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Beständeübersicht

Bestand

22305 Sammlung Deutsche Buchdrucker-Lehranstalt, Leipzig

Datierung1927 - 1959
Benutzung im Staatsarchiv Leipzig
Umfang (nur lfm)0,22
Zur Geschichte der Deutschen Buchdrucker-Lehranstalt

Leipzig kann als Standort des Buchdruck- und Buchhandelgewerbes auf eine über Jahrhunderte beständige Geschichte zurückblicken. Um der stetig steigenden Personalnachfrage, bedingt durch die Einführung der Gewerbefreiheit in Sachsen 1862, gerecht zu werden, war es unabdingbar, Nachwuchs intensiv auf dessen künftigen Beruf vorzubereiten.
Bereits am 6. März 1852 beantragte Friedrich Fleischer[01] beim Verein der Buchhändler die Gründung einer Anstalt, "welche den Lehrlingen Gelegenheit zu einer weiteren Ausbildung biete".[02] Auf einer außerordentlichen Generalversammlung des Vereins wurde diesem entsprochen. Nach Bestätigung durch den Rat der Stadt Leipzig konnte am 2. Januar 1853 die Schuleröffnung begangen werden.[03] Sitz der Lehranstalt war die alte Buchhändlerbörse in der Leipziger Ritterstraße.

Ähnlich verlief es im Buchdruckergewerbe. Erste Schritte wurden durch die Einreichung einer Denkschrift zur Lehrlingsausbildung an die Genossenschaft Leipziger Buchdruckereibesitzer 1868 getan.[04] Nach Zustimmung der Genossenschaft begann eine Kommission mit der Ausarbeitung eines Planes für eine künftige Schule. Bereits am 27. Mai des Folgejahres fand die feierliche Eröffnung der Buchdrucker-Lehranstalt statt. Aufgrund eines gewerbeinternen Streiks musste die Schule 1873 geschlossen werden. Auf Initiative des Deutschen Buchdruckervereins und des Vereins Leipziger Buchdruckereibesitzer wurde die Lehranstalt reorganisiert und am 1. November 1886 als Abteilung der Städtischen Gewerbeschule mit Sitz in der "Fach- und Fortbildungsschule" am Täubchenweg/Platostraße wiedereröffnet.[05]

In den 1920er Jahren traten erneut Probleme im Schulalltag auf: Der Platz für die mittlerweile 1200 Buchdruckerlehrlinge reichte nicht mehr aus, an eine Zusammenfassung sämtlicher graphischer Berufsschulen war in Leipzig noch nicht zu denken und die Buchdruckerei-besitzer forderten eine Meisterschule für Betriebsführer. Ein neues Objekt wurde benötigt. Der erste Spatenstich folgte am 9. August 1927. Fast zwei Jahre und rund 2.050.000 Reichsmark später konnte die neue Ausbildungsstätte bezogen werden – die feierliche Einweihung des vom Architekten Otto Droge entworfenen Neubaus in der Platostraße 8 (heute Gutenbergplatz 8) fand am 29. Juni 1929 statt.[06]

Der Zweite Weltkrieg traf besonders die Buchhändler-Lehranstalt schwer: Bombentreffer zerstörten diese sowie das Buchhändlerhaus. Nach Kriegsende konnte der Schulbetrieb jedoch wiederaufgenommen werden. 1958 wurde die Buchdrucker-Lehranstalt, mittlerweile in "Gutenbergschule" umbenannt, mit der 1949 gegründeten Betriebsberufsschule "Otto Grotewohl" zusammengeschlossen und bestand als Ausbildungsstätte der polygraphischen Industrie weiterhin fort. Im Jahre 1965 wurde diese Betriebsberufsschule in den "Graphischen Großbetrieb Interdruck" integriert. Die Deutsche Buchhändler-Lehranstalt hingegen erlebte 1972 ihre Umwandlung in die Betriebsberufsschule des Volksbuchhandels der DDR. Beide Schulen wurden 1990 durch die Stadt Leipzig übernommen, 1992 zusammengeschlossen und bestehen noch heute als Berufliches Schulzentrum der Stadt Leipzig "Gutenbergschule".

Bestandsgeschichte und -bearbeitung

Während der Erschließungsarbeiten am Bestand 21100 Graphischer Großbetrieb Interdruck wurden auch Drucke und Fotografien ermittelt, die sich auf die Deutsche Buchhändler-Lehranstalt beziehen. Sie wurden als eigenständiger Bestand 22305 Sammlung Deutsche Buchdrucker-Lehranstalt formiert und durch Herrn Martin Kühn erschlossen.[07] Abschluss der Arbeiten bildet das vorliegende Findbuch.

Überlieferungsschwerpunkte

Der Bestand 22305 Sammlung Deutsche Buchdrucker-Lehranstalt enthält insgesamt 195 Fotos s/w, eine Druckschrift und drei Glückwunschmappen anlässlich bedeutender Ereignisse. Sachakten sind nicht vorhanden.

Korrespondierende Bestände

Für die Zeit als Ausbildungsstätte der polygraphischen Industrie sowie der Entwicklung des Druckgewerbes empfehlen sich Recherchen im Bestand 21100 Graphischer Großbetrieb Interdruck.

Weiterhin existieren in der Dienstbibliothek des StA-L folgende Medienwerke:

- Frenzel, Curt: Denkschrift über die Entwicklung der Buchhändler-Lehranstalt zu Leipzig in den Jahren 1853 bis 1914, Leipzig 1914.

- Klisch, Ines: Deutsche Buchhändler-Lehranstalt, Leipzig C1. Zur Geschichte der bedeutendsten Berufs- und Fachschule des Buchhandels, Grimma 2008.

- Smitt, Wilhelm: Die Buchhändler-Lehranstalt zu Leipzig in den Jahren 1853-1903. Festschrift zur Jubelfeier am 4. Januar 1903, Leipzig 1903.

- Buchdrucker-Lehranstalt Leipzig. Ihr Werden und Wirken in fünfzig Jahren 1886-1936, Leipzig 1936.

Martin Kühn
Oktober 2012


[01] Georg Friedrich Fleischer, * 6.4.1794, † 22.9.1863, war Leipziger Stadtrat und Vorsitzender des Vereins Leipziger Buchhändler.
[02] Vgl. Smitt, Wilhelm: Die Buchhändler-Lehranstalt zu Leipzig in den Jahren 1853-1903. Festschrift zur Jubelfeier am 4. Januar 1903, Leipzig 1903, S. 2.
[03] Ebd., S. 8.
[04] Vgl. Buchdrucker-Lehranstalt Leipzig. Ihr Werden und Wirken in fünfzig Jahren 1886-1936, Leipzig 1936, S. 14.
[05] Ebd., S. 18.
[06] Vgl. Buchdrucker-Lehranstalt Leipzig. Ihr Werden und Wirken in fünfzig Jahren 1886-1936, Leipzig 1936, S. 10.
[07] Zur Geschichte des Graphischen Großbetriebes Interdruck, vgl. Findbucheinleitung des Bestandes.
Auf Initiative des Deutschen Buchdruckervereins und des Vereins Leipziger Buchdruckerei-Besitzer wurde die 1869 eröffnete Buchdrucker-Lehranstalt reorganisiert und am 01.11.1886 als Abteilung der Städtischen Gewerbeschule, mit Sitz in der "Fach- und Fortbildungsschule" am Täubchenweg/Platostraße, wiedereröffnet.
Von 1927 bis 1929 wurde ein neues Schulgebäude in der Platostraße 8 (heute Gutenbergplatz 8) gebaut und am 29.06.1929 feierlich eingeweiht.
1958 wurde die Buchdrucker-Lehranstalt, mittlerweile in "Gutenbergschule" umbenannt, mit der 1949 gegründeten Betriebsberufsschule "Otto Grotewohl" zusammengeschlossen und bestand als Ausbildungsstätte der polygraphischen Industrie fort. 1965 wurde diese Betriebsberufsschule in den "Graphischen Großbetrieb Interdruck" integriert.
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