dem Staatsarchiv Leipzig übergeben. Eine Eingabe in die Archivsoftware AUGIAS-Archiv erfolgte im Jahr 2000.
Im Rahmen der Ausbildung zum Fachangestellten für Medien und Informationsdienste im Fachbereich Archiv nahm Tobias Gehre 2025 eine Neuverzeichnung auf Basis der Erschließungsrichtlinien des Sächsischen Staatsarchivs in AUGIAS 9.2 vor.
Überlieferungsschwerpunkte
Der vorliegende Bestand enthält vor allem persönliche Dokumente zu Otto Vollraths Internierungen, z. B. Haftbescheinigungen, sein Urteil vom Oberlandesgericht Dresden und ein 1937 - 1938 in der Haft verfasstes Schreibheft mit illustrierten Gedichten.
Hinweise für die Benutzung
Bei der Bestellung und Zitierung ist anzugeben: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig (StA-L), 21683 Vollrath, Otto, Nr. 1.
Verweise auf korrespondierende Bestände im Staatsarchiv Leipzig
StA-L, 20031 Polizeipräsidium Leipzig, Nr. PP-M 1388
StA-L, 20036 Zuchthaus Waldheim, Nr. 10501
StA-L, 20114 Landgericht Leipzig, Nr. 8724
StA-L, 20237 Bezirkstag / Rat des Bezirkes Leipzig, Nr. 26958
Tobias Gehre
August 2025
[01] Sächsisches Staatsarchiv (StA-L), 20237 Bezirkstag / Rat des Bezirkes Leipzig, Nr. 26958.
[02] StA-L, 21683 Vollrath, Otto, Nr. 3.
[03] StA-L, 21683 Vollrath, Otto, Nr. 1.
[04] StA-L, 20237 Bezirkstag / Rat des Bezirkes Leipzig, Nr. 26958 und StA-L, 20031 Polizeipräsidium Leipzig, Nr. PP-M 1388.
[05] StA-L, 21683 Vollrath, Otto, Nr.1 und StA-L, 20237 Bezirkstag / Rat des Bezirkes Leipzig, Nr. 26598.
[06] StA-L 20237 Bezirkstag / Rat des Bezirkes Leipzig, Nr. 26958.
[07] StA-L 20237 Bezirkstag / Rat des Bezirkes Leipzig, Nr. 26958.
Persönliche Dokumente.- Auszeichnungen.- Urteil des 1. Strafsenats des Oberlandgerichts Dresden vom 21. Nov. 1935.
Otto Albert Felix Vollrath wurde am 28.04.1907 in Leipzig-Volkmarsdorf geboren. Er war seit 1925 in der KPD und seit 1946 Mitglied der SED. Außerdem war er seit 1924 im Roten Jungsturm beim Rote Frontkämpferbund (RFB) und seit 1925 bei der Roten Hilfe (RH) aktiv. Als gelernter Flachdrucker war Otto Vollrath bis 1925 beschäftigt, bevor er als Bahnarbeiter bis 1932 bei der Reichsbahn arbeitete. Vollrath wurde 1935 wegen Vorbereitung des Hochverrats zu 5 Jahren und 6 Monaten Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. Nach seiner Haftentlassung 1940 kam er in 'Schutzhaft' und wurde 1941 in Polizeiaufsicht entlassen. Danach arbeitete er als Steindrucker. 1943 wurde Otto Vollrath für das 'Strafbataillon 999' zwangsverpflichtet und kam im April 1945 nach Leipzig zurück. Vollrath baute in Leipzig-Paunsdorf das Komitee "Freies Deutschland" mit auf und schloss sich nach Wiedergründung der KPD an. Otto Vollrath arbeitete ab 1945 für das Vermietungsamt in Leipzig, ab 1947 für den Strafvollzug und die Volkspolizei Südost, u. a. im Rang als Oberleutnant der VP. Er war als Leitungsmitglied in verschiedenen VP-Dienststellen tätig. Wegen seiner Verfolgung durch das Nazi-Regime wurde Otto Vollrath vermutlich 1947, aber spätestens 1952 der VdN-Status zuerkannt.